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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 152

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 152 (sequence 12)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Vor allem war und blieb aber Jeremias unermüdlich literarisch tätig, und auf diesem Gebiete galt nach wie vor seine Arbeit überwiegend der religiösen Erziehung und Ausbildung der Jugend. Mit der Veröffentlichung pädagogischer Schriften hatte er bereits in Kassel begonnen; er setzte sie in Berlin fort. Katechismen, Religionsbücher, Übersetzungs- und Wörterbücher, Lehrbücher für hebräische Grammatik und für jüdische Geschichte, Andachtsbücher für das Haus und den Friedhof, Gebetbücher für die Jugend und für das weibliche Geschlecht, Gesangbücher, Almanache, Taschenbücher, nicht zuletzt die bei seiner Niederlassung in der Hauptstadt angekündigte Übersetzung und Kommentierung der Bibel, das alles reihte sich ununterbrochen, einiges sogar in wiederholten Auflagen aneinander. Mehr als 40 Werke zählte er selbst in einem im Juli 1852 herausgegebenen Verlags- und Kommissionsverzeichnis seines „Bureaus für Literatur und Kunst" auf34). Sein Tagebuch und die Exzerpte in seinem Nachlaß zeugen außerdem in nicht veröffentlichten Arbeiten von sehr emsiger Beschäftigung mit halachischer und historischer Literatur, von Versuchen auf den Gebieten religionsgesetzlicher Abhandlungen und hebräischer Poesie35). In seinen pädagogischen Schriften, in denen er anfangs die Huldigung an „den besseren Zeitgeist*' und die national-vaterländische Tendenz besonders betont hatte36), trat im Laufe der Jahre dafür die von Hause aus grundlegende religiöskonservative Anschauung viel stärker hervor, sicherlich darum, weil er gerade in der Hauptstadt die vielfachen unangenehmen Auswirkungen der bürgerlichen Emanzipation und der schrankenlosen religiösen Reformen deutlich vor Augen sah37). Religion bleibt ihm weiter geoffenbarte Religion, Gesetz geoffenbartes Gesetz. Die Jugend soll einfach lernen, ohne philosophische Untersuchungen, verstorben. Die Grabinschrift für Jeremias ist bereits stark unleserlich; sie wird vom Verein ersetzt werden. Das u.a. noch leserliche Bruchstück lautet: •myf? rrrna rrarvb ras nfcaa mp*a ran a-sn Tja man aus*? nwi bzz pnns -trtn nsuia wo» ub rat naxon ms? fcn pw wpn mann ^rai . . . . -no:?■, 34) Steinschneider in Cat. Bodl. No. 5202; der hebr. Titel in Catalogue of Hebr. Books in the British Museum, ed. Straalen, London 1894, s. v. S. 52. Einen Antiquariatskatalog Heinemanns erwähnt Zunz, Zur Gesch. u. Liter., S. 247. Steinschneider berichtet a. a. O. No. 4636 auch von der Ankündigung (Juli 1818) einer gemeinsam von Heinemann und Büschenthal herauszugebenden Schrift: Auswahl aus dem „Sammler" und Anhang zum „Sammler", die aber nicht erschienen ist. In den verschiedenen bibliographischen Handbüchern sind immer nur Teilstücke der Schriften von Jeremias verzeichnet. Zu den eigenartigsten seiner Schriften gehört das „Wörterbuch zu Friedrich von Schillers Gedichten oder vollständige Erklärung und Erläuterung aller in denselben vorkommenden Namen und Ausdrücken aus der Mythologie, aus der älteren und neueren Geschichte und Geographie usw.", Berlin 1834, Hamburg 1838. 35) Das Tagebuch befindet sich im Besitz von Frau Sigrid Josephsson, der übrige literarische Nachlaß in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin a. a. O. Von seinem 25jährigen Studium der Massora, dem Plan der Herausgabe einer Konkordanz und eines massoretischen Wörterbuches als Vorläufer derselben berichtet Jeremias selbst im Archiv a. a. O. I, 95. 3G) Man vgl. z. B. den 1. Jahrgang seines Almanachs f. d. jüd. Jugend, Berlin 5579. — „Iris", eine Zeitschrift für Freunde des Schönen, wird vom 2. Jahrgang an, Berlin 1824, von ihm redigiert, die Fortsetzung wird angekündigt. Es gelang mir nicht, sie ausfindig zu machen. 37) Man vgl. den Bericht eines Nichtjuden in Sulamith I, Teil 1, S. 407: „Der anmaßende und aburteilende Ton, in welchem diese jungen Leute über alle Gegenstände des menschlichen Wissens sprechen, ist besonders den vornehmen Herrn jüdischer Konfession in Berlin eigen . . . Um einen untrüglichen Beweis ihrer aufgeklärten und einsichtsvollen Denkungsart zu geben, spotten sie über die Religion ihrer Väter, ja sie schämen sich wohl gar derselben und suchen sie so viel als möglich zu verläugnen." Der Herausgeber verweist demgegenüber darauf, daß man doch dort auch eine Zahl „ächt gebildeter Männer, Jünglinge,. Mädchen und Frauen" finde. 152

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