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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 727

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Papst, Judentum, Palästina
Date
1921-01-01
Page
727 (sequence 5)
Language
German
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Papst, Judentum, Palästina 727 Papst auch die menschlich irrenkönnenden Seiten seines Wesens in Erlässen oder Reden wie der, die diesen Aufsatz anregte. Als Juden sagen wir nun: dem Katholizismus gegenüber bleiben wir fremd und ab gewandt, ohne seine erziehende und caritative Kraft zu leugnen oder zu stören. Mit Gelächter aber verfolgen wir die grotesken Apologeten der Messe unter den jüdischen Literaten, die sich katholisierend drapieren ohne die Kraft zur Konversion zu finden, und nicht ohne Unwillen verlieren wir begabte Juden an eine Geistigkeit, die dem Judentum feindlich ist ohne es auch nur zu kennen. Das Karfreitagsgebet „pro perfidis Judaeis" erwidern wir — wir, physisch überall die Schwächeren einer so weltlich mächtigen Kirche gegenüber — mit dem grimmigen Erinnern an Inquisition und Kreuzfahrermetzeleien (die ein Chesterton erst jüngst in London „geistreich" belobte), Judenverbrennungen und Austreibungen, Ächtung und Schändung, Verachtung und Beunruhigung, die unseren Vätern von Bekennern des Katholizismus angetan wurden und unsern Brüdern im Osten noch heute angetan werden — aber wir geben zu, daß hier eingeborene Totschlagsfreude und allgemeiner Irrtum des weißen Tiermenschen die zu schwache Reinigungskraft der Religion kreuzen. kDen klerikalen Parteien wissen wir Dank, wenn sie, wie in Deutschland, der antisemitischen Tollheit sich entziehen, und wir versuchen, sie, als geistig fundierte Organisationen, mit geistigen Mitteln zur Neutralität zu bewegen, gegenüber Bestrebungen des jüdischen Volkes, am Leben zu bleiben. . Als Künstler, Philosophen und Gelehrte stehen wir ihnen im Kampfe um die Autonomie des Geistes loyal und legitim gegenüber; gegen den Trieb zum Verdienen, Fressen und sich Amüsieren haben sie uns zum Bundesgenossen, sofern sie nicht etwa nationalistisch eingefettet behaupten, gerade die Juden seien dieses Triebes Baalspriester und Anbeter. Den Vatikan aber müssen wir belehren, daß es ein jüdisches Elend ohnegleichen gibt, daß Christentum und ukrainische Schlächtergreuel, ungarische Foltertode, polnische Nationalitätenpolitik sich nicht vertragen, daß der jüdische Osten menschliche Werte und religiösnationalen Heroismus weit über europäische Vorstellungen hinaus jeden Tag bewährt, daß die Heiligkeit des Heiligen Landes, unseres heiligen und gelobten Landes, nicht darin beruht, daß der Türke es zur Wüste machte und der Effendi seine Rente daraus bezieht; daß1 der Papst zu diesem Lande gar keine Beziehungen hätte, wären nicht die Stifter und Bekenner des Urchristentums in diesem Lande als jüdische Menschen geboren worden, und daß die Verheißung, Gott werde die Juden in das Land zurückführen, welches er ihnen gab — und das nur er, kein arabischer oder französischer Christ ihnen bestreiten kann — nicht nur in der Vulgata gedruckt, sondern ins Hefz der jüdischen Juden als brennende Wirklichkeit eingeschrieben ist, zugleich mit der Gewißheit, Gott tue seine Taten durch Menschen und belasse den Menschen ihre eigensüchtiger! oder blinden Motive zu seinem Zwecke — denn er ist gütig auch gegen1 die Irrenden. Von allen katholischen Gruppen steht uns der radikale katholische

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