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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 155

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 155 (sequence 15)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Die Talmud Thora-Anstalt, die Jeremias in kurzer Zeit so erfolgreich einst gehoben hatte, wurde nach ihrer Vereinigung mit der Gemeindeschule ein Tätigkeitsgebiet auch für seinen Sohn Marcus, der neue Talente mit dem Erbgut der Unterrichtskunst verbinden konnte, nämlich Begabung für Musik und Zeichnen. Für seine musikalische Befähigung legen seine Kompositionen Zeugnis ab, von denen die zum Sabbatschlußlied „En Kelohenu" durch ihre Aufnahme in Lewandowskis Synagogalwerk überall populär geworden ist41). Die noch im Familienbesitz erhaltenen Klavierkompositionen sind im Geiste ihrer Zeit von melodischer Liebenswürdigkeit und harmonischem Geschmack, die synagogalen stehen weit höher und zeigen überaus wohlgesetzte und wohlklingende Musik42). Marcus war ein theoretisch tüchtig geschulter Musiker und wurde von der Verwaltung der Berliner Gemeinde oft als Sachverständiger für gottesdienstliche musikalische Angelegenheiten zugezogen. Für seine zeichnerische Begabung erhielt er eine ausdrückliche Anerkennung von Seiten der Kgl. Akademie der Künste, die ihn am 11. Dezember 1850 als hinreichend befähigt erklärte, an höheren Bürgerschulen und Gymnasien den Unterricht im Zeichnen mit gutem Erfolg zu erteilen43). Schon unter der Direktion von Baruch Auerbach an der Gemeindeschule als Gesang- und Zeichenlehrer angestellt, blieb er auch bei der Neuorganisierung der Anstalt unter Aron Horwitz im Amte. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er die Herausgabe des Kalenders, konnte jedoch nur zweimal 1856 und 1857 mit seinem Namen zeichnen, da er bereits am 15. Mai 1858 im besten Mannesalter verstarb. und auf ausdrücklichen Wunsch des Königs als Hauptelementarbuch beim Religionsunterricht der jüdischen Jugend in Bayern eingeführt wurde. — Behr, zu Hamburg am 9. 2. 1797 als Sohn eines R. Nathan geboren, lebte in München als Privatgelehrter und starb daselbst unverheiratet am 19. 2. 1868. Außer seinem Religionsbuch, das zwar den pädagogischen Anforderungen der Jetztzeit nicht mehr entspricht, aber eine brauchbare Quelle für die Darstellung des jüdischen Religionsgesetzes bleibt, schuf er die erste Ausgabe eines Gebetbuches mit deutscher Übersetzung auf Anregung des Münchener Gemeindevorstehers Israel Hirsch Pappenheimer, der das Werk selbst verlegte (München 1827) und gleichfalls dafür ein Kgl. Privileg mit Nachdruckverbot auf sechs Jahre erhielt. Auch dieses Werk mußte die Genehmigung von Abraham Bing erlangen, die, nach Vornahme einiger Abänderungen in der Übersetzung, erteilt wurde. Nach den Proben in den Berichtigungen zu schließen, waren aber die Behrschen Texte besser als die geforderten Änderungen. Dem Gebetbuch geht eine gute Einführung in die Gebete voraus, die den religiösen und wissenschaftlichen Standpunkt des Verfassers als übereinstimmend mit dem von Jeremias Heinemann erweist, so daß dessen Lob für das Behrsche Religionsbuch begreiflich ist. Die im Gebetbuch von Behr angekündigte hebräische und chaldäische Sprachlehre scheint nicht erschienen zu sein. Behrs Grabstein, den ihm seine dankbaren Neffen und Nichten errichteten, rühmt ihn als Herausgeber des Gebetbuches und ob seiner verwandtschaftlichen Fürsorge. 41) Sie ist in der ersten Ausgabe von Kol Rinnah utefillah, Berlin 1871, noch mit dem Namen des Komponisten bezeichnet, wie Musikdirektor Aron Friedmann, Berlin, mir mitteilt. 42) Originell und einzigartig in der Musikliteratur ist ein Rondo militaire für sechs Klaviere aus dem Jahre 1846. Die synagogalen Kompositionen, eine Auswahl aus dem Freitagabendgottesdienst, sind für a capella-Chor geschrieben, mit Solostimmen und Rezitativen für den Kantor. Die Kompositionen sind im Besitze von Sigrid Josephsson. Die musikalische Beurteilung verdanke ich meinem Sohn Heinz Freudenthal, Konzertmeister in Göteborg. *3) Festschrift zur Feier des 100jährigen Bestehens der Knabenschule der Jüd. Gemeinde Berlin, 1926, S. 104. 155

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