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Der Mohr des Kapitalismus hatte seine Arbeit im vorkriegszeitlichen Deutschland schier vollbracht; heute ist er fast so klug wie etwa anno 1850. In Palästina hat er mit der Arbeit kaum erst begonnen. Soll er schon gehen? Die Vertreter einer ganz auf die graue Theorie zugeschnittenen Sozialisierungsforderung haben sich olfenbar noch nicht die Frage gestellt, wie diese Forderung in Palästina zu verwirklichen wäre. … Die Vergesellschaftung dieses Landbesitzes und dessen Enteignung würde auf gewisse nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten stoßen — Großbritannien, dessen Recht, in Palästina gilt, wird für derartige bolschewistische Liebhabereien schwerlich etwas übrig haben —, die durch keinen Machtspruch zu überwinden sein werden.
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Grundlage des Individualbesitzes, wie sie überall und auch in Palästina mit Erfolg versucht worden ist. Verschuldung' und Spekulation sind durch wesentlich einfache Maßnahmen hintangehalten.) … Unter britischer Plagge gedeiht die radikale Sozialreform Neuseelands,- aber nie und nimmer ein bolschewistisches Palästina.
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Welche Grenze immer auf der Karte gezeichnet wäre -— und ich'hoffe und glaube, dass es eine gute Grenzlinie wird, — wir müssen annehmen, dass das jüdische Heimatland sich schliesslich; bis an den Rand der Wüste ausdehnen wird, d. h. das neue Palästina wird in den verschiedenen, von mir erwähnten Hinsichten ein modernes Palästina sein, sehr verschieden von dem Palästina Davids oder dem der Makkabäer oder dem, das die Juden nach dem Fall Jerusalems verliesserr. ... — Wir wollen uns jetzt ein jüdisches Heimatland sichern, aber ungleich den Briten hatten wir unsere Dominions, ehe wir unser Heimatland hatten.
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konventioneilen akademischen Begriffen erzogen, den palästinensischen Bedingungen, wie mir scheint, nichft; angepasst, kommen sie mit ihrer Bestimmung als Bürger und Erbauer eines jüdischen Palästina nicht so bewusst vor, als ich sie erwartet habe. Das Gymnasium in Jaffa gleicht meinem- Dafürhalten nach mehr der hebräischen Abart einer europäischen Institution als einer wirklichen Erziehungs- und Pflegestätte für die kommende Generation von Palästinensern. … Aber solcher Art war der Eindruck, den ich mit fortnahrn. — Die endgültige Lösung des jüdisch-palästinensischen Problems kann nicht einfach in der Ausbreitung des Hebräischen gefunden werden. Das Gefühl der Hingebung an Palästina und der Bereitschaft, um Palästinas willen Pionierarbeit 'zu tun, ist das weit wichtigere. Das echteste jüdische Leben haben wir nicht in Tel-Awiw oder in den Städten gefunden, sondern in den Kolonien, In den Kolonien begegnet man Männern, von denen man auf den ersten Blick sa^t: da ist ein Jude, der in seinem Landef und für ves lebt, es liebt und sich eins mit ihm fühlt.
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Papst, Judentum, Palästina 725 diese Fäden um einen vermehren. Zwei Zentren jüdischen Lebens also, Palästina und Polen, sind durch den Vatikan beeinflußbar, und Frankreich wird nicht zögern, diese Wirkung gegen jene jüdischen Bestrebungen zu wenden, die gegen Assimilation und für die Bewahrung jüdischen Eigenlebens wirken.
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Arnold Zweig: Papst, Judentum, Palästina 723 ARNOLD ZWEIG / PAPST, JUDENTUM, PALÄSTINA*) Es ist bekannt, daß die Lage der Christen in Palästina sich nicht nur nicht gebessert, sondern verschlechtert hat, und das infolge der neuen Einrichtungen, die als Ziel haben .... die Christen aus den Stellungen, die sie bis jetzt eingenommen haben, zu vertreiben und sie durch die Juden zu ersetzen."
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Papst, Judentum, Palästina 727 Papst auch die menschlich irrenkönnenden Seiten seines Wesens in Erlässen oder Reden wie der, die diesen Aufsatz anregte.
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Wir sind letzten Endes solidarisch mit j eder die Erdbewohner versittlichenden Kraft; wirkt sie ohne Nebenmotive rein, so muß sie mit uns parallel gehen. ARJEH TARTAKOWER / BODENFRAGE UND BODENPOLITIK IN PALÄSTINA Man kann ruhig behaupten, daß die Bodenfrage die zentrale Frage des palästinensischen Wirtschaftslebens der Gegenwart ist. Solange nicht diese Frage, die sich insbesondre im Lauf des letzten Jahrhunderts in unheilvollster Weise verwirrt hat, einer halbwegs befriedigenden Lösung entgegengeführt wird, kann von einer gesunden Entwicklung Palästinas keine Rede sein. Das' Land Palästina tritt in die neue Phase des wirtschaftlichen und politischen Lebens mit der Last einer Bodenfrage, wie sie an Schwere und Kompliziertheit wohl wenige Länder bisher zu tragen hatten.
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; daß sie nicht berücksichtigen, daß „nur einer von Hundert aus der ganzen großen jüdischen Masse sich in Palästina ansiedeln kann, während 99 Prozent hier bleiben werden", — damals antwortete ich auf diesen Einwand, daß der Autor deshalb im Irrtum sei, weil er zwei Begriffe miteinander verwechsle: das jüdische Volk und die Juden, jene allgemeinen Interessen, die in Wahrheit allgemeines Bedürfnis der Gesamtheit als solcher sind, und solche allgemeine Interessen, die nur deshalb so genannt werden, weil sie Interessen vieler Einzelmenschen, jedes einzelnen für sich, sind: und hätte er diese Begriffe gebührlich auseinander gehalten, so hätte er selbst erkannt, daß die Zionsfreunde, deren Ziel ausschließlich die Interessen der Gesamtheit bilden, doch nur gleich ihren Brüdern Einzelmenschen sind in allem, was die Einzelbedürfnisse der Individuen der Gesamtheit betrifft; denn auf jenen einen von hundert konzentrieren sich unsere Wünsche und in ihm finden wir die Antwort auf die Daseinsfrage der Gesamtheit, ohne Rücksicht auf die 99 Prozent der jüdischen Volksmasse, d. h. auf die Masse vieler Einzelner, die hier bleiben werden. … Die ausgewählten Abschnitte sind den beiden Aufsätzen »Wahrheit aus Palästina*' entnommen, die 1891 und 1893 erschienen sind, sowie verschiedenen Ergänzungen dazu, aus den gleichen Jahren und dem Jahre 1894.
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258 Achad Haam: Darum hatte ich auch, sowohl als ich nach Palästina reiste wie auf meiner Rückkehr von dort, bei der Abfassung der „Wahrheit" diesen Gedanken stets als Richtschnur vor Augen, nach der ich urteilte. … Denn nur von solchen Menschen darf man erhoffen, daß sie sich physischer Arbeit auf dem Boden ihrer Väter mit Ernst und Eifer widmen und ein einfaches, gesundes Leben führen werden: und nur zu ihnen können wir das Vertrauen haben, daß sie, die in Palästina eine Antwort auf die Brot-
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Wahrheit aus Palästina 259 frage suchen, in stiller Geduld Arbeit und Mühsal auf sich nehmen und trotz aller Hindernisse mutig ihren einmal gewählten Weg weitergehen werden, bis sie durch redliche und nützliche Arbeit im Schweiße ihres Angesichtes, die sie zu einem Muster für das ganze Volk machen und ihnen auch die Herzen der Landesbewohner gewinnen wird, eine befriedigende Antwort auf ihre Frage gefunden haben. Anders, wenn nach Palästina „ein bunter Haufe unbemittelter Auswanderer und Glücksjäger kommt, die da ihr Brot durch welche Arbeit immer zu finden oder aus bloßen Einkünften reich zu werden hoffen, wie sie es in der Diaspora gewohnt waren".
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26o Achad Haam: sie aufzuhalten vennöchten — sondern an des Volkes Führer und Leiter, seine Schriftsteller und Berater aller Art, die es auf Palästina hinweisen und bemüht sind, dort einen Haufen von Steinen zusammenzutragen, ohne zwischen ganzen und zerbrochenen zu unterscheiden, ohne Ordnung und Einheitlichkeit und ohne festen Plan. * * * Bei Gott! … Nach ihnen betrachte ich die Siedlung „als eine Bewegung zur Belebung der Nation im geistigen, aber nicht im materiellen Sinne"; ich wolle in Palästina „Männer" ansiedeln, „die seine Frucht nicht zu essen und seinen Ertrag nicht zu genießen brauchen"; mit erstaunlicher Naivität belehren sie mich über den Lauf der Welt, wonach „in der Welt der Praxis* * der Mensch ohne Speise und Trank nicht auskommen kann, weshalb auch die Kolonisten in Palästina das Recht haben, dort eine Antwort auf die Nahrungsfrage zu suchen.
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Wahrheit aus Palästina werden, die nur irgendein Palliativmittel für die Krankheit von heute suchen, ohne um das Morgen besorgt zu sein. . .. Die schlimmen Ereignisse in unserem Leben haben die Herzen stumpf gemacht und das Denken verwirrt, so daß wir geneigt sind, den Wald vor Bäumen nicht zu sehen, unser ewiges Daseinsproblem vor dem der Stunde zu vergessen; und gar bald werden wir aufhören, uns mit „Philosophie" zu beschäftigen, d. h. in der Zionsliebe „eine radikale und ewige Antwort auf die Frage des Judentums" in ferner Zukunft zu sehen, und werden nur ein wohltätiger „Verein" sein wie alle anderen, deren ausschließlicher Zweck es ist, eine gewisse Anzahl armer Juden an irgendeinen fürdenAugenblick sicheren Ort zu bringen. Nur daß wir dabei Palästina den Vorzug geben werden, weil wir dort eine schöne „Vergangenheit", teure Gräber besitzen .. .. Ist dem aber so, so besteht ja wieder meine Frage zu Recht, die vor acht Monaten gestellt wurde: wenn auch die „Zionsliebe" nur eine partielle Antwort auf die Gesamtfrage der Auswanderung ist, welches Recht haben wir dann, sie zur obersten Hauptfrage zu machen, zum Schibboleth des nationalen Judentums, wo doch nur einer von hundert nach Palästina wird gehen können, um sich dort anzusiedeln?
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Wahrheit aus Palästina 263 unserem Wege sind; und wenn „alle Juden Zionsfreunde" sind, wenn in ihren Herzen jenes wahre Sehnen lebt, dann wird als seine Folge auch das Vertrauen zu ihrer Kraft sich einstellen und allem zum Trotz werden sie den Mut haben, vorwärtszuschreiten, die Hindernisse zu überwinden, und endlich — so wollen wir hoffen — durch die Kraft dieses Vertrauens ihre Sache zum Gelingen zu führen. … Solange aber die Sachkundigen nicht in die Schlacht ziehen und die in den Kampf Ziehenden nicht Sachkundige sind, haben wir kein Recht, uns auf die Macht des Vertrauens zu verlassen, weil dieses Vertrauen in Wahrheit sich nur in der Brust jener Sachkundigen finden kann, während die Einwandernden selbst (mit sehr geringen Ausnahmen) kein wahres Sehnen nach dem eigentlichen Zweck im Herzen tragen, sondern nur nach jenem materiellen Glück verlangen, das sie in Palästina auf leichte Art zu erreichen hoffen. Ihre Zuversicht ist mithin ein „Irrtum auf Grund der Unkenntnis",, und darum hat sie zumeist auch nur so lange Bestand wie der Irrtum, d. h. so lange, bis sie nach Palästina kommen und dort auf die nackte „Wahrheit" stoßen.
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Wahrheit aus Palästina 265 Noch hätte ich manches betreffs der Erziehungsfrage, d. h. betreffs der Frage des Hebräischsprechens in den palästinensischen Schulen zu antworten, aber ich muß gestehen, daß ich hier in Wahrheit aus verschiedenen Anzeichen die Spuren jenes „inneren Sehnens** erkenne, das zum Vertrauen führt. … In Wirklichkeit ist dem aber nicht so. Es gibt in Palästina zwei Arten von Schulen. Jene, die von unseren Brüdern im Westen noch vor dem Erwachen der nationalen Bewegung gegründet wurden, und jene, die später (besonders in den Kolonien) infolge dieser Bewegung entstanden.