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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 197

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Beziehungen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft
Date
1935-01-01
Page
Seite 197 (sequence 6)
Language
German
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B. Rosenthal. Beziehunsen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft näher gelegenen Wiesloch bereits eine jüdische Begräbnisstätte befand. Daß beide Brüder rege Geschäftsbeziehungen zu Mannheim unterhielten, wird durch mehrfache Einträge in den Ratsprotokollen bezeugt. Samuel, der nachmalige kaiserliche Oberhoffaktor, fand in Mannheim seine zweite Gemahlin, nämlich die Portugiesin Gentille (Sandella), Tochter des Emanuel Carcassonne, deren erster Gatte Moses Abraham Astruk um 1668 gestorben war, wahrscheinlich 1673. Im folgenden Jahre verlor Samuel seinen bereits verheirateten Sohn Daniel Moses, der auch in Worms beerdigt wurde21). Name und Herkunft seiner Mutter sowie Ehefrau konnten bis jetzt noch nicht ermittelt werden22). Vor seinem Wegzuge nach Wien (1683) hielt sich Samuel abwechselnd in Heidelberg und Mannheim auf. Durch seine Frau war er in Mannheim Hausbesitzer geworden. Sein Sohn Emanuel war schon früher dort Hauseigentümer. Vielleicht war ihm dieser Grundbesitz am Marktplatz als mütterliches Erbteil zugefallen, auf dem er nach 1700 einen noch heute stehenden Monumentalbau errichten ließ, der dem Kurfürsten Karl Philipp bei Verlegung seiner Residenz nach Mannheim einige Jahre als Interimswohnung diente. Die schweren Tage, die 1688 und 1689 durch den Orleansschen Krieg über die Rheinlande hereinbrachen, trafen Worms und Mannheim mit gleicher Härte. Eine ergreifende Schilderung der traurigen Lage, in der sich beide Gemeinde befanden, gibt ein im Archiv der Wormser jüdischen Gemeinde befindlicher, in hebräischer Sprache abgefaßter Brief, den die Mannheimer Judenschaft an ihre Wormser Brüder in der Zeit zwischen der Eroberung und Zerstörung der Stadt richtete. In diesem Schreiben heißt es: „Infolge der vielen Drangsale und Widerwärtigkeiten, die uns in letzter Zeit trafen, konnten wir eure Anfrage nicht beantworten. Auch ist es uns wegen der uns umgebenden Spione augenblicklich unmöglich, euch Geld zu schicken. Ueberdies haben wir allen unseren Besitz an Waren, Silber, Gold und anderen beweglichen Gütern vor dem Herarmahen der Feinde nach Frankfurt gebracht und können deshalb unsere Schuld nicht begleichen. Dazu kommen noch die vielen Einquartierungslasten und andere unzählige Auflagen, die uns seit Beginn dieses Jahres bedrücken. Es ist leider zu befürchten, daß unsere Einigkeit notleidet, wenn Gott nicht auf uns herabschaut und unsere Augen erleuchtet, auf daß wir die Möglichkeit finden, durch eine Anleihe 2000 fl. oder wenigstens 1000 Rtlr. zu erhalten, bis wir uns wieder rühren und in Besitz unseres Vermögens setzen können. Da wir erfahren haben, daß ihr euch z. Zt. auch um ein Darlehen bemüht, bitten wir euch, ihr möchtet bei dieser Gelegenheit gemeinsame Sache mit uns machen und auch für unsere Gemeinde Geld beschaffen, ohne daß ihr hierfür Bürgschaft leisten braucht. Nur behilflich sollt ihr uns sein, daß wir gegen genügende Sicherheit, in deutscher, jüdischer oder lateinischer Sprache abgefaßte Wechsel oder andere Schuldscheine das Geld erhalten, von dem ihr dann zuvor eure Forderung wegnehmen könnt. Den 21) Epitaph. 1033. Die von Wachstein (a. a. O. II, 17) aufgestellte Stammtafel Moses Daniel Oppenheimers wäre demnach in manchen Punkten zu berichtigen. So kann z. B. Moses Daniels Sohn Löb nicht mit dem Löwel identifiziert werden, der 1683 als Leipziger Meßbesucher erwähnt wird. Daniels Sohn dürfte in jenem Jahre höchstens 10 Jahre alt gewesen sein. 22) Daß Gentille (auf ihrem Grabstein und in verschiedenen Memorbüchem heißt sie Sandella) Samuels zweite Gattin und die Tochter des Emanuel (Manoach) Carcassone aus Mannheim war, geht aus den mitgeteilten Tatsachen und aus mehrfachen Einträgen in den Ratsprotokollen überzeugend hervor. Bestätigt werden diese Angaben noch durch einen bisher unbeachtet gebliebenen Eintrag im Mannheimer Memorbuch (12, 35) für die vornehme Greisin Sandilla, Gattin des Verstorbenen R. Mose Abraham bar Gad Astruk. Sie starb am 20. Tebet 5465 in Wien und ordnete vor ihrem Tode an, daß ihre Erben 100 fl. zum Besten der Mannheimer Synagoge spenden. Der hier angegebene Todestag stimmt mit dem auf dem Grabstein der Ehefrau des Samuel Oppenheimer überein (Wachstein a. a. O., II, 20). 197

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