Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Ein Geschlecht von Erziehern
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 10)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern weise äußerte sich in der Zeitschrift einer der nichtjüdischen Mitarbeiter wnter Darstellung der verschiedenen pädagogischen Methoden dahin, daß es nicht möglich sei, sich auf eine bestimmte Methode festzulegen, daß sie vielmehr je nach dem Zweck — ob Unterricht oder Bildung — und je nach der Schulart .— öffentliche Schule oder Privatschule — variieren müsse. Die Anstalt begann zu blühen; bis zum Sommer 1818 hatten 56 Schüler aus allen Konfessionen Unterricht an ihr erhalten. Mit dem 1. Juli 1818 wurde sie durch eine Unterrichtsanstalt für Töchter gebildeter Eltern erweitert, bei deren Einweihung Marcus und Rebekka, die Heinemannschen Kinder, gemeinsam musizierten; sie sollte ausschließlich „der edlen, feinen und häuslichen Bildung des weiblichen Geschlechtes" dienen. Geeignete Lehrerinnen und vor allem die Gattin Heinemanns sollten die Schülerinnen jedoch wiederum nicht nur geistig und wirtschaftlich ausbilden, sondern auch für ihre sittliche und religiöse Bildung sorgen. Hinsichtlich der religiösen Ausbildung legte Jeremias großen Wert auf die Religionsweihe seiner Zöglinge beim Eintritt in das religionsmündige Alter. Er hatte schon in Kassel die erste Konfirmation abgehalten24); in seinen Schulen wurden nunmehr diese Tage aufs festlichste ausgestaltet. Auch seine beiden genannten Kinder wurden so konfirmiert, wobei er jedoch im „Jedidja" eingehend darlegte, daß diese Art der Religionsweihe in keiner Weise mit der christlichen Konfirmation identisch sei. Im Jahre 1819 wurde eine eigene Anstalt für Kaufleute an Stelle der bisherigen Handelsklasse angegliedert, die freilich durch das zur gleichen Zeit erlassene staatliche Verbot der Teilnahme christlicher Schüler an jüdischen Schulen einen fühlbaren Schlag erhielt25). Dazu verbreitete sich allmählich immer stärker die Erkenntnis, daß die Einrichtung jüdischer Schulen und die Gründung eines Seminars zur Ausbildung geeigneter Lehrkräfte Sache der Gemeinden und nicht von Privatleuten sei, und führte endlich zu tatkräftigen Maßnahmen von Seiten der Ältesten der Berliner judenschaft26). Jeremias hatte, wie bereits erwähnt, seiner Anstalt eine Seminarklasse angliedern wollen. Nunmehr wurde er die treibende Kraft des Versuches, den 1825 der damalige Vize-Ober-Landrabbiner Meyer Simon J. Fr. Oswald, J. Fr. Schink, K. Seidel, K. Stein, J. D. Symanski, Ch. Aug. Tiedge u. a., von Frauen: Luise Brachmann, Elisa von der Recke, Ernestine von Krosigk. Über die meisten ist A. D. B. zu vergleichen. — Bazko, Burdach, Ewald, ferner Fr. G. Nagel, C. Hausmann, Lehrer am Gymnasium in Öls, Hellmuth Winter, Verfasser einer Literaturgeschichte, waren auch Mitarbeiter am Jedidja. — Ein Briefwechsel zwischen Heinemann und Ehrenberg, besonders über die Frage der Konfirmation, findet sich in Heinemanns Nachlaß in der Bibliothek der Berliner Jüdischen Gemeinde, Fasz. E. 33 u. 34. — Über Nathanson vgl. Jew. Encycl. IX, 187. — Das Taschenbuch für Belehrung und Unterhaltung der Jugend 1818 ist den „liebenswürdigen Kindern des Staatsrats Nicolovius, Direktor des Depart. für den Kultus und öffentlichen Unterricht" gewidmet, der Almanach für die israelitische Jugend 1821 Heinemanns „drei ältesten lieben Zöglingen Moritz J. Manasse aus Lissa, Meyer M. Benda aus Berlin, Hermann Henochsohn aus Berlin und seinem durch Unterricht in Religion und vollzogene Einsegnung ihm lieb und wert gewordenen Schüler Sally Louis in Berlin". — Auch von dem bekannten und einflußreichen Gelehrten und Schulmann Johann Joachim Bellermann wurde Jeremias sehr geschätzt. 2*) Sulamith, III, Teil 1, S. 11. 25) Über das Verbot s. Geiger a. a. O., S. 236 ff. 26) Das Folgende nach Michael Holzmann, Geschichte der Jüdischen Lehrer- Bildungsanstalt in Berlin, 1909, S. 1 ff. 150