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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-09-01 · 12 (9.1937) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
12 (9.1937)
Date
1937-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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_ääü_ No. 12 September 1937 jüdisches gemeindeblatt für Frankfurt Seite 7 reit, der zwar geneigt ist, die eigene Politik durch ethische Erwägungen ' zu kontrollieren, aber nicht geneigt ist, wie es bei einer Persönlichkeit, wie Dr. Magnes der Fall zu sein scheint, Politik durch Ethik schlechthin zu ersetzen. Seine Darlegungen, mutig und rethorisch wirkungsvoll, bereit zur UnVolkstümlichkeit, fanden stärksten Widerspruch seiner Freunde und seiner Gegner. Sie trafen zugleich auf das Bedauern derjenigen, die den Wert einer Gruppe, die speziell Friedensmöglichkeiten zwischen Juden und Arabern untersucht, anerkennen würde, wenn diese Gruppe nicht zu erkennen gäbe, daß sie geneigt ist, den politischen Charakter unserer Bewegung faktisch aufzugeben. —- Die. weitere Streitfrage, die die Z u s a m m e n setzung der zukünftigen Exekutive betraf, wurde durch einen Kompromiß gelöst, der den Nichtzionisten verstärkten Einfluß, zugleich auch eine entsprechende Vertretung in dem politischen Beirat gewährt, der der Exekutive beigegeben wird. Es gibt auch noch andere Fragen als die politische. Diese mußte hier eine^n breiten Raum einnehmen, weil sie die entscheidende dieses Kongresses gewesen ist. Zu berichten ist, daß auch in der Krisenzeit des letzten Jahres der praktische Aufbau nicht stillstand. Es wurden neue Siedlungspunkte geschaffen, und unsere Wirtschaftspolitik hat sich bemüht, sich sozusagen nicht stören zu lassen. Selbstverständlich konnte das nur zum Teil gelingen. Im ganzen herrscht im Lande eine starke wirtschaftliche Depression, Damenhandschuhe Schweinslederart u. Nappaleder in allen Modefarben 7.90 6.90 3.90 Herrenhandschuhe naturfarbig und grau, Schweinsledsrart, A Qr] handgenäht. ...... .'-r-Z?^ HERMANNS & FROITZHEIM Das fachkundigeSpezialgeschäft ZEIL ECKE HASENGASSE die zu meistern die neue Aufgabe des jüdischen Volkes ■ ist, das in Zukunft, noch mehr als bisher, auf die Probe gestellt sein wird. Wenn einmal in unserem Kreise gesagt wurde, daß die Tatsächlichkeit dös werdenden Palästina auch die nicht der Sache zugeneigten Teile des jüdischen Volkes in die Verantwortung zwinge, so war das nie zutreffender als in diesem Augenblick, wo es sich darum handelt, unsere von außen bezeugte Staatsfähigkeit praktisch von uns aus unter Beweis zu stellen. Jüdisches Leben auf dem Land, in Zahlen gesehen (Stand vom 1. April 1937) von Lily Hirsch Fast hat die Statistik heute schon ihren Keiz verloren, da die Zielrichtung der Bevölkerungsbewegung der Juden in Deutschland unabänderlich zu sein scheint. Wozu also von Jahr zu Jahr feststellen, daß es nicht anders kam, wie vorausgesagt wurde. Oder ging es anders? Vor uns liegt eine Uebersicht über die Entwicklung der Bevölkerung eines abgegrenzten Gebiets, des Landbezirks Hessen-Nassau. Hinter den Zahlenreihen, die von 1932 bis 1937 reichen, entsteht ein Bild, wie jüdisches Leben jetzt aussieht. Eine Notiz in einer jüdischen Zeitung sagt: „Eine Synagoge wurde verkauft". Die Gemeinde wurde aufgelöst. Viele hundert Jahre jüdischen Lebens in Deutschland haben ihr Ende gefunden. In unserem Gebiet sind seit 1933 7 Gemeinden von insgesamt 139 aufgelöst worden. 5 weitere Gemeinden sind in der Auflösung begriffen. Manche schliessen sich einer grösseren Nachbargemeinde an, um mit ihr den Gottesdienst zu erhalten. Das Wort „kein Minjan" ist heute die Sorge vieler anderer, noch bestehender Gemeinden, der Zwerggemeinden. Stirbt ein Mann, zieht eine Familie weg, so ist ein gemeinsamer Gottesdienst, der Zusammenhalt jeder Gemeinde, dahin. Immer grösser wird die Zahl der Zwerggemeinden, immer geringer die Zahl von Gemeinden über 100 Mitgliedern. 1932 hatten noch 32 Gemeinden je über 100 Mitglieder, heute überschreiten nur noch 11 diese Grenze. Bad Homburg hatte 1932 400 Seelen, heute zählt es noch 149. E ö d e 1 h e i m, von dem anderwärts berichtet wurde, daß es 1845 421 Seelen zählte, ist heute auf 46 Seelen zusammengeschrumpft. Nahezu die Hälfte der jüdischen Bevölkerung ist vom Land abgewandert. Hier soll nicht untersucht werden, wer wegzog, und wohin die Einzelnen zogen. Uns interessiert die Frage: wer ist geblieben? Das Uebergewicht neigt sich von Jahr zu Jahr schneller zu den älteren Jahrgängen. Ein Viertel der noch auf dem Land Lebenden sind jetzt schon über 60 Jahre alt, die Hälfte ist über 45 Jahre. Die Anzahl der Jugendlichen unter 20 Jahren ist bereits kleiner, als die Zahl der Alten über 60 Jahre. Diese Jugendlichen sind weiter in Abwanderung begriffen. Die Schulkinder, die im letzten Jahr in Bezirksschulen zusammengefasst wurden, werden nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren, sondern in Grundlehren und Haushaltungsschulen zur Auswanderung vorbereitet werden. So ist unsere Frage: Ging es anders als vorausgesagt, dahin zu beantworten: anders nicht, aber schneller. Zwar werden noch Kinder geboren, aber mehr als zwei sind in keiner der Gemeinden im Jahr 1936 auf die Welt gekommen. In 100 Gemeinden wurden gar keine Kinder geboren, je ein Kind in 24 Gemeinden und in drei Gemeinden je zwei Kinder. Auffallend, aber auch nicht unerwartet, ist der Frauenüberschuß. Er wäre noch grösser, würden nicht alle arbeits- Festgeschenke in jeder Preislage und in großer Auswahl Parfüm erien, Seifen, Bürsten, Garnituren, Reiseartikel, Manikürs Elegante Damentaschen DR. ALBERSHEIM + KAISERSTR. 9 + TEL. 22561

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