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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 148

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 148 (sequence 8)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern zügen gedruckt, herauszugeben. Dies glaube er bei den jetzt veränderten Zeitumständen in keinen Staaten besser als in den preußischen bewirken zu können und wünsche daher, die Naturalisation und Niederlassungserlaubnis für Berlin zu erhalten. Dem Gesuch hatte Friedländer einen Prospekt mit dem Subskribentenverzeichnis jüdischer und christlicher Theologen beigefügt. Die Eingabe und besonders die Empfehlung David Friedländers, dem der Polizeipräsident bescheinigte, daß er „als ein rechtlicher Mann bekannt sei", hatten Erfolg, so daß Jeremias in der Tat am 13. Januar 1815 das Staatsbürgerrecht erhielt. Als er um Erlaß der recht erheblichen Kanzleigebühren von 214 Rtl., die er bezahlen sollte, nochmals einkam, weil er nicht mit Schulden in die preußischen Staaten eintreten wolle, wies er darauf hin, daß er nie Handelsgeschäfte getrieben, sondern bloß von seinem Gehalt gelebt habe. „Würde also die einmal festgesetzte Summe unabwendbar fest bestimmt sein, so dürfte, da für jeden Hausvater, der nicht ein ansehnliches Geldvermögen besitzt, eine solche Summe schwer werden muß, dem Schulmann, Gelehrten, Künstler, Arzt oder sonst kunstfertigen Bürger der Eintritt verschlossen und nur dem Reichen geöffnet bleiben: da doch der erhabenen Preußischen Regierung jeder Mann willkommen ist, welcher zur Vermehrung der Kenntnisse und Veredlung des Herzens, besonders der Israeliten beitragen will und kann". Deshalb bat er, ihn in Absicht der Gebühren einem jeden einwandernden christlichen Schulmann gleich zu behandeln. Die Gebühren wurden dann in der Tat gleichfalls niedergeschlagen. Am 8. Juni 1815 meldete sich Jeremias bei der jüdischen Gemeinde als Mitglied an und ersuchte darum, da er noch keinen sehr ergiebigen Erwerbszweig habe, selber seinen jährlichen Beitrag für die nächsten drei Jahre auf 20 Taler Courant bestimmen zu dürfen17). Am 6. März 1820 erlangte er das städtische Bürgerrecht18). Es war selbstverständlich, daß Jeremias auch in Berlin vor allem dem Schulwesen seine volle Aufmerksamkeit zuwandte. Veranlassung zur Besserung war reichlich gegeben19). Von der Gemeinde errichtete Schulen gab es überhaupt nicht. Die Freischule war pädagogisches Neuland, zumeist von armen Kindern besucht und kam nie zur rechten Blüte, da sie keine Fonds zur Unterstützung hatte. Für die Kinder aus besseren Häusern bestanden einige Privatschulen, unter denen die Knabenschule des Dr. M. H. Bock einen vorzüglichen Ruf genoß; ihr wurde später zur Hebung der noch stärker vernachlässigten Bildung des weiblichen Geschlechts eine Töchterschule angegliedert. Leider starb Bock bereits in seinem 32. Lebensjahr gerade im Frühjahr 181620). Da auch die Einrichtung einer Handelsschule ein dringendes Bedürfnis war, so bot sich nunmehr für Jeremias ein reiches Arbeitsfeld21). Nach dem Vorbilde Bocks, der an schulfreien Tagen öffentliche Religionsvorträge gehalten hatte, begann Heinemann zunächst mit Kursen in Religion und jüdischer Geschichte für Mädchen und mit religiösen Vorträgen an Männer; später schlössen sich religiöse und ästhetische Vorträge für gebildete Frauen an. Nachdem er sich auf diese Weise und 17) Die mir von Moritz Stern zur Verfügung gestellte Eingabe trägt den Bewilligungsvermerk von Gumpertz und Veit mit des letzteren Frage, ob Heinemann als „Ausländer" sich hier etablieren könne. 18) Judenbürgerbuch des Berliner Magistrats nach einer Mitteilung des Leiters des Gesamtarchivs d. dtsch. Jud., Dr. Jacob Jacobson. 19) Über die Berliner Schulverhältnisse jener Zeit s. Ludwig Geiger, Gesch. d. Juden in Berlin, 1871, II, 234 ff. 20) Sulamith, I, Teil 2, S. 138 ff; III, Teil 2, S. 38; IV, Teil 2, S. 358; ferner Geiger a.a.O. S.239. 21) Die nachfolgende Darstellung der erzieherischen Tätigkeit des Jeremias in Berlin beruht auf den Mitteilungen in den Jahrgängen der Zeitschrift Jedidja und des Allgemeinen Archivs. 148

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