Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Mutter Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Die Mutter Moses Mendelssohns Am Sonntag, den 11. Nissan 516 n. d. kl. Z. verschied und wurde hier begraben die vortreffliche Frau, gerühmt durch die häusliche Trefflichkeit schlichter Frauen wie Sara, ihre Frömmigkeit möge ihr beistehen im Reich des himmlischen Friedens, die keusche und fromme Bela Rahel Sara, Tochter des Saul Wahl s. A. Als ich vor drei Jahrzehnten die Inschriften der Dessauer Grabsteine entzifferte, waren sie noch besser lesbar als jetzt9). Die drei Grabsteine der Familie Mendelssohn, des Vaters, der Mutter und ihrer Tochter J e n t e, stehen auf dem Friedhof nahe beieinander10). Daß es sich bei dem Grabstein von Bela Rahel Sara trotz des fehlenden Namens ihres Gatten tatsächlich um die Mutter Mendelssohns handelt, wird indirekt durch ein Schreiben Nicolais an Lessing vom 3.November 1756, also aus dem Todesjahr von Sara, bestätigt, worin jener mitteilt, daß Moses wegen seiner Trauer der Aufführung von Miß Sara Sampson nicht habe beiwohnen können u). Kayserling vermutet unter Hinweis auf diese Stelle bereits mit Recht 1756 als Todesjahr der Mutter Mendelssohns12). Der Todestag ist der 11. April. In einem Briefe an seinen Vetter Elkan Herz vom Jahre 1770 empfiehlt Moses Mendelssohn diesem den Rabbiner von Neuwied mit dem Hinweis auf ihrer drei gemeinsame Abstammung von Rabbi Moses Isseries und bezeichnet den Empfohlenen als den Bruder des Rabbiners von Cleve13). Das Rabbinat von Cleve bekleidete in jenen Jahren der durch den Streit um den Clever Scheidebrief bekannt gewordene Rabbi Israel, Sohn des R. Eli es er Lips chütz14). Er hatte zwei Brüder, R. Jüdel und R. Salomon Salm an15). Der letztere ist der von Moses. Mendelssohn empfohlene Rabbiner von Neuwied. Schon sein Vater R. E1 i e s e r, Sohn des Salomon S a 1 m a n Lipschütz, hatte das Rabbineramt in Neuwied innegehabt16). Der Sohn, mit. dem offiziellen Namen Salomon Lazarus Lip- 9) Die hebräischen Inschriften der Grabsteine sind im Anhang wiedergegeben. Die beigefügten Lichtbilder verdanke ich der Güte der Frau Jenny Tuchmann in Dessau. 10) Abbildungen der Grabsteine des Vaters und der Schwester von Moses Mendelssohn sowie seiner damals noch nicht erkannten Mutter befinden sich in meinem Buche „Aus der Heimat Mendelssohns". 1X) Lessings sämtl. Schriften, Berlin, Voss, 1840 Band 13, S. 31. 12) Kays erling, 2. Auflage, S. 130 Anmerkung. 13) Das. 1. Auflage S. 492. Die falsche Angabe das. (Gumbinner statt Isseries) ist von Kayserling selbst bereits in der 2. Auflage S. 3 verbessert worden. 14) Vgl. über ihn Jewish Encyclopedia, Band 8, S. 102 und Horovitz, Frankfurter Rabbinen, Band III, Frankfurt a. M. 1884, S. 67 ff. 15) Eisenstadt-Wien er a.a.O., S. 118. 16) Vgl. über ihn Eisenstadt-Wiener a.a.O., S. 110 und 118, sowie Jewish Encycl. a. a. O., S. 100. Das das. angegebene Todesjahr 1748 kann nicht zutreffen, da Löwenstein, Index Approbationum, Frankfurt a. M. 1923, Nr. 2131 noch Neuwieder Approbationen von ihm aus dem Jahre 1752 anführt. 195