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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 146

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern in dieser Stunde dem unvergeßlichen Rabbi — wer kennt seinen Namen nicht oder spricht ihn nicht mit Rührung aus — unseren reinsten Dank nachrufen, der in einem ungewöhnlich langen Zeitraum ein so treuer Hüter dieser Gemeinde war. Auch er wirkt jetzt noch unter uns fort durch seine väterlichen Ermahnungen zu unserem Tempelbau. Wie er in stiller Bescheidenheit unter uns wandelte und wirkte, so schied er sterbend mit einem Herzen voll stillen Friedens aus unserer Mitte. Er, der wie Henoch ein göttliches Leben führte, ward von Gott mit sanfter Vaterhand hinweg aus unserer Mitte genommen, und er ward nicht mehr gesehen, aber seine Werke folgen ihm jetzt noch nach"10). J eremias, der den deutschen Namen des Vaters Heinemann als Familiennamen annimmt, war als das älteste Kind aus dessen zweiter Ehe am 20. Juli 1778 geboren, genoß den väterlichen Unterricht und empfing dort seine tiefgehenden jüdischen Kenntnisse, die sich auch auf den Talmud erstreckten. Über die Stätten, an denen er seine allgemeine umfassende Bildung erwarb, ist nichts bekannt, ebensowenig wo er später — nach seiner eigenen Angabe 181611) — den philosophischen Dotorgrad erhielt. Der Vater legte der Entwicklung des Sohnes nichts in den Weg, zumal die religiöse Anschauung, die Jeremias vertrat, ihn dauernd und wesentlich von dem Kreise der Neuerer unterschied, in den er schon früh eintrat, als er dank den Beziehungen seines Vaters zu Braunschweig die Stelle eines Privatsekretärs bei Jacobson erhielt. Nach seinen eigenen Ausführungen rechnete er sich stets zur Gruppe der „vernünftigen und liberalen Orthodoxen", als deren Gegensatz er die „brutalen Orthodoxen und die Indifferentisten" bezeichnete. „Er hält an den Vorschriften der Offenbarung fest und läßt sich nichts von diesen Vorschriften abdisputieren, räumt jedoch der Vernunft, der Stimme einer wahren Aufklärung, eines besseren Zeitgeistes das Recht ein, neue zweckmäßige Einrichtungen aufzunehmen, veraltete, jetzt nicht mehr passende, vielleicht sogar nachteilige Formen zu modifizieren, sobald dies dem geoffenbarten Gesetze in seiner ganzen Ausdehnung keinen Eintrag tut". Es braucht nicht erst daran erinnert zu werden, daß dies oft wörtlich Mendelssohnsche Gedankengänge sind. Von dem Anschauungskreis dieser seiner Gruppe erwartet Jeremias am sichersten „die wahre geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes". Solche Ausführungen finden sich eigenartigerweise in einer Betrachtung über die Einführung der „Religionsweihe" der Jugend, deren begeisterter Anhänger er ist12). Diese Begeisterung für eine reformatorische Einführung, die im Kreise der Orthodoxie keinerlei Anklang fand, hängt jedoch mit dem Eifer zusammen, mit dem er alles begrüßte, was ihm als Mittel für eine bessere Ausbildung und Erziehung der jüdischen Jugend erschien. Denn darin sieht er das eigentliche Ziel seines ganzen Lebens, dem all sein Denken und Schaffen, auch seine gesamte literarische Tätigkeit gilt, und dieses Erziehungsideal selber, wie es in seinen Schriften und in der Praxis seines Unterrichts zum Ausdruck kommt, ist wiederum entsprechend seinem religiösen Standpunkt: „ein Sproß des Glaubens und der Vernunft"; „wer je mit Vernunft vereint den Glauben, der schreitet sicher hin in beider Hand"13), das Ideal der Aufklärerzeit! 10) Die Grabinschrift des R. Meinster habe ich vor 40 Jahren von dem jetzt völlig zerstörten Grabstein notiert. Sie lautete (mit dem Bilde der Levitenkanne): vnsh -im "pn rmrn \n p nax nrm pis ^na tran ^b-\n xv-p sra "«n pats na rwcan c-rr rfvsa bzb nnsn DD-nsan ptwn sin rt"n ."«iöki rmn iryaa "gkw asrm rTapn brbx '« orr nspyi s"1 p"tf? -lasa -"br, ara nraan ora» rra p *ras?r\a :'n'2'2:'3'n p"sb Eine Elegie von Jeremias am Grabe seiner Mutter Rebekka s. in seinem Alma,- nach f. d. isr. Jugend, 1. Jahrg., Berlin 5579. 1X) Gelehrtes Berlin im Jahre 1825, Berlin 1826, S. 97. Daselbst sind auch die von ihm bis dahin erschienenen Schriften verzeichnet. 12) Jedidja, II, Teil 2, S. 72 f. 13) Almanach a. a. O., 3. Jahrg., Berlin 5581, und Pomona, Taschenbuch f. d. isr. Jugend, 3. Jahrg., Berlin 1821. 146

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