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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 93

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Zur Geschichte des Judenprivilegs Kaiser Maximilians II. auf dem Reichstag zu Augsburg 1566
Date
1932-01-01
Page
Seite 93 (sequence 11)
Language
German
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Max Freiuknthal. Zur Geschichte des Judenprivilegs Kaiser Maximilians II. seit 1548 allmählich in den Besitz der Markgrafen übergingen und den bisherigen Eigentümern bis zum Absterben der Linie 1587—1590 als Lehen verblieben58). Von ihrem Rechte, Juden auf ihren Gütern anzusetzen, machte diese Familie wie die Ritterschaft in Franken überhaupt gerne Gebrauch; selbst der Deutschordenskomthur zu Nürnberg bildete hiervon keine Ausnahme. Durch seine Beziehungen zu allen diesen Kreisen konnte Jakob es durchsetzen, daß sein uns bereits bekannter Bruder Samuel als Arzt in Georgensgmünd, sein Sohn Calmus in Pappenheim, sein Tochtermann Piman-Benjamin, der Gatte der B e 1 a, in Eckers mühlen, das dem Deutschorden gehörte, Niederlassung erhielten, während sein anderer Schwiegersohn Man, der Gatte der Hanna, die Hausgenossenschaft mit ihm selber in Roth teilen durfte. Jakob sorgte jedoch nicht bloß für die eigene Familie. Der Judenschaft in Schnaittach, in Treuchtlingeri, in A1 esheim und in Ansbach streckte er ansehnliche Summen vor. Vor allem aber erwies er den Juden der gesamten Umgegend dadurch eine große Wohltat, daß er von seinem Gönner, dem Herrn von Schirnding, ein Feld zu Georgensgmünd zur Anlegung eines Begräbnisplatzes erkaufte, so daß die jüdischen Leichen nicht mehr wie bisher nach dem weit entfernten Friedhof zu Baiersdorf gebracht zu werden brauchten. Einer der ersten, der dort beigesetzt werden mußte, war sein eigener Sohn Calmus, der 1581 mit Hinterlassung einer zahlreichen Familie verstarb. Der neue Friedhof wurde alsbald die zentrale Begräbnisstätte für die Judenschaft in Roth, Thalmessing, Hilpoltstein, Windsbach und Schwabach und ist es für die Mehrzahl bis heute geblieben. Der Name des Mannes, der den heiligen Ort bereitet hatte, war aber so schnell vergessen, daß selbst die Memorbücher dieser Gemeinden entgegen sonstigem Brauch und ungeachtet späterer Einträge über den Friedhof ihn nicht kennen59). Er verdient es darum ganz gewiß, hier wieder der Vergessenheit entrissen zu werden. Das Ansehen, das Jakob genoß, und die guten Beziehungen, über die er verfügte, behüteten ihn auch vor den fortwährenden Ausweisungsbefehlen, die Markgraf Georg Friedrich auf seiner Landstände Drängen von Zeit zu Zeit erließ. Jakob wurde in diesen Erlassen ausdrücklich jedesmal von den befohlenen Maßnahmen ausgenommen, zumal er auch unter dem Schutz der Familie von Schirnding stand. Er setzte es sogar durch, daß er am 11. März 1566, also wenige Tage, nachdem Kaiser Maximilian in Augsburg die Privilegien Karls V. für die Judenschaft des ganzen Reichs aufe neue unterzeichnet hatte, für sich und seine Familie auch von Georg Friedrich und dessen Mutter wiederum die Erneuerung seiner Schutzrechte erlangte. Solchen Erfolg verdankte er offenbar dem Eintreten des fränkischen Adels. Die Urkunden enthalten im Original noch einen erheiternd groben Brief, den der Vormund des Schirndingschen Sohnes Ulrich von Kuedorff60) in eben diesem Jahre an den Castner von Roth richtete, als aus Versehen der Landsknecht auch Jakob eine solche Aufforderung zugestellt hatte, das Land zu räumen. Wütend wirft Ulrich hin: „Liber her Castner, Nachdem ich gestern ghen Görges gmundt bin ankhumen, hab ich erfaren, wie euer landtknecht in meinem abwesen sich untterstanden, meines pflegsonnes Juden hinwegk zepotten, welches piß hieher nit ge- 58) Die Urkunden darüber im Staatsarchiv Nürnberg, Oberamt Roth, Rep. 150 und Rep. 165a. — Lehner, M. J., Mittelfrankens Burgen und Herrensitze, Nürnberg 1895, S. 118. 59) Vgl. Weinberg, Untersuchungen über das Wesen des Memorbuchs, S.A., Frankfurt 1924, Nr. 10 und 20. 60) Ueber das Geschlecht und Ulrich selbst s. Biedermann a. a. O. Altmühl, Tabula CCXVII. — Das Original des Schreibens im Staatsarchiv Dürnberg, Landgericht ä. O. Roth a. a. O. . 93

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