Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band V. 1862
- Issue
- No. 27 Mai-Juni
- Date
- 1862-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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־77 mit ihrer Hand schreiben sollen : Per fede della ispurg.™ di esti libri . . . lind für diese Verpflichtung sollen die H. Purgatoren alle Drei zusammen 400 Scudi zu 6 lire Mantuaner Geldes, d. i. 133-J- Sc. ein jeder Einzelne haben u. s. w,“ 16). Wahrscheinlich sammelten jene Apostaten, wahrend sie sich mit dieser wohlbezahlten Arbeit beschäftigten, die Materialien zu dem Handbuch, von welchem nunmehr die Rede sein soll. (Schluss f.) Natan Adler und sein Dajjan Leser (vgl. S. 27). Von A. Geiger. Es mag für die jüdische Culturgeschichte der zweiten Hälfte des vor. Jahrhunderts nicht uninteressant sein, einige Erinnerungen über diese beiden Männer, ihre Richtung und ihren Anhang mitzutheilen. — Wie alle Richtungen im Christenthume, als Ausdruck der geistigen Zeitströmung, im Judenthume nicht spurlos vorübergingen, so auch damals der Spener’sche Pietismus. Dieser hatte seine Quelle nicht in einem wundersüchtigen Mysticismus, wich auch nicht von den Lehren der Orthodoxie ab, versuchte aber gegen deren starre Aeusserlichkeit die Verinneidichung ihrer Vor¬ Schriften, er strebte danach, die Lehren und Satzungen dem religiösen Gefühle näher za bringen, das bisher bloss Angenommene und werkthätig Geübte durch innerste Empfindung zu beseelen. Das ging natürlich nicht ohne Künstlichkeit und Uebertreibung ab, da man das Ueberkommene nicht etwa umgestalten, sondern im Gegentheile zur eigenen Heiligung verwenden und ihm selbst eine grössere heiligende Kraft zuwenden wollte. Dieser Pietismus war dadurch, dass er sich nicht mit dem Zwange des Herkommens begnügte, sondern das Bedürfniss des menschlichen Gemiithes in den Vordergrund stellte, allerdings ein Vorläufer der Aufklärung, und . die starre Orthodoxie ahnte diesen ihr in ihm erstehenden gefährlichen Gegensatz sehr wohl und bekämpfte ihn mit aller Heftigkeit. Der Pietismus selbst aber trat nicht bloss im Ganzen mit der wahrsten Hochachtung gegen alles Ueberkommene auf, sondern er verschärfte es noch und machte weit grössere Ansprüche für die Befolgung der kirchlichen Vorschriften. Sein Spiegelbild war jener deutsche Chassidismus, von dem ich nicht weiss, ob er ausserhalb -Frankfurt am Main’s entschiedene Vertreter hatte, und der mit dem polnischen nicht verwechselt werden darf. Man fühlte das Bedürfniss, sich tiefer in den religiösen Gehalt der rabbinischen Vorschriften zu versenken, und besonders begnügte man sich beim Gebete nicht, seine feststehenden Formeln zu sprechen, sondern man suchte auch besonders die Andacht dazu in sich zu erwecken, verwandte somit eine weit längere Zeit darauf, fügte neue, den Verhältnissen entsprechende Gebete hinzu und schied die späteren unverdaulichen Gebete, die Piutim, aus. Daraus entstanden abgesonderte gottesdienstliche Versammlungen, Conventikel. Das war der Anhalt, welchen die äusserliche Orthodoxie erfasste, um gegen dieses Treiben, das, bei dem Mangel aller wissenschaftlichen Bildung und beim Hinzutreten unreiner Elemente, sich von Schwärmerei nicht fern hielt, einzuschreiten. N&tan Adler, das Haupt der Schule, fand nicht bloss in Fft. eifrige Gegner, sondern noch umsomehr an andern Orten. Als er zu einem Rabbinate in Ungarn י) berufen, dort — wohin er den damals dreizehnjährigen Moses Sofer mitnahm — alsbald sein eignes und eigenthümliches ״Minjan“ einrichtete, traten die Gegner so heftig mit Denunciationen auf, dass er, um den angedrohteü Dispositionen des Kaisers Joseph, der von dem Fanatismus der Aufklärung nicht freizusprechen ist, auszuweichen, nächtlicher Weile entfloh. In der alten, freien Reichsstadt Frankfurt hatte er es bloss mit dem Uebelwollen des patricisehen, orthodox conservativen Vorstandes und der Partei des Gegenhauptes — Katan Maas — zu thun. In der Gemeinde selbst fand er Anhang genug und jeden- *•) Mant. Archiv, filga 4, N.42,43. י) [Boskowitz in Mährenי vgl. Ben-Chan. d. J. S. 108. Sf.]