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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 147

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 147 (sequence 7)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Reiche Gelegenheit zur Betätigung seiner pädagogischen Interessen bot ihm gleich die Berufung in das Königliche Westfälische Konsistorium der Israeliten zu Kassel. Er übernahm die Direktion des jüdischen Unterrichtswesens mit und entfaltete eine rege Tätigkeit hinsichtlich der Neuorganisation des Schulwesens im Königreich14), leitete selbst die Kasseler Konsistorialschule und erteilte als einziger der Konsistorialräte auch Unterricht und zwar in Religion und Moral, in Volksnaturlehre und Briefstil. Er muß ein ausgezeichneter Lehrer gewesen sein; denn seine schulischen Leistungen fanden überall, auch in christlichen Fachkreisen und später bei der Berliner Schulaufsichtsbehörde lebhafte Anerkennung. Nach dem Zusammenbruch des Kasseler Konsistoriums wandte sich Jeremias im Frühjahr 1814 nach Berlin. Gegen Ende des Jahres, am 9. Dezember, reichte er dem Staatsministerium sein Gesuch um Niederlassung mit seiner Familie und um Erteilung des Staatsbürgerrechts ein. Er wies darauf hin, daß er die Absicht habe, den schon in Kassel gefaßten Plan einer Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche mit deutschen Schriftzügen und Kommentar — die Mendelssohnsche Bibelübersetzung hatte bekanntlich hebräische Typen — nunmehr in Berlin zur Ausführung zu bringen. Sein Gesuch war von einem eigenhändigen Schreiben David Friedländers begleitet15). Bei der persönlichen Vernehmung im Polizeipräsidium erklärte er zunächst, daß er den Familiennamen Heinemann beizubehalten wünsche16), betonte, daß er sich von jeher bemüht habe, das Schulfach und die Erziehungsanstalten seiner Glaubensgenossen durch Herausgabe dahin abzweckender Schriften zu verbessern, und wiederholte, daß er damit umgehe, die Heilige Schrift, in die deutsche Sprache übersetzt, kommentiert und mit deutschen Schrift- 14) Über Jeremias und besonders über seine Kasseler Zeit handelt Felix Lazarus in MGWJ. 1914 passim. Die folgende Darstellung bringt Ergänzungen vor allem über die Berliner Zeit; über die Niederlassung nach den Akten des Geh. Staatsarch. 15) Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Ew. Excellenz nehme ich mir die Freyheit die Bittschrift des Kaßelschen Konsistorial-Raths etc. p. Heinemann ganz unterthänigst zu überreichen. Er wünscht mit seiner Familie sich in Berlin niederzu laßen, alda seinem Berufe als Gelehrter zu leben und zu dem Ende das Staatsbürgerrecht zu erlangen. Ich kenne ihn persönlich seit vielen Jahren und kann ihm das Zeugniß geben, daß er nicht allein als Sachverständiger und Gelehrter stets geehrt gewesen, sondern auch von jeher den Ruf eines ausgezeichneten wackern Mannes verbunden mit einer feinen Sittlichkeit mit Recht genoßen hat. Er kann in vielen Hinsichten dem preußischen Staate als nützlicher Bürger dienen und besonders durch die ihm eigentümliche theologische und Sprachkenntniße seinen Glaubensgenoßen ersprießliche Dienste erzeigen, so wie er solches im ehemaligen Westphälischen Staat auf eine sehr rühmliche Weise an den Tag gelegt hat. Auch die Ankündigung eines Werkes, das er in Kaßel herausgeben wollte und die ich unterth. beyfüge, mag für seine Verbindung mit achtbaren Literatoren zeugen. Ich hielt es für meine Pflicht dieses zur Steuer der Wahrheit auszusagen und sein Gesuch nach der ganzen Wirkung, die mein Zeugniß haben kann, kräftigst zu unterstützen. Es wird mich sehr freuen, wenn meine Bitte erfüllt wird, wird meine Verbindlichkeit gegen Ew. Excellenz vermehren und die ausgezeichnete Hochachtung aufs Neue begründen, mit welcher ich mich unterschreibe Hochderselben unterthäniger Friedländer. Berlin, den 9ten Dez. 1814, Burgstraße No. 25." 16) Nebst seinen bereits erwähnten Personalien gibt er an: „Am 22. 12. 1801 verheiratete ich mich mit Lea geborne Marcus, geboren den 7. 11. 1778, eine Tochter des zu Bielefeld verstorbenen Kaufmann Marcus Cohn, und habe mit derselben 3 lebende Kinder gezeugt, nämlich Rebekka, geboren den 2. 10. 1802, Marcus, geboren den 10.7.1804, Bella, geboren den 16.10.180S". — In Berlin wurde noch eine Tochter Jenny geboren. c* 147

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