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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 85

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Zur Geschichte des Judenprivilegs Kaiser Maximilians II. auf dem Reichstag zu Augsburg 1566
Date
1932-01-01
Page
Seite 85 (sequence 3)
Language
German
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Max Freudenthal. Zur Geschichte des Judenprivilegs Kaiser Maximilians II. lieh gebracht und nur durch seinen Richterspruch entschieden werden sollen. Auch dieses Privileg verdankt seine Entstehung dem unermüdlichen Eingreifen des Josel von Rosheim. Wer aber hat seine Erneuerung auf dem Reichstag zu Augsburg durch Kaiser Maximilian IL im Jahre 1566 durchgesetzt, da Josel bereits 1554 verstorben war? Hielten sich zu diesem Reichstag überhaupt Juden in der ihnen sonst verschlossenen Reichsstadt auf? Auf diese Fragen gibt eine Abschrift der Augsburger Erneuerungsurkunde Maximilians II. Antwort, die im Bayerischen Staatsarchiv zu Nürnberg liegt11). Zwei Juden, nämlich Abraham aus Fürth und Jakob aus dem ebenfalls in der Nähe von Nürnberg gelegenen Roth, lassen von dem Notar Johann Rüchßer in Augsburg am 2. April 1566, also bald nach Erlaß des Privilegs, eine von zwei christlichen und mit Namen benannten Zeugen beglaubigte Abschrift aus dem Original, das sie in Händen haben, anfertigen. Da der Notar kein eigenes Insiegel besitzt, obwohl er ordnungsgemäß beim kaiserlichen Kammergericht in das Rotel der Notare eingetragen ist, stellt der Reichserbmarschall Graf Heinrich von Pappenheim das seinige zur Verfügung. Es ist nicht ohne Interesse, einiges über die auf solche Weise mit dem Erlaß Kaiser Maximilians II. verknüpften Personen auszuführen. Zunächst Kaiser Maximilian II. selbst, der rätselhafte Kaiser, wie er von seinem neuesten Biographen genannt wird, der freilich das Rätselhafte seines Wesens und Verhaltens sehr gut aufzulösen weiß12)! Innerlich allezeit und in jungen Jahren sogar auch äußerlich der neuen Lehre des Protestantismus zugetan, betrachtete der Kaiser eine Einigung, zum mindesten aber den Frieden zwischen den christlichen Konfessionen als höchst erstrebenswertes Ziel seiner Regierung. So galt er allgemein als eine friedliche und versöhnliche Natur; auch die Juden hatten Grund zu solcher Annahme. Hatte er sich doch zusammen mit seiner Gemahlin Maria, der Tochter Kaiser Karls V., wiederholt bei seinem Vater Kaiser Ferdinand I. um Duldung der auf kaiserlichen Befehl zur Austreibung bestimmten böhmischen Judenschaft verwendet und, wenn auch nicht die Aufhebung der Ausweisung, so doch manche Nachsicht und Milderung erreicht13). Nun war ihm nach der kurzen Regierungszeit seines Vaters die Kaiserkrone zugefallen und damit die Möglichkeit gegeben, seinen Ideen energisch nachzugehen. Der Reichstag zu Augsburg 1566 war der erste, den er nach seiner Thronbesteigung einzuberufen hatte, und einen Hauptpunkt der Beratungen sollte die Sicherung des Religionsfriedens zwischen den beiden christlichen Konfessionen, ja sogar innerhalb des Protestantismus selber bilden, der durch die verschiedenen Lehrrichtungen scharf auseinander ging. Dazu kamen noch zwei weitere Beratungsgegenstände von großer Bedeutung: die Aufbringung von Truppen und Geldern zum Kampf gegen die Türken und die Wiederherstellung der Reichssicherheit, die durch die Rebellion des Ritters ") Ansbacher Historika Rep. Nr. 110, Nr. 219. Der Akt ist eine Abschrift der notariell beglaubigten Urkunde. Ein vom Kaiser eigenhändig unterschriebenes Exemplar der Urkunde liegt im Museum der Jüdischen Gemeinde zu Worms, das unserem Mitarbeiter J. Kiefer seine Entstehung und rühmenswerte Ausgestaltung verdankt. 12) B i b 1, Viktor, Maximilian IL, der rätselhafte Kaiser, ein Zeitbild, Hellerau 1929. Der Augsburger Reichstag ist ausführlich S. 125 ff. behandelt. Eine Biographie Maximilians II. gibt auch Maurenbrecher in A. D. B., Bd. XX. Eine eingehende Darstellung des Augsburger Reichstages s. ferner bei Ritter, Moritz, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation usw., Bd. I, Stuttgart 1889, S. 263 ff. 1S) Bondy-Dworsky, Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien, Bd. I, Prag 1906, Nr. 611, 656, 658 usw. 85

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