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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 149

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 149 (sequence 9)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern dank seiner Gewandtheit und seines aus Kassel mitgebrachten Rufes Beziehungen zu den maßgebenden jüdischen Kreisen verschafft hatte, kam er im Laufe des Jahres 1816 bei der Schulbehörde um Genehmigung zur Errichtung einer höheren Bürgerschule ein22). Die vom Konsistorium der Provinz Brandenburg zur Feststellung seiner Eignung vorgenommene Prüfung ergab, daß er zur Leitung einer Mittelschule als tüchtig erachtet wurde, so daß er ein Toleranzedikt zur Anlegung einer privaten Elementarschule erhielt. Das Konsistorium hatte Bedenken gegen die Weiterführung seines Kasseler Titels „Konsistorialrat", worauf das Staatsministerium erklärte, daß ihm das Staatsbürgerrecht nur unter der ausdrücklichen Bedingung der Ablegung desselben verliehen worden sei. Bereits im September kündigte Jeremias die Errichtung einer Erziehungs¬ und Lehranstalt für Knaben an, die am 4. November mit 17 Zöglingen eröffnet wurde. Die Anstalt sollte Voll- und Halbpensionäre sowie Schüler vom sechsten Lebensjahre an aufnehmen, für deren körperliche und geistige Ausbildung sorgen, sie besonders für das Berufsleben vorbereiten und deshalb die gesamte Handelswissenschaft in den Unterricht mit einbeziehen. Grundlegend war jedoch der Gedanke, daß die Schule nicht bloß der wissenschaftlichen Ausbildung, sondern vor allem der Erziehung zur Religion und Sittlichkeit dienen sollte. Zur Durchführung der sittlichen Erziehung wurden allerdings Methoden eingeführt, die stark an ähnliche Methoden der Phifanthropisten erinnerten, z. B. Sittenklassen, Sittenbiilete, Sittenprüfungen. Eine Elementarklasse mit einer Unter- und Oberabteilung und drei Oberklassen wurden eingerichtet, außerdem war eine Selekta als eine Art Lehrerseminar gedacht. Die Schule stand auch nichtjüdischen Schülern offen, die nicht am Religionsunterricht, wohl aber am allgemeinen Moralunterricht teilzunehmen hatten. Die Eltern wurden ersucht, nicht nur die häuslichen Arbeiten zu überwachen, sondern auch durch Berichte über die sittliche Führung ihrer Kinder außerhalb der Schule die Lehrer in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen. Die Verzeichnisse des Lehrerpersonals weisen Juden und Nichtjuden auf. Heinemann war Inhaber und Leiter der Anstalt und unterrichtete selbst in Religion und Moral in allen Klassen, in hebräischer Sprache und Literatur, in Algebra, kaufmännischer Korrespondenz und Geschäftsstil in den Oberklassen, außerdem in einigen Klassen in Geographie, Geschichte, Kopfrechnen und deutscher Sprache. Zum Zweck der Propaganda schuf er eine eigene religiöse, moralische und pädagogische Zeitschrift „Jedidja", die im ersten Hauptteil Aufsätze von jüdischen und nichtjüdischen Verfassern zur allgemeinen menschlichen Bildung aus allen Wissensgebieten bringen sollte, solche über Religion und Moral an bevorzugter Stelle. Zu den hervorragendsten jüdischen Mitarbeitern gehörten von Anfang an David Friedländer, Leopold Zunz und Lipmann Moses Büschenthal, wie Jeremias H. überhaupt auch für seine übrigen pädagogischen Schriften, besonders für seine Jugendalmanache angesehene jüdische und christliche Literaten und Schulmänner zu gewinnen wußte und mit gleichgesinnten Schulleitern wie S. M. Ehrenberg in Wolfenbüttel und dem eifrigen Jugendförderer M. L. Nathanson in Kopenhagen in enger Fühlung blieb23). Hinsichtlich der an der Schule einzuschlagenden Lehr- 22) Geh. Staatsarch., Schriftwechsel zwischen dem Konsistorium der Provinz Brandenburg und dem Departement für Kultus und Unterricht vom 1. 12. und 22. 8. 1816. 23) Von jüdischen Autoren finden sich in den Almanachen und zum Teil im Jedidja: Maimon Frankel, Marcus Bondi, K. S. Günzburg, Daniel Lessmann, J. B. Oppenheimer, Gotthold Salomon, S. Wolff. Zahlreich sind die Beiträge zu den Almanachen von nichtjüdischen Literaten und Schulmännern, die für die umfassenden Beziehungen von Jeremias zeugen, z. B. J. A. Apel, L. von Baczko, K. W. Burdach, J. Ch. Fr. Haug, Fr. Ad. Krummächer, E. Langbein, K. Müchler, 14*

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