Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Die Verfassungsurkunde einer reichsritterlichen Judenschaft
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 60 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Die Verfassungsurkunde einer reichsritterlichen Judenschaft. 5. An Jomim Neroim59) An Jomim Neroim darf kein Balbajas (HausdarfkeinerMissbalherr) Missballel seyn, sondern es soll durch lelseyn (vorbeten). einen Vorsinger geschehen, es wäre dann ganz Kahl (Gemeinde) damit zufrieden. 6. Welcher in der Schul mit einem andern zancket, Sülsel oder Biasch (Schimpf oder Schande) anthut, muß zwanzig Creuzer Strafe, halb der Herrschafft und halb in Hectisch geben. 7. Wann sich aber ein oder andere in der Schul miteinander herum reißen, schlagen und stoßen, soll jeder theil mit einem Gulden, halb vor die Herrschafft und halb in den Hectisch ohnnachlässig bestraffet werden; verschwiegen es aber die beeden Barnosses und der Hectisch Gabba60) aus Freundschafft, wird ein jeder von diesen auch mit ein Pfund Wachs besonders bestrafft, wann die übrigen Balbatim (Hausherrn) deren Partheylichkeit anzeigen werden. 8. Am Montag und Donnerstag werden 2. Leviam und 1. Isroel, am Schabbas aber 3. Leviam und 3. Israelem, wie selbige den Rang nacheinander haben, in der Ordnung aufgeruffen61). Aber an Roschonna, Siccas, Schafuas, Besäen, ingleichen jom Kippur, an den Tag der Matnes Jad heisset62), gehet das Auf- 59) Jomim Noraim (ehrfurchtbare Tage) heißen die höchsten Feiertage Neujahr und Versöhnungstag. 60) Ueber diese Aemter s. Seite 44, 45. 61) Bei der Vorlesung aus der Heiligen Schrift werden Mitglieder der Gemeinde zu einzelnen Abschnitten vorgerufen, welche Segenssprüche über die Heilige Schrift aussprechen. Den Vorrang beim Aufrufen haben die Kohanim (Priester), d. s. die Nachkommen Arons, alsdann die Leviim, d. s. die Nachkommen des Stammes Levi, dann erst die übrigen Israeliten. Da hier die Kohanim nicht erwähnt sind, so wird es wohl in der kleinen Gemeinde solche nicht gegeben haben. 62) Rosch haschanah (Neujahrsfest), Sukkoth (Laubhüttenfest), Schebuoth (Wochenfest), Pesach (Ueberschreitungsfest), Jom Kippur (Versöhnungstag), die höchsten jüdischen Feiertage des Jahres. Mathnath jad (Gabe der Hand) ist die Bezeichnung für die Schlußtage der Feste, an welchen eine Seelenfeier stattfindet, die stets mit dem Gelöbnis von Spenden für das Seelenheil der Verstorbenen verbunden ist. Strafevordas Zankken in der Schule. Strafewegen reiss en, schlagen und stossen in der Schul. Von Aufrufen in der Schul. 60