Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 12 (9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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No. 12 September 1937 jüdisches gemeindeblatt für Frankfurt Seite 9 Ein Gang durch die Sammlung Siegmund Nauheim von Dr. Guido Schönberger Die Ausstellung der Sammlung Nauheim im Museum jüdischer Altertümer ist sehr absichtsvoll in den Arbeitsplan der G es ellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler eingereiht. Mit Ueberlegung wurde ein nicht zu grosser Kaum gewählt, um die Sammlung in ihrer Fülle und Geschlossenheit zur Wirkung kommen zu lassen und um — bei der Eaumnot des Museums — möglichst wenig von den anderen Beständen zeitweise magazinieren zu müssen, damit gerade auch diese als Vergleichsmaterial herangezogen werden können. Darauf vor allem kommt es nämlich an: die reichen Bestände der Sammlung Nauheim, nach zusammengehörigen Gruppen aufgeteilt, den Besuchern vor Augen zu stellen, allen die Möglichkeit zu geben, selbst zu sehen, selbst zu vergleichen, selbst mitzuarbeiten an den vielen Problemen, die die jüdischen Kultdenkmäler noch bieten. Denn für grosse Gebiete hat die systematische Bearbeitung erst angefangen. (Auf Wichtige Vorarbeiten von Frauberger, in den „Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler", von Toeplitz in den „Notizblättern der Gesellschaft" Nr. 19—22 und von Eudolf Hallo, Notizblätter 23, 24 sei ausdrücklich hingewiesen. I. Die Chanukkahlampen An Zahl und Fülle der Formen übertrifft in der Sammlung Nauheim die Chanukkahmenorah alle anderen Gebiete. Sie prägt das Gesicht der Sammlung. 3 grössere Gruppen erweisen sich durch Material und Form als zusammengehörig: 1. Die südliche, italienische Gruppe (Rückwand linke Hälfte). Die Lampen dieser Gruppe sind, bis auf wenige Ausnahmen, in einer hellen Bronce gegossen. Es sind Wandmenoroth zum Aufhängen. Sie haben wagrechtliegende Lampenstege, mit acht meist halbkugelig vertieften Oelpfannen mit langen Schnauzen, die Stege sind an eine Rückwand angelötet oder in die Rückwand verzapft. Der Schames ist oben in der Mitte, öfters oben seitlich angebracht. Die Rückwände, in der Grundform dreieckig, rechteckig oder auch bogig begrenzt, zeigen Spätrenaissanceornament in durchbrochener Arbeit: Vasen und Füllhörner, Ranken und Blüten, Löwen, Delphine, Seepferde, Tritone, Sphinxe, Putten und Masken, die sich in der Art der Grotesken von einem Mittelmotiv aus symmetrisch nach rechts und links ausbreiten. Man kann zeigen, daß mehrere Stücke nach der gleichen Vorlage gearbeitet oder aus der gleichen Form gegossen sind, nur in der Art der Ueberarbeitung und Ausstaffierung leicht verändert. So ist z. B. die Lampe mit den,Tri tonen und den grossen Füllhörnern zweimal vorhanden; bei dem einen Exemplar aber ist (abgesehen von einer nicht zugehörigen Lampenreihe aus grossen Oelkrügen) rechts und links je eine weibliche Figur zugefügt, die ursprünglich wohl als Schameshalter dlente.Ebenso stammen die beiden Lampen mit den hornblasenden Putt e n aus der gleichen Form. Ausser der etwas veränderten Gestaltung des angesetzten Spitzenstücks unterscheidet sich die eine von der anderen durch die Zufügung einer Kriegerfigur mit Schild und (jetzt fehlenden) Lanze. Bei ihr hat sich als grosse Seltenheit die senkrechte Hängeleiste für die Lampenreihe erhalten, die formal einen guten Abschluß gibt und technisch den Zweck hat, die Dochte in gleichmässiger Lage zu fixieren. Diese Leiste ist mit flachen Reliefdarstellungen antiker Szenen, Orpheus unter den Tieren, Faune im Wald, geziert. Zugehörige Stücke aus den gleichen Formen finden sich aber auch noch in anderen Sammlungen, so die Lampe mit den Tritonen im Museo Civico in Turin, andere im Bezalel-Museum in Jerusalem. Fast alle lassen eine nachträgliche feinere Ueberarbeitung und Durchziselierung vermissen. Sie werden den Formen nach häufig als 16. Jahrhundert bezeichnet. Aber keine von ihnen ist so früh entstanden. Sie sind, vielleicht unter Benutzung alter Formen, im 17., 18., vor allem aber noch im 19. Jahrhundert in italienischen, vermutlich vorzugsweise in venetianischen Werkstätten gegossen worden. Die. wirklich alten Vorbilder aufzufinden (wenn es sie noch gibt), ist noch eine wichtige Aufgabe. Ein gesichert altes Stück ist bis jetzt nirgends yeröffentlicht. Ikonographisch herrscht bei diesen Lampen das profane Element vor. Jüdisch zu deuten, sind die häufig vorkommenden Löwen, die z. B. bei einer ebenfalls in mehreren Exemplaren erhaltenen Lampe über der Inschrift: „Ki ner mizwoh wetauroh aur" rechts und links von einem brennenden Oelkrug angeordnet sind. Bei einer Lampe erscheint als Bekrönung Judith mit dem Haupt des Holofernes (in mehreren Exemplaren bekannt) und die erwähnte Kriegerfigur mit Schild und Lanze kann als Judas Makkabäus erklärt werden. Häufiger sind die Stücke mit Besitzer-Wappen oder Initialen ausgestattet. Dabei findet sich, vermutlich in zweiter Verwendung, ein gekröntes Spiegelmonogramm und eine besonders schöne Kartusche mit einem Kardinalswappen. 2. Die westliche, flämisch-holländische Gruppe > (Rückwand rechte Seite) Die Lampen sind durchweg aus Messingblech mit getriebenem Ornament. Es sind Wandlampen, die aber durch eine breite flache Untersatzschale unter den Lampenstegen auch als Standlampen verwendet werden können. Die wagrccliten Lampenstege sind getrieben oder gegossen, die acht Oelpfannen, im Gegensatz zu den italienischen, meist oval mit kürzeren Schnauzen, Die Gruppe unterteilt sich in eine einfachere, die meist nur Herz oder Rundbuckel als Verzierung der Rückwände hat und durch ein wichtiges, 1693 datiertes Stück auf die Zeit um 1700 festgelegt ist. Die andere, reicher ausgestattet, ordnet die Rund- und Herzbuckel als Mittelpunkte von gravierten und punzierten Blüten oder Fruchtzweigen an, die symmetrisch ausgebreitet die Rückwand, gelegentlich auch die Seitenwangen bilden. Könnte die einfachere Gruppe deutsch sein, so ist die zweite in der Art ihrer Arbeit and Ornamentik flämischen oder h o 11 ä n d i s c h e n getriebenen Messingschüsseln oder Wandblakern verwandt. Eine Entstehung in diesem Werkstattkreis scheint wahrscheinlich. Die Bezeichnung „Palästinensisch" oder „Marrokanisch", die die Lampen dieses Typs im Bezalel-Museum führen, kann sich nur auf den Erwerbsort beziehen, nicht auf den Ursprungsort. Das Ornament dieser Gruppe ist meist rein schmückend verwendet, nur einmal findet sich ein siebenarmiger Leuchter im Felde der Rückwand. 3. Die östliche, polnische und böhmische Gruppe (MittelVitrine unten) Das Material ist vorwiegend Gelbguss. Es sind teils Wand-, JUWELEN GOLD SILBER UHREN BESTEC KE echfSilberundv"»pert rwn - Geschenke von bleibendem Wert An- und Verkauf aus Privatbeiitj _ GB 11/19301 POSEN* DOSEN SILBERSCHMIEDE H KAISERSTRASSE 5 --NÄCHST ROSSMARKT - '^Hr': - — QH