Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Zur Geschichte des Judenprivilegs Kaiser Maximilians II. auf dem Reichstag zu Augsburg 1566
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 6)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Zur Geschichte des JudenprivOegs Kaiser Maximilians II. Georg Friedrich, der Sohn und Nachfolger des Markgrafen Georg, 1543 bei Antritt seiner Regierung noch unmündig, hielt es den Juden gegenüber ähnlich wie sein Vater. In seinen schlesischen Besitztümern trieb sein Statthalter die judenfeindliche Politik mit solcher Härte weiter, daß selbst Kaiser Ferdinand I. dagegen einschritt und den Juden Schutz gewährte26). Auch in seinem Heimatlande überließ der Markgraf zuerst während seiner Vormundschaft und später während seiner häufigen Abwesenheit, hervorgerufen durch zahlreiche Reisen und nachher durch die Uebernahme der Verwaltung des Herzogtums Preußen, die Ordnung der Judenfrage seinen Regenten und Räten. Im großen und ganzen behielten diese die bisherige Methode bei. Zwar gab der Markgraf stärker als sein Vater dem Drängen der Landstände auf Ausschaffung der Juden nach und ließ besonders den Beschluß des Landtages vom Jahre 1539 ausführen und die Juden ausweisen. Aber diese Maßregel hatte nur vorübergehenden Erfolg; denn die von der Vertreibung Bedrohten fanden wieder Schutz und Aufnahme auf den adligen Gütern und waren, wie der Biograph des Fürsten berichtet, von dessen wahrer Gesinnung besser unterrichtet27). In der Tat zeigten sie sich gerade im Jahre 1566 „allenthalben wieder", so daß ihnen für das folgende Jahr unter Androhung des Verlustes von Leib und Leben ein letztes Ziel ihres Aufenthaltes gesetzt wurde. Daß aber im Ernste daran nicht zu denken war, erweist die Tatsache, daß auch Markgraf Georg Friedrich immer wieder neue Schutz- und Geleitbriefe zur Niederlassung oder zu weiterem Aufenthalte im Lande erteilte28). Der erneute Aus Weisungsbeschluß des Landtages im Jahre 1560 nahm die Juden zu Fürth ausdrücklich von der Austreibung aus; die Strittigkeit zwischen Ansbach und Bamberg hatte so wenigstens etwas Gutes für die strittigen Objekte. Hier in Fürth hatte Markgraf Georg Friedrich zwei Vettern namens Matth es und Abraham im Jahre 1557 gestattet, sich mit allen ihren Familienangehörigen gegen eine jährliche Abgabe an ihn und an seine Mutter zunächst für sechs Jahre niederzulassen, dieses Recht aber nach Ablauf der Zeit immer wieder erneuert, so daß die Niederlassung eine dauernde wurde29). Dies ist der Jude Abraham, der auf dem Reichstag zu Augsburg 1566 das kaiserliche Privileg für die Juden im Reiche im Original in Händen hielt. Ueber seinen Genossen Jakob aus Roth geben die Urkunden weit eingehendere Auskunft. Er gehört in eine jüdische Aerztefamilie hinein; sein Bruder, sein Schwiegervater und sein Schwager übten diese Kunst aus. Solche Männer wurden von den Markgrafen ganz besonders gern mit Privilegien bedacht, trotzdem 1491 die Synode zu Bamberg und 1505 der Bischof von Würzburg die kirchlichen Verbote, jüdische Aerzte in Anspruch 26) Brann a.a.O., SS. 167, 178. «\ Lang a.a.O., dritter Teü, Nürnberg 1811, S. 318. 28) Haenle, Gesch. d. Juden im ehemaligen Fürstentum Ansbach, Ansbach 1867, Regesten, S. 227 ff., Nr. 29 ff. Ueber die Beschlüsse des Landtages daselbst S. 20ff.; Lang a.a.O.; Eckstein, Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth, S. 14 ff. ») Haenle a.a.O., Regesten Nr. 31, 32, 34, 35, 37, 38, 39; zuletzt im Jahre 1580 für Abraham, 1611 für Matthes erneuert (Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Gemeinbücher XIV, BL 173). 88