Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 4
- Article
- Juden auf Marstrand
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 5)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Juden auf Marstrand Das Lebensschicksal von Moses Salomon zeigt keinen solchen Aufstieg. Er blieb weiter auf Marstrand und betrieb seine Handelsgeschäfte anfangs mit Erfolg, später infolge längerer Krankheit und zunehmenden Alters weniger glücklich, was jedoch, wie der Magistrat auch ihm bezeugte, seinem Ansehen und guten Leumund keinen Abbruch tat. Eifrig nahm er sich der religiösen Obliegenheiten an, und man anerkannte ihn als den Führer der kleinen Gemeinde, die sich auf der Insel herausbildete. Am 15. Oktober 1783 wurde er mit Elias Magnus, der gleichfalls als Vorsteher galt, vor den Magistrat geladen und gemäß einem Königlichen Erlaß darauf verpflichtet, den Stockholmer Rabbiner Levin Hirsch als Oberrabbiner für alle schwedischen Juden anzuerkennen14). Ein Betraum wurde auf der Insel beschafft15), und bereits 1780 beantragte Moses Salomon die Ueberlassung von Grund und Boden zur Anlage eines Friedhofs entweder auf Marstrand selbst oder auf der benachbarten Koön (Kuhinsel)16). Der Magistrat wies ihn an, selber einen geeigneten Platz ausfindig zu machen. Dies geschah denn auch auf Koön gegen eine Jahresabgabe von 4 Speziestalem17). Am 11. Juni 1787 wandten sich die seitdem ansässig gewordenen Familienhäupter gemeinsam an den Magistrat und baten zu gestatten, daß sie zur Deckung der Kosten der Synagoge und des Friedhofs von jedem zuziehenden oder einen Monat sich in Handelsgeschäften auf der Insel aufhaltenden Glaubensgenossen eine Abgabe von 6, 12 Reichstalern, von Familien das doppelte erheben dürften18). Moses Salomon starb 1788. Seine Gattin Bela (Billa)19) und seine Schwiegereltern Nathan Joseph Friedburg und Frau Marta, die mit ihm nach Marstrand gekommen waren, überlebten ihn. Die Führung des Hauses übernahm sein Sohn Israel (Süßkind, Sisel), der jedoch gleichfalls im Jahre darauf Marstrand verließ und am 15. April 1803 in Göteborg unter Bürgschaft der dortigen Firmen Magnus und Warburg das Bürgerrecht erwarb20). Ein zweiter Sohn Joseph machte sich 1785 in Marstrand selbständig und hielt in seinem Hause Jacob Herz als Handels- 14) Marstrands Magistrats Protokolle 1783, § 240. Die Bestallung von Levin Hirsch s. in Valentins Urkundenteil S. 25. 15) Olän, S.31. 16) Marstrands Magistrats Protokolle 1780, § 92. 17) Das. 1787, § 97i/2, 7. Mai und § 121, 6. Juni. 18) Das. § 127, 11. Juni. — Das Rätsel über den Marstrander Begräbnisplatz ist wohl damit gelöst. Dr. Karl Koch, 1899—1920 Rabbiner in Göteborg, vermutete, daß die Toten nach Kopenhagen zur Bestattung überführt worden seien; s. Valentin, S. 210, und Olän, S. 122, die beide diese Vermutung aufnahmen. 19) Der erste Grabstein auf dem alten Friedhof zu Göteborg trägt den Namen Bela, Frau des Moses Abraham von Marstrand; sie starb 12. Cheschwan 554 (1793). Abbildung bei Olän S. 121 mit irrigem Monatsdatum. 20) Israel Sisel Salomon aus Röbel starb am 7.4.1832, nach Grafskrifter a.a.O., 64 Jahre alt, also 1768 geb. Sein Sohn Salomon in Stockholm starb nach Gamla Judiska Gravplatser a.a.O. S. 71 No 274 am 24.4.1857; laut Register das. S. 155 ist er auf Marstrand am 26.9.1801 geb. Die Jahreszahl muß jedoch irrig sein. Er führt den Familiennamen Salmonson. Sisels Tochter Mirjam, Frau M. Salomon, starb, nach Grafskrifter, 61 Jahre alt, also 1783 auf Marstrand geb., am 12. 7-. 1844. Kela, wohl eine Vatersschwester von Sisel, war gleichfalls an einen aus Röbel stammenden Glaubensgenossen in Göteborg verheiratet, Joseph Joske, Sohn des R. Jehuda; sie starb 67. Jahre alt, also 1757 geb., am 21.5.1824, ihr Gatte über 80 Jahre alt, also um 1740 geb., am 9.2.1822. Ein Bruder dieses Joseph Joske, Moses aus Röbel, starb zu Göteborg 28. 9. 1825, sein Sohn Abraham daselbst 30.11.1857. Ein Sohn des Joseph Joske aus Röbel starb zu Göteborg 58 Jahre alt, also 1787 geb., am 14.2.1845. Joseph joske nahm den Familiennamen Josephsson an. “Eine weitere Familie aus Röbel in Göteborg ist die des Heyman Salomon; er starb 79 Jahre alt, also 1754 geb., am 14.8.1833; seine Frau Esther, 79 Jahre alt, .also . 1783 geb., am 2.1.1862. Ferner starb daselbst am 13.7.1833 Aron Salomon aus Röbel. Auch R. Rüben Wulf in Stockholm, in Lissa in Posen geb., wurde Röbel genannt; s. über ihn Valentin, S. 201 und 493. 220