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Hebraeische Bibliographie · 1862-05-01 · No. 27 Mai-Juni · p. [Seite]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band V. 1862
Issue
No. 27 Mai-Juni
Date
1862-05-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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falls Hochachtung, und der berühmte Rabbiner .Pinchas Hurwitz stellte sich über die Parteien und beschützte ihn so weit, dass er nicht die Hand bot zu seiner Verfolgung, wenn er sich auch der herrschenden Gegenpartei nicht entgegenstellte. Häufiges Fasten, wie.Askese überhaupt, gehörte natürlich zur Consequenz dieser Richtung, während manche bloss äusserliche Ceremonie weniger geachtet wnrde. Ahnungen, Träume fanden hingegen Beachtung, und deren böse Androhung zu beseitigen, sollte wieder Fasten, Busse, Almosen angewendet werden. Das machten sich die unnützen Subjecte, die sich einer solchen Richtung leicht anschliessen, zu nutze, und darin zeichnete sich Moses Höllischau aus. Wie er einen jungen reichen Mann, Elasar *Speier, mit solchen angeblichen Träumen quälte, deren schreckhafte Drohungen dem ängstlichen Manne einen frühzeitigen Tod bereiteten, ist eben der Inhalt jenes Schriftchens י מעשה העחועים dessen Vf. ein aufgeklärter, an dem Geiste der ״Meassefim“ genährter junger Mann, Lob Wetzlar, war, den ich als würdigen Greis noch kannte. Natürlich war die Aufklärung im Bunde gegen diesen Chassidismus, der nicht minder wissensscheü war als die Orthodoxie. Man beschäftigte sich gern auf Seiten des Chass. etwas mit hebräischer Grammatik, um den tieferen Sinn der Gebete richtiger zu erfassen, aber in deren eifrigem Studium witterte man aufklärerische Tendenzen, die man verabscheute. Der Sohn Natan Adlgr’s —1 eine abschreckende Frucht geistiger Impotenz — erzählte im Namen seines Vaters, dieser habe erklärt, man dürfe ״Dikduk״ bis zu den Zeitwörtern treiben (wohl einschliesslich), drüber hinaus sei es Ketzerei (.(אפיקורסות ״Sein Dajjan Leser״ war mein Grossvater Lazarus Wallau, der im J. 1821 im Alter von 79 Jahren als ״Rosch Jeschibah“ in Fft. starb. Die practische Askese stand ihm sein Leben lang sehr hoch, die genaue, gemüthansprechende Erfüllung der Satzungen beschäftigte ihn mehr als scharfsinniger Pilpul, aber die Zeit war längst über die chassidische Schwärmerei hinweggegangen,. als Dajjan gehörte er in das Gemeindeleben. Doch hörte ich von so mancher Scene zwischen ihm und meinem Vater sprechen, der, ein gerader, einfacher Lamdan, seines Schwiegervaters' Scrupulositäten geringschätzig behandelte, was zu manchem kleinen Familienstreite Veranlassung gab. Bestimmtes weiss ich freilich nicht anzugeben. Nur einzelne Züge, die aber mehr die rein menschliche und tolerante Seite dieses Pietismus bezeichnen, sind mir bekannt. Ein jedes, auch fernverwandte Familienglied ward als קרוב willkommen geheissen, Fluchen und Schwören, in der damaligen ungebildeten Zeit nicht selten, durfte nie Vorkommen; als meinem Grossvater einst ein Kind gefährlich erkrankt war, ging er selbst am Freitag Abend mit brennender Kerze über die Strasse, was zwar streng thalmudisch ist (vgl. Maimonides, Schabbath 2,3, Tur u. Schulchan aruch Orach Chajjim 328,12), dennoch von der Orthodoxie möglichst gemieden wird (vgl. Isserles). In Betreff des Verbotes, an Ostern den gewöhnlichen Zucker zu gebrauchen, empfahl er seinen Töchtern, bei einem Colonialwaaren-Händler, der kein Mehl verkaufte, einfach ihren Zuckerbedarf für Ostern zu entnehmen, ohne sich an eine angeblich österliche Zubereitung zu kehren. Als meine Mutter heirathete (1787), war es in Fft. Sitte, den Bräuten eine mächtige drückende Kopfbedeckung über den Schleier zu stülpen; voll Entrüstung sprang mein Grossvater hinzu und riss dieselbe ihr vom Kopfe zum grossen Befremden des jenen Gebrauch als heilig achtenden Publikums. Als er selbst eine zweite Ehe einging, kam er am Freitag Abende vor der Hochzeit zum ersten Male zu seiner Braut, um ihr ein übliches Geschenk zu überreichen; da liess er sich von zwei ״Bachurim“ begleiten, rückwärts trat er zu seiner Braut hinein, indem er die Frage nochmals wiederholte: Bin ich bei ihr? In dieser sittlichen Strenge und in dem Versuche, die Ceremonien zu vergeistigen, erschien dieser Pietismus bei deji thalmudisch Gelehrten;, der Tross hielt sich an die Askese lind die schwärmerische Aussenseite. Zu diesem Tross gehörte auch Lob Emmerich. In Verbindung mit Moses Höllischau hatte er sich bereits bei dem Spuke mit den Träumen bemerklich gemacht; er blieb auch später der renommirteste Asket. Er war der gesuchteste Mohel, der weit und breit diese Mizwah zu vollziehen aufgefordert und bereit war, ohne Kosten und Mühe zu scheuen, und so ritt er nach Dörfern und Städten in der Umgegend auf einem Eselein, um das verdienstliche Werk zu üben. Dieser freiwillig übernommene Beruf erleichterte ihm eine andere übernommene, und zwar eine fast unglaubliche asketische Uebung. Er fastete nämlich

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