Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Mutter Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 5)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Die Mutter Moses Mendelssohns. schütz genannt, legte freilich in dieser Stellung keine Ehre ein. Zwistigkeiten in seiner Ehe und Anklagen von Seiten der Gemeindemitglieder veranlaßten ihn am 20. Juni 1769 sein Amt aufzugeben und sein Haus sowie die Gemeinde fluchtartig zu verlassen, um der von der Vorstandschaft und einer Reihe von Gemeindemitgliedern beantragten Amtsentsetzung zu entgehen17). Moses Mendelssohn mag wohl von 4*esen Vorgängen nichts gewußt haben, sonst hätte er seinen Gast nicht noch als Rabbiner von Neuwied bezeichnet und ihn sicherlich auch nicht weiterempfohlen. Aber verwandtschaftliche Beziehungen zwischen ihm und Salomon Lazarus Lipschütz, der übrigens schon im folgenden Jahr 1771 wieder als Rabbiner in Sluzk in Polen tätig war18), bestanden tatsächlich. Die Familie Lipschütz konnte nämlich ihren Stammbaum gleichfalls direkt auf S a u 1 Wahl zurückführen, dessen eine Tochter an R. Benjamin Benas Lipschütz, den Rabbiner von B r z e s c, verheiratet war19). Eine Tochter aus dieser Ehe wurde die Gattin des R. Salman Lipschütz, der später in das heilige Land auswanderte und dort zum Nasi in Jerusalem erwählt wurde. Dieser ist der direkte Stammvater der Lipschütz in Neuwied und Cleve; sein Sohn R. Eli es er, Rabbiner von Ostrowiec20), war der Vater von R. Salomon Salman, dieser wieder der Vater des Rabbiners von Neuwied R. Eli es er, des Vaters des Gastes von Moses Mendelssohn. Daß Moses Mendelssohn in seinem Briefe an seinen Vetter Elkan Herz die gemeinschaftliche Abstammung von R. Moses I s s e r 1 e s hervorhebt und nicht die von Saul Wahl, mag wohl daher rühren, daß der Name Moses Isseries mit seinem Gelehrtenruhm den des anderen bei weitem überstrahlte. Die Verwandtschaft mit Elkan Herz als dem dritten im Bunde bedarf übrigens noch des Nachweises. In den späteren Abkömmlingen von Saul Wahl flössen durch eheliche Verbindungen die Stammbäume aufs neue zusammen und gewannen sogar nochmals Beziehungen zu Dessau. Dort amtierte in den Jahren 1823—28 R. Israel Lipschütz, Sohn des R. G e - da 1 jah und Enkel des erwähnten Clever Rabbiners Israel. Da er noch ein Rabbiner alten Schlages war, konnte er sich in der schon längst vom Geiste Moses Mendelssohns erfüllten Gemeinde nur wenige Jahre halten21). Seit 1837 war er Rabbiner von Dan zig, 17) Mitteilungen des Herrn Josef Geisel in Neuwied nach Akten in den Archiven der fürstlichen Regierung von Wied. S. Friedberg, Luchot Sikaron, Frankfurt a. M. 1904, S. 34 und Löwenstein a.a.O., Nr. 2143. 19) Der Stammbaum der Familie Lipschütz ergibt sich am besten aus Eisenstadt-Wiener a.a.O. S. 86 Nr. 10, S. 92, S. 103, S. 110, S. 118. 20) Wachstein macht mich darauf aufmerksam, daß der Ort so heißt und bei Eisenstadt-Wiener a. a. O., S. 96, falsch wiedergegeben ist. 21) Nach den Akten der israelitischen Gemeinde Dessau. Biographisches über ihn s. Jewish Encycloped. a.a.O., S. 102; das. auch über seinen Vater. Zum Stammbaum vgl. ferner Eisenstadt - Wiener S. 126, S. 131. Approbationen s. Löwenstein a.a.O.: des Gedaljah Nr. 2132, des Israel Nr. 2135. 196