Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Mutter Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 3)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Die Mutter Moses Mendelssohns meinde Wilna, Abkömmlings des berühmten Gaon R. Moses Isseries aus Krakau. Seine Seele ging in Reinheit aus am Montag, den 26. Tamus 477 n. d. kl. Z. Sisa Wahl, seine Oattin, die noch 1729 als Vertreterin der Dessauer Familie Oppenheim auf der Leipziger Messe erscheint, starb am 20. Oktober 1730. Ihre schlichte Grabschrift (Grabstein Nr. 46) lautet in der Uebertragung: Am Freitag, den 9. Cheschwan 491 n. d. kl. Z. verschied und wurde hier begraben die würdige Frau, das Biederweib, Frau Sisa, Tochter des Menahem Man s. A. aus Kaiisch, Frau des Saul Wahl s. A. Möge ihre Seele aufgenommen sein im Bund des ewigen Lebens! Dies sind die Großeltern mütterlicherseits von Moses Mendelssohn. Er hat sie beide nicht gekannt, da der Großvater Saul lange vorher, die Großmutter Sisa ein Jahr nach der Geburt ihres Enkels starb. Wie aber Moses Mendelssohn den Namen seines berühmten Ahnen Moses Isseries trug, so trägt sein Bruder Saul den des anderen berühmten Vorfahren Saul Wahl. Die Mutter von Moses Mendelssohn war die Tochter von Saul und Sisa Wahl und hieß mit ihrem vollen Namen Bela Rahel Sara. Vielleicht war sie schon in Dessau selbst geboren. Sie wurde dort die Gattin des Thoraschreibers Mendel, über dessen Herkunft bisher nichts bekannt geworden ist. Moses Mendelssohn erwähnt zwar hie und da seinen Vater, gibt jedoch keine weiteren Nachrichten über ihn. Von seiner Mutter spricht er nirgends. Auf ihrem Grabsteine ist wohl der Name ihres Vaters, aber nicht der ihres Gatten genannt. Das erstere ist bei dem Ruhme der Familie Wahl begreiflich und sogar üblich, das letztere immerhin auffällig. Aus dem Schweigen von Seiten des Mannes und des Sohnes jedoch irgend welche Rückschlüsse zu ziehen, verbietet sich bei dem Fehlen aller näheren Nachrichten über das Elternhaus von Moses Mendelssohn. Die Grabschrift (Grabstein Nr. 456) rühmt die häusliche Tüchtigkeit, Schlichtheit und besondere Frömmigkeit seiner Mutter und gibt ihren Namen Sara in Wortspielen wieder, die nicht übersetzbar sind s). Sie lautet in der Uebertragung: 8) Der Ausdruck p^t^D nach Eccl. 2, 21 u. öfters dort ist wegen des Namens Sara gewählt, der in dem hebräischen Wortbild hervortritt, und zugleich eine Anspielung auf 'die häusliche Tätigkeit nach Prov. 31, 19. Die Phrase JTU^KtP stammt aus Jesaia 32, 9. Der Ausdruck „wie Sara" ist doppelsinnig; mtPD bedeutet zugleich: ihre Frömmigkeit. Es wäre dann zu übertragen: ihre Frömmigkeit und Wohltätigkeit möge ihr beistehen usw. Bei Wachstein, Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, Wien und Leipzig 1912, Band I, Grabschrift Nr. 190 stehen z. B. beide Ausdrücke rntPD HII^D „fromm wie Sara" nebeneinander. Auffällig und selten ist der Ausdruck für das Jenseits n^3?JD^> pTW > der aus biblischer und talmudischer Phrase zusammengesetzt ist, wenn nicht einfach 01*11 „in der Höhe" zu lesen ist. 194