Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 4
- Article
- Juden auf Marstrand
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 6)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Juden auf Marstrand bedienten und Schächter bis 1787; er selbst ging 1790 von der Insel weg21). Ein dritter Sohn Wolf war bis 1795 Handelsbedienter bei Salomon Meyer. Andere Söhne waren Philipp und Samuel; ihre Schwestern Tolze (Tolzinea), Judith und Carolina. Auch sie hatten anfangs ihre Hauslehrer, Gabriel und Bernhard, und vom jüdischen Hausgesinde sind die Namen Susanna und Röschen längere Jahre ständig. Trotz der verlockenden Privilegien wuchs die Zahl der auf Marstrand siedelnden Juden nur sehr langsam und nahm auch rasch wieder ab. Die Insel war klein, der Raum beschränkt; vor allem aber lockten die größeren Städte, die nunmehr für die Niederlassung von Juden freigegeben waren. Auch die Handelstätigkeit im Freihafen blieb nicht gleichmäßig auf der erwarteten Höhe. Sie erreichte ihren Höhepunkt zur Zeit des amerikanischen Freiheitskrieges, bedeutete aber für Göteborg dauernd eine stark gefürchtete Konkurrenz, die man von dort aus wieder zu unterbinden suchte22). Dies geschah mit Erfolg nach der Ermordung Gustaf III. Die für seinen Sohn eingesetzte Vormundschaftsregierung hob am 15. Mai 1794 das Freihafenprivileg für Marstrand auf. Damit schwand für die Juden wie für die Einwohnerschaft von Marstrand selbst23) das Interesse an einer Niederlassung auf der Insel. Was aus der fünfzehnjährigen jüdischen Siedlung als dauernder Gewinn verblieb, war die Gründung der jüdischen Gemeinde zu Göteborg und der Eintritt einer Reihe von jüdischen Familien ins schwedische Land, die selbst und durch ihre Nachkommen von Bedeutsamkeit für dessen Handel und Industrie und durch einige Glieder auch für sein geistiges und kulturelles Leben geworden sind. Speculantlista (Meldeliste). Die Liste ist aus Marstrander Privatbesitz dem Landesarchiv zur Verfügung gestellt, enthält Meldetag, Namen, Ort der Einreise, Grund der Einreise und ist ein bisher unbekannter Auszug der jüdischen Namen; bei den meisten ist als Grund der Einreise angegeben: Schulden, bei einem Schmuggelvergehen, bei Meyer Levi (1783) und Salomoni Cohen Samuels (1787) kein Grund. Der Angabe bei Nehemias Joseph, daß er zur portugiesischen Nation gehöre, widerspricht der Familienname Heilbron, den er führt. 1779, 29. August, Moses Salomon Michaelis, von Hamburg. 1780, 27. Mai, Salomon Selig, von Berlin1); 25. Juli, Jacob Benjamin, von Stockholm. 1781, 3. August, Aron Rüben Nathan von der Henderikschen Familie, von Götheborg1); 6. August, Levin Benedikt Cohen, von Kopenhagen1); 17. Oktober, Simon Abraham, von Helsingör. 1782, 5. August, Susman Abraham, von Kopenhagen; 31. August, Gabriel Schlesinger, von London. 1783, 12. August, Meyer Levi, von Kopenhagen1). 1784, 14. Juni, Wulf Jacob Texera, von Kopenhagen1). 1785, 5. November, Jacob Hertz, von Hofgeismar in Hessen-Kassel. 21) Seine Frau Debora, geb. Magnus, also die oben erwähnte Tochter von Elias Magnus, nach Gamla Judiska Gravplatser um 1764 noch in Mecklenburg geb., starb zu Stockholm am 26.6.1821; das. Register S. 152 unter Familiennamen Josephson. 22) Ueber die Gegnerschaft von Göteborg s. Holmberg a.a.O. und H. Fröding, Berättelser tu* Göteborgs Historia under Gustavianska Tiden, Göteborg 1922, Kap. XVI, S. 160 ff. 23) Ueber deren Widerstand gegen das weitere Verbleiben von Juden s. Valentin, S. 212 ff.!) ln der Aufenthaltliste nicht verzeichnet, also nur vorübergehend. 221