Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Ein Geschlecht von Erziehern
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern alle. Ihren Sohn Chajjim, zu deutsch Meinster oder Heinemann4), sandten sie zur Ausbildung schon sehr früh in die Fremde, zuletzt nach dem nahen Halberstadt. Er wurde dort der Schüler des R. Hirschel Levin und begleitete seinen Lehrer, auch als dieser nach Mannheim und von dort nach Berlin berufen wurde. Nach siebenjähriger Lernzeit kehrte er auf Wunsch seiner Eltern zurück, gründete eine Familie5) und eine Schule und widmete sich, nachdem geschäftliche Erwerbsversuche fehlgeschlagen waren, gänzlich dem Studium und dem Unterricht. Die Abneigung, ein eigenes Rabbineramt zu übernehmen, überwand er erst auf vielfaches Drängen seiner Heimatgemeinde, die ihm dieses Amt übertragen wollte. Sie stieß dabei freilich auf den Widerstand der Dessauer Gemeinde, die gibt jährlich vor allen Gaben was gewisses an die Vorsteher"; C 15 No. 113). Nahum und Nathan leisten am 10.5. 1740 in Dessau den Schutzjudeneid; dies geschah vorschriftsmäßig vor der Selbständigmachung durch Heirat. Den eigentlichen Schutzbrief holten sie jedoch erst 1755 ein, als Fürst Dietrich eine strenge Kontrolle einführte. Nahum ist 1754 gleichfalls zur Messe in Leipzig. Er war eine Zeit lang Vorsteher der Gemeinde und starb 1781. Von seinen Kindern Chajjim, Malka, Jakob, Moses, Lipmann wird im einzelnen die Rede sein. 4) Chajjim, geb. 25. Elul 31. August 1747, unterzeichnet deutsch fieinemann, hebräisch Meinster, was gleichfalls ein alter Beiname für Chajjim ist; s. Zunz, Namen, Ges. Sehr. 2, 38 u. Tib Gittin unter Chajjim. Die Nachkommen nehmen den Familiennamen He ine mann an. Eine Charakterzeichnung des R. Meinster gab sein Sohn Jeremias im Allg. Archiv II, S. 369 ff. Zerstreute Mitteilungen über ihn bei Phöbus Philippson, Biogr. Skizzen, Heft 1, 2 u. 3, Leipzig 1864—1866. Die Darstellung hier bietet neues Material. 5) Heinemann Joachim Salomon — so die volle Unterschrift unter seinem Gesuch — erhält 4. 11. 1773 Erlaubnis zur Selbständigmachung durch Heirat und leistet am 3. 12. 1773 den Schutzjudeneid. — In erster Ehe ist er mit Lea Michle, Tochter „des Breslauer Rabbiners" verheiratet (Dessauer Gemeindeakten D, 1). Lea starb bereits 1777. Aus dieser Ehe stammen Täubchen, Frau des Abraham Sandersleben in Dessau, ebenfalls jung daselbst verstorben (Grabstein No. 624), Michle, geb. 1776, gest. 1800, und wahrscheinlich auch Wolf. — R. Meinster schloß dann eine zweite Ehe mit Rebekka, der 1753 geborenen Tochter des Jeremias Lipmann in Sandersleben. Dieser war 1742 mit seinem Bruder Hirsch zwecks Heirat nach S. übersiedelt, und zwar nahm Jeremias die Tochter des Samson Bacharach zur Frau, dessen Vater Philipp Bacharach, aus Hessen stammend, ebenfalls einer der ersten Ansiedler in S. war. Samsons Bruder Abraham erhielt 1775 die Erlaubnis, seine Tochter mit Philipp Bacharach aus Halle zu vermählen, der dort Schulmeister war und nun in gleicher Eigenschaft nach S. kommen durfte. Über die Verbreitung der Familie Bacharach in Mitteldeutschland s. das Familienverzeichnis meiner „Leipziger Meßgäste". Jeremias gehörte mit zu den Besuchern der Leipziger Messe. Er war lange Jahre Vorsteher der Gemeinde S. Aus der Ehe seiner Tochter Rebekka mit R. Meinster entsproß eine Schar von Kindern, außer den früh wieder verstorbenen Nahum, Simon, Hanna und Chaiche die Söhne Jeremias, Salomon, Lipmann, Moses und eine Tochter Bella. — Nach dem Tode der Rebekka am 14. 3. 1799 schloß R. Meinster eine dritte Ehe am 10. 6. 1801 mit Bela (Betty) Herz, geb. 1778, gest. 26. 6. 1844. Ihr Vater Jakob Herz war 1745 in Dessau als Sohn des gelehrten Herz Wulf geboren, der dort mit als Dajan fungierte. Jakob hatte 1770 zwecks Heirat den Schutz für S. erhalten, lebte anfangs in guten Verhältnissen, mußte aber infolge Krankheit und anderer Unglücksfälle den Handel aufgeben und suchte als Schulmeister seine ebenso kränkliche Frau Merle und seine acht Kinder kümmerlich zu ernähren. Er starb bereits im Februar 1799, seine Frau kurz darauf am 31. März. R. Meinster nahm eines der verwaisten Kinder als Gattin in sein Haus. Aus dieser Ehe stammte noch ein Sohn namens Jakob Koppel, genannt Carl. (Sämtliche Personalnotizen aus C 15 sowie aus dem Standesregister der Gemeinde S.) Von den Kindern des R. Meinster wird im einzelnen die Rede sein. 143