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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 230

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Dokumente zur Schriftenverfolgung durch Pfefferkorn
Date
1931-01-01
Page
Seite 230 (sequence 4)
Language
German
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Max Freudenthal. Dokumente zur Schriftenverfolgung durch Pfefferkorn losigkeit, vielleicht aus dem bereits vorhandenen Gefühl der Ohnmacht entsprungen, rächte sich bald. Am 5. November 1517 gestattete Kaiser Maximilian die Austreibung der Juden, diesmal aber nach dem Nürnberger Vorbild für alle Zeiten. Schon am 25. Juli 1518 wurde sie vollzogen. Häuser und Synagoge fielen natürlich an den Kaiser, der sie an die Stadt verkaufte13). Er erhielt dafür 500 Gulden, außerdem für die nunmehr ausfallende Judensteuer, die ihm jährlich 32 Gulden eingebracht hatte, eine Abfindung von 400 Gulden14). Das gleiche Schicksal teilten auch die beiden anderen Städte, die sich wie Donauwörth der Frankfurter Einladung versagt hatten, Rothenburg und Weißenburg. Aus beiden wurden die Juden 1520 ausgetrieben. Weißenburg ist das heutige Weißenburg i. B., früher im Nordgau. 1288 erholt die Stadt die in Nürnberg geltende Ordnung über das Geldausleihen der Juden, die 1312 dann — statt des lateinischen im deutschen Text — dort publiziert wird; beide Texte s. bei Moritz Stern a.a.O., S. 213ff. Der Name der Stadt findet sich unter den Märtyrerlisten des Jahres 1298 wie unter denen von 134915). Eine furchtbare Judenmetzelei entstand aufs neue 1384, zugleich mit einem Aufruhr gegen den Rat der Stadt, bei dem die Juden „alle ir brief, phand und guot" hinterlegt hatten, und der von den Rädelsführern abgesetzt worden war16). Dieselben Ereignisse, Judenmord und Aufruhr, hatten sich in Nördlingen vollzogen17). In beiden Fällen griff jedoch der Schwäbische Städtebund sehr energisch ein. Er setzte den Rat in Weißenburg wieder in seine Aemter ein, verbannte die sechs Anführer des Aufruhrs aus der Stadt und aus allen Städten des rheinischen und schwäbischen Bundes und deren Umkreis von 10 Meilen. Den Juden sollte das deponierte Gut wieder zurückgegeben werden, doch durften sie die Stadt nicht verlassen, ehe nicht festgestellt war, „wie wir die sach gen unsern herren den kunig verantwurten und davon komen". Während in Nördlingen der Rat der Stadt die Herausgabe des Judengutes verweigerte und deshalb aus dem Schwäbischen Bund ausgestoßen wurde, scheint in Weißenburg die Anordnung des Bundes durchgeführt worden zu sein. 1390 schlug jedoch Kaiser Wenzel zu Gunsten der Stadt die Schulden an die Juden nieder. Kaiser Sigismund gewährte ihnen 1416 eine Atempause, damit sie sich erholen koninten. Aber auch hier entgingen die Juden ihrem Schicksal nicht. Sie wurden 1520 ausgetrieben. Ueber diese Austreibung hat Moritz Stern ausführlich im Jahrgg. I dieser Zeitschrift S. 297 ff. berichtet. Später wurden Juden wieder „aus gewissen Ursachen" zugelassen, also um der für die Stadt in ihrem Niedergang dringend benötigten Geld- und Handelsgeschäfte willen. Aber nach einem uralten und ausdrücklich 1693 erneuerten Privileg durften bei solchen Handelsgeschäften nicht mehr als 6o/o, höchstens 7o/o Zinsen ausbedungen werden, und alle Obligationen, die ohne Vorwissen des Magistrats mit Juden aufgerichtet waren, wurden ohne weiteres als null und nichtig erklärt. Selbst unter solchen Einschränkungen war der Aufenthalt der Juden nicht für die Dauer. Sie wurden zu Anfang des 18. Jahrhunderts ausgewiesen, und bis heute haben sich weder in Donauwörth noch in Weißenburg jüdische Gemeinden wieder gebildet. 15) Stengera. a. O., S. 63. ») Wöhrla. a. O., S. 217. ") Salf eld a.a.O., SS.48/200; 67/234; 75/268; 79/271; 80,275. Die hebräische Schreibweise entspricht dem mittelalterlichen Namen: Wissenburg. Weißenburger Juden, die in Nürnberg eingebürgert werden, finden sich 1339 und 1342 und dann erst wieder von 1413 ab; s. Moritz Stern a. a. O. im Register unter Weißenburg. Stobbe, Die Juden in Dtschld., S. 138 u. 254, bezieht sich auf unser Weißenburg, S. 282 jedoch auf Weißenburg im Elsaß. 16) Die folgenden Einzelheiten nach einer Chronik von D ö d e r 1 e i n aus der Mitte des 18. Jahrh., hgg. von Christian Meyer, Chronik der Stadt Weißenburg i. B., München 1904, SS. 17, 29, und den archivalischen Beilagen S. 44 ff. 17) Näheres darüber bei Ludwig Müller, Aus fünf Jahrhunderten, Augsburg 1900, S. 20 ff. 230

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