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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 153

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 153 (sequence 13)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern ohne Forschung nach Gründen und Zwecken der Vorschriften. Die Unterrichtsbücher sollen freibleiben von Engherzigkeit, aber auch von fremdartigen Formen; die jüdische Religion soll so einfach vorgetragen werden, wie sie ist, und soll sich nicht mit erborgtem Gut in Inhalt und Form schmücken. Die biblische Geschichte braucht nicht im Urtext gelesen zu werden; sie ist so vorzutragen, daß sie als der Stamm, die Lehre als die Frucht erscheint. Lehrer und Schüler müssen sich gewissenhaft zum Unterricht vorbereiten. Diktate des Lehrers müssen vom Schüler ausgearbeitet, das Hebräische muß vom Schüler zu Hause an Hand geeigneter Grammatik- und Übersetzungsbücher vorbereitet werden. Das wichtigste Moment in der Erziehung der Jugend bleibt die Haltung der Eltern, die durch ein sittliches und religiöses Vorleben der Gesetze am nachhaltigsten auf ihre Kinder einwirken können. Jeremias verschließt sich, wie schon seine Begeisterung für die Konfirmation zeigt, auch in der Pädagogik nicht zeitgemäßen Neuerungen. Wie er in den Lehrplan seiner Anstalten Unterricht in Musik und Sport aufgenommen hatte, so ist er auch ein eifriger Anhänger des Turnwesens und der Marschübungen, und er übernimmt bei einer Besprechung des Turnbuchs von Guths Muths, des Lehrers des Turnvaters Jahn, dessen Schlußworte, die nach den Freiheitskriegen und bei der damaligen innenpolitischen Lage Deutschlands besonders verständlich sind: „Was nun weiter werden wird, kommt mit aufs Große an, ob Fürsten und Volk drei gute Dinge tief ins Herz nehmen; sie sind Eintracht, Treue und Verharren in Rüstung. Nötig sind sie wohl, und die Sorge fürs Letzte in aller Tüchtigkeit kann man doch wohl nur am besten beschwichtigen durch tüchtige Erziehung". Jeremias bemerkt dazu, daß der Gegenstand der edlen Turnkunst viel zu wichtig sei, als daß man nicht durch weitere Urteile berufener Männer ihn zu erschöpfen trachten sollte38). Rüstung, Turnen, Sport waren Ideen, die dem väterlichen Hause, aus dem Jeremias entsprossen war, völlig fern lagen, und man kann sie erst recht nicht mit der Gestalt des R. Meinster in Einklang bringen. Aber Eintracht, Treue und vaterländische Gesinnung harmonierten völlig mit dem Bild des Vaters und dem Geist seiner Erziehung, die im Sohne nunmehr auch verwandte Gebiete des Zeitgeistes einbezog, in der Grundrichtung jedoch die gleiche blieb, nicht zum wenigsten in der religiösen Fundamentierung. Am deutlichsten kommt dies in einer kleinen Arbeit zum Ausdruck, in welcher Jeremias in der bei ihm ganz besonders beliebten katechetischen Form die „Religionslehre der Israeliten in Fragen und Antworten zum Gebrauch bei Einsegnungen" zusammenstellt. Er hatte dieses Schriftchen bereits 1810 in Kassel in deutscher, französischer und hebräischer Ausgabe veröffentlicht, ließ es 1829, als er das Inspektorat am Weyischen Seminar innehatte, erweitert und systematisch geordnet von neuem erscheinen und im Jahre darauf in einem zweiten Teil eine ausführliche Religions lehre nachfolgen. Die Tendenz der Schrift geht schon daraus hervor, daß sie seinem Freunde Abraham Loewenstamm in Emden gewidmet ist, dem Verfasser einer sehr gründlichen Abhandlung gegen den Hamburger Reformtempel, auf die Jeremias bei der Widmung auch noch hinweist, während er selber doch einst bei der Einweihung des Jacobsonschen Reformtempels in Seesen eine Festrede gehalten und sie sowohl in deutscher wie in französischer Ausgabe hatte erscheinen lassen39). Nach alter Sitte ist die kleine Religionslehre von rabbinischen Approbationen geleitet, die noch aus der Kasseler Zeit stammen; die der Kasseler Konsistorialrabbiner Loeb Berlin, Simon Kalkar, Mendel Steinhardt werden nur genannt, 3S) Jedidja, I, Teil 2, S. 124 ff. — In den Lehrplan seiner Anstalten hatte Jeremias außer Musik auch Tennis, Schwimmen und Reiten aufgenommen. 39) Über Loewenstamms Schrift s. Jost, Culturgeschichte der Israeliten, III, 26. Über ihn selbst auch Jahrb. d. Jüd.-Liter. Gesellsch. III, 26. — Den Bericht über die Einweihung des Jacobsontempels s. in Sulamith, III, Teil, 1, S. 301. Die Rede Heinemanns erschien Kassel 1810. 153

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