Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Mutter Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Die Mutter Moses Mendelssohns Johann Georg von Dessau in Verbindung getreten, der sich fast ständig bei seinem Schwager Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dem großen Kurfürsten, aufhielt. So konnte sie schon 1682 einen ihrer Anverwandten in Dessau ansiedeln. Es war dies S a u 1 Wahl, ein Abkömmling des durch die Legende als Eintagskönig von Polen verherrlichten einflußreichen Trägers gleichen Namens5). Von den Söhnen dieses Saul Wahl war der eine, R. M e i r Wahl, Rabbiner in B r z e s c in Litauen. Dessen Sohn R. J u d a, ein spätgeborener und nach einem früh verstorbenen gleichnamigen Sohne benannter Sproß, wurde der Schwiegersohn des Simon Wolff, nach welchem als ihrem Stammvater die Familie Wulff sich ihren Familiennamen beilegte. R. Juda Wahl war bereits durch seine Mutter H i n d e etwas mit R. Moses Isseries verwandt; sie war eine Nichte desselben, die Tochter seiner an R. Pinchas Hurwitz in Krakau verheirateten Schwester Mirjam. Die Gattin, die R. Juda Wahl sich jetzt erkoren hatte, stammte jedoch in direkter Linie von Dresel, der Tochter des Moses Isseries ab 6), und so konnte der Sohn R. Judas, Saul Wahl in Dessau, gleichfalls wie die Familie Wulff seinen Stammbaum auf diesen berühmten Ahnherrn zurückführen. Saul Wahl war bei seiner Niederlassung in Dessau bereits verheiratet; seine Gattin Sisa (Suschen, Susanna) war die Tochter des Menachen Man aus Ka 1 isch. Saul und Sisa besuchten des öfteren von Dessau aus die Leipziger Messe und finden sich unter den Namen der Leipziger Meßgäste7). 1696 erhielt Saul Wahl die Erlaubnis von Seiten der Dessauer Fürstl. Regierung die erste Branntweinbrennerei im Lande anlegen zu dürfen. Er starb bereits am 5. Juli 1717. Seine in hebräischem- Reimstil gehaltene Grabschrift auf dem künstlerisch schönen Grabstein (Nr. 47) verkündet rühmend seine stolze Abkunft, aber auch die Frömmigkeit und den Edelsinn seiner eigenen Person. Sie lautet in der Uebertragung: Hier ruht einer von den Vollkommenen, die abends und morgens sich zum Gebet einfinden vor dem, der in der Höhe thront. Seine Taten waren hold, er war eifrig in ihrer Erfüllung im Stillen und Geheimen, wie es die Frommen und Weisen halten, bei Tag und Nacht, ein vollkommener Gerechter aus hohen Geschlechtern von in aller Welt berühmten Gaonen, der angesehene und hochgeachtete Saul, Sohn des Gelehrten R. Juda s. A., Enkel des Fürsten, Führers und Leiters R. Saul Wahl s. A., des Sohnes des Gaon R. Juda Padua, des Sohnes des Gaon R. Meir Padua s. A., und Tochtersohn des vornehmen, berühmten R. Wolf, Oberhauptes und Leiters der Ge- 5) Ueber Saul Wahl s. Edelman Hirsch, Gedullath Saul, London 1844; Bloch Philipp, Zeitschrift d. Histor. Ges. d. Prov. Posen, Band 4, S. 77 u. 130. Die Nachkommenschaft von Saul Wahl s. bei Eisenstadt — Wiener, Da'at Kedoschim, Sankt Petersburg 1897—98, S. 85 ff. 6) Den Stammbaum s. in meinem Buche „Aus der Heimat Mendelssohns", Anhang. 7) Mein Buch „Leipziger Meßgäste", Frankfurt a. M. 1928, S. 69 u. 70. 2* 193