Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Beziehungen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 7)
- Language
- German
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B. Rosenthal. Beziehungen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft Rest wollen wir dazu verwenden, die Schwachen und Wankenden zu stützen. Hoffentlich können wir euch diese Guttat bald vergelten“23). Als beide Städte eingeäschert waren und ihre Einwohner die Flucht ergreifen mußten, fanden Wormser Judenfamilien auf der rechten Rheinseite Schutz und Zuflucht. So weilte R. Jair Chajim Bacharach bei Moses Oppenheimer in Heidelberg und versah dort das Rabbinat, bis 1693 auch diese Stadt durch Melacs Scharen in Flammen auf ging21). Erst zu Beginn des neuen, des 18. Jahrhunderts konnten die in allen Himmelsrichtungen zerstreuten Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren und mit dem Wiederaufbau ihrer Wohnstätten und Gotteshäuser beginnen. Bald hatten die Mannheimer Judengemeinde die ältere Schwester in Worms überflügelt. Während die Konzession von 1691 die Anzahl der Judenfamilien auf 84 beschränkte, räumte die von 1722 zweihundert Familien Wohnrecht ein25). Auch in geistiger Hinsicht suchte Mannheim durch die vom kurpfälzischen Oberhoffaktor Lemle Moyses Rheinganum 1708 begründete Klausstiftung der alten Wormser Tradition nachzuleben. Nun entwickelten sich zwischen beiden Gemeinden freundnachbarliche Beziehungen, die in regen Verbindungen verwandtschaftlicher, geistiger und wirtschaftlicher Art ihren Ausdruck fanden. Aus den Mannheimer Ratsprotokollen lernen wir in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Worms kennen: Leser z. Blasbalg, Jesei Rothfelsch, Löw Honig, Abraham Guggenheim, Salomon Flörsheim, Falk, Michael und Josef Gernsheim, Löw Dahlsheim, Samuel Blien (Ballin) und Moses Caub. Aber auch Mannheimer Judennamen treten in Worms in die Erscheinung. Schon 1712 wohnte dort ein Simon Mannheimer. Später kommen noch Astruk, Brühl und Nauen hinzu. Zu jener Zeit war neben Lemle Moyses Rheinganum in der Mannheimer Gemeinde Chajim ben Schelomo (Salman) ha Levi die markanteste Persönlichkeit. Die Anhänglichkeit, die seine Familie stets zur Wormser Judengemeinde bekundete, deutet sehr darauf hin, daß dieser Mann aus Worms hervorgegangen war. Dort hatte er auch für eine seiner Töchter seinen Neffen Koppel Levi als Gatten ausgesucht und nach Mannheim gebracht26). Chajim hatte vor seiner Uebersiedelung in Eppingen und Sinsheim a. E. gewohnt und wurde deshalb in Mannheim als Hayum Sinzheim bezeichnet Er war hier während des Spanischen Erbfolgekrieges Vertreter der Oppenheimerschen Unternehmungen in Wien und scheint der Familie Oppenheimer verwandtschaftlich nahe gestanden zu sein. Hayums Sohn Löw kam schon in jungen Jahren nach Wien, wo er als großzügiger Geschäftsmann an allen bedeutenden Unternehmungen seiner Zeit beteiligt war. Durch seine Heirat mit Miriam Guggenheim aus Frankfurt, einer Enkelin Samuel Oppenheimers, befestigte er die innigen Beziehungen beider Familien. (Miriams Bruder Abraham, der sich später in Hamburg ansässig machte, wurde Moses Mendelssohns Schwiegervater.) Wenn Hayum Sinsheims Ehefrau Rebekka, Tochter des Abraham Chalfon in Metz, in ihrem Testament von ihrem Sohn Löw sagt, Gott habe ihm ein gutes Herz gegeben und auch „daß er es zu tim vermag“, so ist dies mehr als ein aus liebendem Mutterherzen kommendes überhebliches Lob27). Was hier mit wenigen Worten und nebenbei ausgesprochen wird, bestätigen Löws Grabinschrift, sein Seelengedächtnis im Wormser und Mannheimer Memorbuch sowie viele zeit- 23) Vgl. B. Rosenthal: Heimatgeschichte der badischen Juden, S. 108. Der hebr. Wortlaut ist abgedruckt bei Kaufmann a. a. O., S. 133 f., und Löwenstein a. a. O., S. 295. 21) Kaufmann a. a.O., S.79f. 25) Löwenstein a. a. O., S. 112 f., Art. 1. 26) Ratsprotokolle 15. VI. 1700. Auch Wachstein (a. a. O., II, 283) nimmt Worms als Herkunftsort der Familie Sinzheim an. 27) Bloch J.: Le testament d’une femme juive. (Revue des Etudes juives XC N. 180. S. 159). 198