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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 728

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Papst, Judentum, Palästina
Date
1921-01-01
Page
728 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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728 Arjeh Tartakower: Sozialismus am nächsten, der vom Geiste her und mit demokratischer Gesinnung die Neuordnung des Wirtschaftslebens anzufangen sich bestrebt- An ihn sich wenden, ihm die Lage und die Tendenzen der östlichen Judenheit und der zionistisch-sozialistischen Gruppen darzulegen, und durch ihn eine gerechte und sachliche Haltung des Vatikans anbahnen: der Versuch hätte Sinn und verspräche Ergebnisse. Man betraue Martin Buber, der Italien gut kennt und die Sprache des Landes frei spricht, mit dieser Mission. Wir sind keine „Politiker".- Wir haben unsere Sympathien nicht nach praktischen Gesichtspunkten. Wir paktieren nicht mit dem Protestantismus um Englands und nicht mit dem Vatikan um seines polnisch-orieritalen Einflusses willen. Er wie wir sind geistige Kräfte, prinzipiell eingestellt, aus zentralem Müssen heraus handelnd und frei von kaufmännischer Moral* Indem wir tun, was wir aus Überzeugungen müssen, lassen wir jedermann unsere Motive sehen, ja wir bringen sie der Öffentlichkeit so nah als möglich: weil wir von der Reinheit und Unbestreitbarkeit unserer Sache erfüllt sind und keine sachliche Kritik — sachliche, nicht apriori antisemitisch gefärbte — scheuen. Wir sind letzten Endes solidarisch mit j eder die Erdbewohner versittlichenden Kraft; wirkt sie ohne Nebenmotive rein, so muß sie mit uns parallel gehen. ARJEH TARTAKOWER / BODENFRAGE UND BODENPOLITIK IN PALÄSTINA Man kann ruhig behaupten, daß die Bodenfrage die zentrale Frage des palästinensischen Wirtschaftslebens der Gegenwart ist. Solange nicht diese Frage, die sich insbesondre im Lauf des letzten Jahrhunderts in unheilvollster Weise verwirrt hat, einer halbwegs befriedigenden Lösung entgegengeführt wird, kann von einer gesunden Entwicklung Palästinas keine Rede sein. Das' Land Palästina tritt in die neue Phase des wirtschaftlichen und politischen Lebens mit der Last einer Bodenfrage, wie sie an Schwere und Kompliziertheit wohl wenige Länder bisher zu tragen hatten. Hier den Dingen freien Lauf lassen, hieße so viel, wie mit offenen Augen ins Verderben rennen. Dämmerte schon diese Erkenntnis in vielen Köpfen vor mehreren Jahren noch zur Zeit der türkischen Herrschaft, so ringt sie sich jetzt, wo sich unter der englischen Mandatarverwaltung das Wirtschaftsleben erst recht zu entwickeln beginnt, immer gewaltiger durch. Die wenigen Verordnungen, die bisher von der Landesregierung, in Bezug auf die Bodenverhältnisse erlassen worden sind und ihre Bodenpolitik inaugurieren, lassen es als wahrscheinlich erscheinen, daß sie sich der ganzen Schwere der Frage bewußt geworden ist. Allerdings sind sie bei weitem nicht geeignet, irgendwelche entscheidende Besserung herbeizuführen. Die Verwaltung stand bisher auf dem^für orientalische Verhältnisse gewiß richtigen Standpunkt, daß das zu viel Regieren in den ersten Jahren eher schädlich als

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