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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 151

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 151 (sequence 11)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Weyl unternahm, und für den er die gesamte Judenschaft in den preußischen Landen aufrief27), die ihm unterstehende Talmud-Thora-Schule zu einem Seminar auszubauen, damit die Ausbildung von Lehrern den zuständigen rabbinischen Autoritäten nicht entzogen würde. Jeremias führte die mündlichen und schriftlichen Verhandlungen mit den Behörden, bei denen er uneingeschränktes Vertrauen und Ansehen genoß, entwarf die Lehrpläne und übernahm im Oktober 1825 die Inspektion der neuorganisierten Schule. Schon innerhalb eines Jahres brachte er die Anstalt so weit, daß er sie, die nach dem Zeugnis der Schulbehörde „sich durch Mangel an Disziplin und jede Art von Unordnung auszeichnete, sehr verbessert und veredelt hatte"28). Dagegen glückte es ihm nicht, aus dieser Talmudschule ein Seminar zu gestalten; er schrieb den Mißerfolg dem Kampf der religiösen Leitung gegen den „Rationalismus" und dem Mangel an finanziellen Mitteln zu, während in Wirklichkeit auf der andersartigen Grundlage dieser Schule das Ziel einfach nicht zu erreichen war. Auch seine eigenen Anstalten verloren durch die Gründung von gemeindlichen Schulen allmählich an Bedeutung. Die Knabenschule wurde mit den Elementarklassen der Talmud-Thora-Schule verbunden und zählte 1827 70, 1828 50 Schüler29). Die Mädchenschule wurde in eine Armenfreischule umgewandelt und am 6. Februar 1825 mit einer religiösen Erbauungsrede Heinemanns „Aussichten in die Ewigkeit" eröffnet; sie war 1826 von 29, 1827 von 26 Schülerinnen besucht. Als diese Schulen später teils mit den gemeindlichen vereinigt wurden, teils von selber eingingen, beschränkte sich Jeremias auf die Beibehaltung eines Internats für Knaben und Mädchen, wobei er immer wieder betonte, daß er nur Kinder aufnehme, die religiös erzogen und gebildet werden sollten. Trotz des Rückgangs seiner Unterrichtstätigkeit fehlte es dem immer regsamen Manne nicht an Beschäftigung. Er hatte bereits am 30. Juli 1819 von der Regierung die Erlaubnis erhalten30), eine Buch- und Kunst-Handlung verbunden mit einer Bibliothek unter der Firma „Bureau für Literatur und Kunst" zu errichten und konnte damit einem bestehenden Bedürfnis in jüdischen Kreisen abhelfen. Daneben empfahl er sich zur Abfassung von allerhand Schriftstücken, besonders von Eingaben an Behörden, wozu er autorisiert sei. Bald nach seiner Niederlassung in Berlin hatte er die orientalische Buchdruckerei der Freischule für fünf Jahre gepachtet31). Hier wurden auch jüdische Kalender gedruckt. Jeremias gab seit 1819 selbst einen solchen in deutscher Sprache heraus und übernahm seit 1834 die Herausgabe der Kalender der jüdischen Gemeinde, die er nach Ablauf des Vertrages seit 1852 unter dem Titel „Berliner Kalender der jüdischen Gemeinden" selbständig mit steigendem Absatz fortsetzte. Ganz besonders eifrig betätigte er sich im Verein „Magine Reim" — Verein zur gegenseitigen Hilfe —, dem er alsbald nach seiner Ankunft in Berlin beigetreten war und in dem er das Amt eines Sekretärs von 1818 bis 1852 ununterbrochen versah, bis er wegen körperlicher Schwäche die Arbeit niederlegen mußte32). Der Verein, dessen Geschichte während des ersten Jahrhunderts seines Bestehens er verfaßt harte, setzte ihm in seinem Grabstein ein Denkmal der Dankbarkeit mit Worten der Anerkennung für seine langjährige Tätigkeit33). 27) Auch in Sulamith, VI, Teil 2, S. 373. 2S) Bericht Bellermann; s. Holzmann a.a.O., S. 25. 29) Die Besuchsziffern nach Mitteilung von Moritz Stern aus amtlichen Berichten über die Schülerzahl der jüdischen Privatschulen 1827/29. 30) Nach einer Mitteilung Jacob Jacobsons. 31) Das Folgende nach Josef Meisl, Berliner jüdische Kalender, in Soncino- Blätter II, Berlin, 1927, S. 48 ff. — In finanzieller Hinsicht war das Unternehmen ein völliger Fehlschlag. Jeremias war nicht imstande, die geldlichen Verpflichtungen zu erfüllen, die er der Freischule gegenüber übernommen hatte; es kam zu langjährigen Prozessen, in denen Lazarus Bendavid als Direktor der Schule deren Interessen sehr energisch zu wahren wußte (Akta der Berliner Jüdischen Gemeinde, von Jacob Jacobson zur Verfügung gestellt). 32) Näheres in: Magine Reim, ein Rückblick auf 100 Jahre, verfaßt von Jeremias Heinemann, fortgesetzt von Georg Minden, Berlin 1904. 33) Friedhof Schönhauser Allee, Grab No. 4938 D 8. — Jeremias starb am 4. Cheschwan616 16. Oktober 1855; seine Gattin Lea war am 27. März 1853 151

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