Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dokumente zur Schriftenverfolgung durch Pfefferkorn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Dokument« zur Schriftenverfolgung durch Pfefferkorn Achilles, eine bekannte Gönnerin der Juden2). Unter den im gleichen Schriftstück dort erwähnten Vertretern von Hessen befindet sich ein Salman fas*, unmöglich nach Kracauers Lesung „Satan", sondern, wenn auch das sonst übliche s fehlt, Schotten. Ferner heißt es dort: „Im Namen von Feibusch und Süßkind nw"» Moses Runkel (nicht Schrunkil) und Liwa Schleierträger." Kracauer überträgt „Meiß er" als Namen; das Wort, in einem Laienbrief fehlerhaft geschrieben, bedeutet aber keinen Namen, sondern als Verbum im Zusammenhang, daß im Namen der beiden vorher genannten die nachgenannten Vertreter den Abmachungen zustimmten, im Gegensatz zu einigen vorerwähnten Vertretern, die ohne Vollmacht zur Versammlung erschienen waren. Die Frankfurter laden die Gemeinden im Umkreis — das Wort rras ist besser so zu übersetzen als nach Kracauer: ganz Deutschland — zu einer Besprechung über die Abwendung der drohenden Beschlagnahme ihrer Schriften ein. Unter den Gemeinden, welche ihre Teilnahme versagen, werden besonders tadelnd Rothenburg, Weißenburg und ktvh genannt. Graetz überträgt letzteres mit „Fürth", was unmöglich ist, da es damals in Fürth noch keine Gemeinde gab. Kracauer versteht darunter Wörth, welches er bald bei Regensburg, bald in Unterfranken sucht. Auch dies ist falsch, nrn Werde oder Werd ist vielmehr in dieser Zusammenstellung der Reichsstädte die Bezeichnung für Donauwörth (Schwäbisch Werd), dessen Judenschaft kaum ein Jahrzehnt später der Austreibung verfiel. Juden daselbst werden zuerst in der Reichssteuerliste vom Jahre 1241 erwähnt, woselbst sie zusammen mit den Juden von Bopfingen mit zwei Mark belastet sind3). Es handelte sich hier also offenbar zunächst um eine kleine Niederlassung, die sich jedoch allmählich vermehrte; denn 1326 betrug diese Abgabe bereits für Donauwörth allein 50 Pfund Heller4). Die Stadt ist eine königliche Vogtei, die Juden sitzen daselbst als kaiserliche Kammerknechte. Nach dem Aussterben der Hohenstaufen wird der Besitz der Stadt stark von den Wittelsbachern und dem Reich umstritten, bis sie unter Karl IV. dauernd die Reichsunmittelbarkeit erlangt5). Der Kaiser- und Reichsschutz bewahrte wohl in den Pestjahren 1348/49 die Juden in Donauwörth vor den furchtbaren Heimsuchungen ihrer übrigen Glaubensbrüder, da der Name der Stadt sich unter den Ortschaften, welche die Märtyrerlisten dieser Jahre aufzählen, nicht findet6). Aber ganz 2) Vgl. über sie A. Eckstein, Gesch. d. Juden im Markgrafentum Bayreuth, S. 15 f. 3) lieber die Steuerliste und ihre Beurteilung von jüdischer Seite siehe Georg Caro in MGWJ, 1904, S. 70ff.; Roesel, Isert, das., 1909 und 1910 passim. *) Hermann S t e n g e r, Verfassung und Verwaltung der Reichsstadt Donauwörth, Donauwörth 1909, kennt die Steuerliste von 1241 noch nicht und ist deshalb S. 62 zu berichtigen. 5) Ueber die Schicksale der Reichshauptstadt D. handelt eingehend Josef Wöhrl in der Zeitschrift des Histor. Vereins f. Schwaben und Neuburg, Bd.48, 1928/29, S. 166 ff. 6) Weder bei Siegmund S a 1 f e 1 d, Martyrologiutn des Nürnberger Memorbuches, noch bei M. Weinberg, Untersuchungen über das Wesen des Memorbuches (S.-A. aus dem Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1924). David aus „Swebisch Werd" wird 1450 Bürger in Nürnberg, seine Witwe Michel 1461 Bürgerin daselbst; s. Moritz Stern, Die israelitische Bevölkerung der deutschen Städte, III, Nürnberg im Mittelalter, Kiel 1894—96, S. 77 u. 81. 228