Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dokumente zur Schriftenverfolgung durch Pfefferkorn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 5)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Dokumente zur Schriftenverfolgung durch Pfefferkorn An der Versammlung, welche die Frankfurter einberufen hatten, nahmen wohl die Worms er Juden teil, konnten aber ebensowenig wie jene die Beschlagnahme der Schriften durch Pfefferkorn verhindern. Das bisher unbekannte Datum der Konfiskation in Worms, 18. Dezember 1509, erfährt man aus dem zweiten, hier fotografisch wiedergegebenen Dokument, welches die Liste der in Worms beschlagnahmten Schriften enthält. Sie ist kürzer als die von Kracauer in der „Monatsschrift" 1900 veröffentlichte Frankfurter Liste, vermerkt aber jedesmal die Zahl der aufgegriffenen Exemplare. Da die Wormser durch das Vorgehen Pfefferkorns in Frankfurt gewarnt waren und Zeit hatten, ihre Schriften in Sicherheit zu bringen, so werden wohl nicht alle jüdischen Schriften in Worms von der Beschlagnahme ergriffen worden sein. Immerhin war leider die Ausbeute noch reich genug. Zum größten Teil, wenn nicht überhaupt, muß es sich um handschriftliche Schätze gehandelt haben, da sich als Inkunabeln nur wenige der im Verzeichnis angegebenen Schriften nachweisen lassen18). Wohl ist anzunehmen, daß bei den ständigen Verbindungen mit Italien, von denen die oben erwähnten hebräischen Berichte gleichfalls Zeugnis ablegen, die italienischen Erstdrucke sich allmählich auch in den größeren Gemeinden Deutschlands verbreiteten. In welchem Ausmaß dies jedoch geschah, läßt sich einstweilen nicht feststellen; sicherlich ging der Absatz der Bücher schon deshalb, weil sie sehr teuer waren, nur ganz langsam vonstatten. Mit Bestimmtheit müssen unter den in der Wormser Liste aufgeführten Schriften zum mindesten die folgenden nur handschriftlich vorhanden gewesen sein, da ihre Drucklegung erst später als 1509 erfolgte: Kizzur, wohl Kizzur Mordechai; Mordechai hearuch; Baruch, wohl Sefer haterumah von Baruch b. Isaak aus Worms; Ascheri, entweder seine Halachoth, die aber nie selbständig, sondern immer nur als Anhang von Talmudtraktaten erschienen sind, oder seine Responsen; Issur wehetter des Jona Gerondi oder Jakob Weil, wenn nicht etwa der Rokeach des Eleasar b. Jehuda aus Worms gemeint ist. Von den in der Liste erwähnten Talmud Traktaten sind Späterdrucke: Baba Bathra, Erubin, Schabuoth, Sukkoth, Jebamoth; immerhin ist es wahrscheinlich, daß auch die übrigen, die als Inkunabeln bekannt sind, handschriftlich vorlagen19). Auffällig ist, daß von den Tossaphot so viele — 34 — Exemplare aufgeführt werden, wir wissen freilich nicht, auf wieviele Traktate sie sich erstrecken. Das Spezialmandat Pfefferkorns für Worms. Maximilian von gots gnaden Römischer Kayser etc. Ersamen lieben getreuen. Wir haben unsern diener und des Reichs getreuen Johannsen Pfefferkornn von Cölln mit ainem unserm General Mandat, so Euch auch furpracht wirdet, abgefertigt, berurend etliche untaugliche ungegrundte und pöse puecher und Schriften, so die Juden uberal in iren sinagogen und sunst bey 18) Die Literatur über hebräische Inkunabeln ist von Alexander Marx in den Soncmo-Blättern, Bd. I, Berlin 1925/26, S. 159 ff., zusammengestellt. 19) Zusammenstellungen der Erstdrucke von Talmudtraktaten gibt A. Freim a n n in der Zeitschrift für Hebräische Bibliographie, Jahrg. VIII, S. 143 f. und Elkan N. Adler in der Festschrift für David Simonsen, Kopenhagen 1923, S.83f. 231