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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 94

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Zur Geschichte des Judenprivilegs Kaiser Maximilians II. auf dem Reichstag zu Augsburg 1566
Date
1932-01-01
Page
Seite 94 (sequence 12)
Language
German
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Max Freudenthal. Zur Geschichte des Judenprivilegs Kaiser Maximilians II. preulich geweßen, das die schergen oder landtputtel uf der vom adel guettern haben macht zu gebietten oder zu verpietten, hette solcher neuer gewalt meines erachtens wol Verzug gehapt, aber hettet mir derwegen geschriben und die zech nit also on wirt gerechent, solches hab ich euch als ein formundt nit khonnen verhalten, damit ein gurten morgen!". Zu den einflußreichsten Herren des Landes gehörten die Grafen von Pappenheim. Auch zu ihnen hatte Jakob seine Beziehungen, wie die Niederlassung seines Sohnes in Pappenheim erweist. Von dem Tage an, da er sich in Augsburg aufhielt, unterstand er wie alle Juden, welche in der sonst ihnen verschlossenen Stadt eintrafen, unmittelbarem Pappenheimschen Schutz, da die Grafen als Reichserbmarschälle das Privileg des Geleits und der Jurisdiktion über die bei Reichszusammenkünften anwesenden Juden besaßen61). Als ihr Vertreter war Graf Heinrich, der älteste der Pappenheimschen Reichserbmarschälle, nach Augsburg gekommen und ließ sich von dem neuen Kaiser alle seine Privilegien bestätigen. Er gilt als einer der bedeutendsten seines Geschlechts, da er die vertragliche Einigung der verschiedenen Linien über ihre gegenseitigen Anrechte durchsetzte62). Als Geleitsherr stellte er den beiden Juden zur Beglaubigung des kaiserlichen Privilegs sein Siegel zur Verfügung; aber er mag wohl in dieser Eigenschaft und dank der Beziehungen der zwei fränkischen Juden zu ihm auch an der Erlangung des Privilegs nicht unbeteiligt gewesen sein. Markgraf Georg Friedrich erschien gleichfalls in Augsburg, um die erneute Belehnung mit den Regalien und sonstigen Reichslehen zu erholen63). Die markgräfliche Politik ging immer darauf aus, sich mit den kaiserlichen Herrschern gut zu stellen. So kam der Fürst auch diesmal nicht mit leeren <*) Kraft, Wilhelm, Zur Gesch. d. Juden in Pappenheim, MGWJ 1926, S. 277 ff. — Das gräfliche Hausarchiv zu Pappenheim besitzt unter Nr. 3400 ein von dem Reichsprofos Veit Thaibar von Kempten geführtes Register, in welchem die von seinem Herrn dem Reichserbmarschall Heinrich von Pappenheim während der Reichstagung zu Augsburg 1566 mit Gefängnis oder Geldstrafen belegten Personen verzeichnet sind. Von Juden werden bestraft: Salomon und Kaistie aus Frankfurt „wegen das sie nit gelaidt gehabt" um 1 Krone; Moße und Pimperl und Mair Flaißer mit Gefängnis wegen Balgerei mit der Wache; Wurgel, der den Reichserbmarschall beim Kaiser verklagen wollte, wird ohne Strafe aus dem Gefängnis entlassen; Isac von Mantua wegen Beischlafs mit einer Christin mit 10 iL; Sehne von Neustettlein, weil er entgegen seinem Gelübde wieder in die Stadt gekommen und die Wache geschlagen, mit 4 fl.; Isac Koch Judenwirt wegen Balgerei mit der Wache um 4 fl. und derselbe nochmals um 9 Kronen; Isac, weil er die beiden Judenwirte und ihre Gaeste geschmäht und den Schmiel von Dietfurt und Joseph von Neuburg Verräter gescholten, um 8 Taler; Gump von Schwakhausen wegen erlogenen Hin- und Hertragens; Werel (Ber) Judenwirt um 4 und nochmals um 8 Kronen, „hat sein Wirtschaft aufgesagt". Von den christlichen Personen wird eine um 7 Taler bestraft, weil sie einen Juden geschlagen und „ine bey seinem gelaidt nit hat wollen bleiben lassen". — Das Register ist zum Teil unlesbar. Die beiden sonst nicht bekannten Judennamen Kaistie und Wurgel sind jedoch deutlich lesbar (den Namen Brugel vermerkt G ru n w a 1 d , Mitt. zur Jüd. Volkskunde, 14. Jahrg. Heft 37, S. 103; vielleicht identisch mit Wurgel). Auch der Name des Profosen Thaibar ist selten. — Das Vorhandensein zweier jüdischer Wirte zeigt, daß mit der Anwesenheit einer größeren Zahl von Juden während der Reichstagung gerechnet wurde. 62) Doederlein, Johann Alexander. Matth, a. Bappenheim enucleatus„ Histor. Nachrichten usw., Schwabach 1739, S. 241 f. «) Lang a.a.O., Teil III, S. 48. 94

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