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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-09-01 · 12 (9.1937) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
12 (9.1937)
Date
1937-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sehe 6 Jüdisches gemeindeblatt für Frankfurt No. 12 September 1937 f rv^^t^uS \! j SILiERSTEIN&Ca UMZÜGE NACH ALLEN ORTEN DER WELT VERTRETER .* PHIL. SOHN EU ßURN/TZSTR.6 FBKHK. 63751 Gunsten mit dem Hinweis arbeiten können, daß auch der Peelberich t,,die Sünden der britischen Verwaltung in Palästina feststellt; aber sie werden nach politischen Grundsätzen letzten Endes weniger Schuldfragen als Zukunftsfragen zu erörtern haben. Die entscheidende Frage ist, ob dieser Staat, der auf jeden Fall ein kleiner Staat sein wird, Grenzen hat, die zu verteidigen sind; ob er eine Bodenfläche hat, die die Möglichkeit bietet, Juden landwirtschaftlich anzusiedeln und demgemäß auch in Städten zu konzentrieren; ob das Budget dieses Staatswesens balanziert werden kann und eine gesunde Wirtschaftspolitik in ihm möglich ist. Die Jewish Agency besitzt ein Forschungsinstitut für Wirtschaftsfragen, das sich mit diesen Problemen befaßt hat und, wie wir aus zuverlässigem Munde hören, bei vorsichtigster Begutachtung zu einem positiven Ergebnis gekommen ist. Dem Kongreß und dem Council standen außer diesen Gutachten Dr. Artur Ruppins und Elieser Kaplans auch die Meinungsäußerung Moses Smilanskis. eines hervorragenden Kenners der palästinensischen Wirtschaft, der Bodenverhältnisse des Landes, aber auch der arabischen Frage zur Verfügung. Er wies darauf hin, daß das nach dem Peelbericht angebotene kleine Gebiet faktisch das bedeutsamste und maßgebliche des Landes ist. Ob man sich seinem Optimismus hinsichtlich der Fassungskraft dieses Gebietes anschließen soll, ist fraglich, was in diesem Zusammenhang nicht pessimistisch klingen soll. Immerhin: wenn es nicht, wie er meint, drei Millionen Menschen sein werden, sondern bloß, wie andere sagen, zwei Millionen, so wird man zugestehen müssen, daß selbst das ein erheblicher Beitrag zur Lösung der materiellen Judenfrage sein kann. Zu beachten ist auch, — und das sei objektiv dargestellt — daß für viele, die sich in der Resolutionsfrage zu einem J a entschlossen, die Ueberzeugung maßgeblich war, daß die Verständigung mit den Arabern, wenn sie durch die Staatsgründung vor eine vollendete Tatsache gestellt seien, sich leichter anbahnen und hinsichtlich der Ausdehnung unserer Kolonisation ganz neue Perspektiven eröffnen könne. Wir haben das, was sich positiv zu der gegebenen Fragestellung sagen läßt, objektiv zusammengefaßt, zumal sich leicht eine Situation ergeben kann, daß auch die, die anderer Meinung sind, sich vor eine Situation gestellt sehen können, die nur mit der Entschlossenheit, das Beste aus ihr zu machen, zu meistern ist. „Ja" und „Nein" 'Tch bin "\ als Devisenberater für jüd. Auswanderer zugelassen. Dr. jur. JOSEPH CAHN v Landgerichtsrat i. R. Kaisersfrasse 54 Tel. 32302^ sind keine erschöpfende Darstellung der Meinungsverschiedenheit auf diesem Kongreß. Es gibt zwischen diesen abgegrundeten Begriffen Nuancen verschiedener Art, manchen war der Zauber des Judenstaats-Gedankens vorherrschend innerhalb ihrer Meinungsbildung, andere, die in politischer Berechnung der Situation überzeugt sind, daß dies der einzige Ausweg aus einer schweren Lage ist, und daß man hoffen muß, daß eine neue Situation ein geneigteres Ohr für den Best unserer berechtigten Wünsche haben wird. So hat bei diesem Ja, das gemäß dem Text der Resolution so formuliert war, daß für Gewissensfreiheit weitester Spielraum gelassen wurde, eine ganze Variation von Motiven eine Rolle gespielt, wie ja auch das Nein mit revisionistischen Vorstellungen oder dem Wunsche begründet war, das ganze Land der Verheißung zu bekommen, oder aber noch anderen Auffassungen, wie sie etwa im Kreise des Haschomer Hazair üblich sind, der eine Verständigung von Volk zu Volk erträumt mit der politischen Zielsetzung der Schaffung eines bi-nationalen Staates. Diese Zielsetzung haben viele andere Zionisten in irgend einer Modifikation geteilt und hätten gewünscht, daß der Weg unserer Politik diesem Ziele zustrebte. Daß es nicht der Fall war, lag nicht nur an uns, sondern zum wesentlichen Teil an der Intransingenz der anderen Seite, die gewohnt ist, mit Feuer und Schwert totalitäre Zielsetzungen durchzusetzen. Der Kongreß, der eine schwere Entscheidung zu fällen hatte, hat die letzte Entscheidung dem nächsten Kongreß und dem kommenden Council vorbehalten. Die Grundlage der neuen Entscheidung kann nicht das Projekt des Peelberichtes sein, sondern ein neuer Vorschlag, der die politischen, ökonomischen und gefühlsmäßigen (Jerusalem!) Notwendigkeiten des jüdischen Volkes berücksichtigt. Das neue Ja oder Nein wird von neuem eine schwere Gewissensfrage für die Delegierten des kommenden Kongresses sein. Allerdings wird jede Stellungnahme eine legitime Begründung haben müssen; Das, was Achad Haam einmal „äußere Freiheit bei innerer Knechtschaft" genannt hat, sollte im Zuge der Renaissancebewegung unserer Gemeinschaft überwunden sein. Die unbegründete Furcht, daß ein jüdisches Palästina die Galuthposition des jüdischen Volkes schädigen könne, wird die letzte Entscheidung, die wir zu fällen haben, nicht beeinflussen. Weizmann hat mit Recht darauf hingewiesen, daß in dieser Hinsicht zwischen einem Nationalheim und einem Staat kein gar so großer Unterschied besteht, und bekanntlich ist ja auch der Text der Balfourdeklaration von Einflüssen dieser Art beeinflußt worden, die in diesem entscheidendsten Augenblick unserer Geschichte nicht, noch einmal lebendig werden dürfen. — Die Tagung des Council der Jewish Agency war die bedeutsamste seit der Gründung der erweiterten Agency vor sieben Jahren. Die politische Debatte des ersten Tages zeichnete sich durch Konzentration auf das Wesentliche aus. Freilich war sie ja auch durch die übergroße Ausführlichkeit des Kongresses gut vorbereitet. Eine Bewegung, wie die zionistische, kann nur gewinnen, wenn Menschen eigener Prägung in ihr, wenn auch mit andersartiger ideologischer Begründung, hervortreten. Der Geschichtsschreiber wird einmal darüber zu entscheiden haben, ob es jenseits des Zionismus eine allgemeine Palästina-Bewegung gibt, mit gleichem Schwung und von gleicher pädagogischer Gestaltungskraft. Die innere Anteilnahme aller an der gemeinsamen Sache bereichert zweifellos die Bewegung. Alle aber werden zugestehen, daß innerhalb beider Hälftem der Agency die staatsmännische Figur ihres Präsidenten Dr. Weizmann herausragt, und daß dieser Mann, neben den Lebenstatsachen des jüdischen Palästina, die stärkste Mitgift ist, die die Zionistische Bewegung der Palästinabewegung bringt. — Weizmann trat in der politischen Debatte als Sprecher der Zionisten auf und beantwortete die Rede Felix Warburgs, der die Forderungen eines Kreises der amerikanischen Nichtzionisten vortrug, und zugleich das „Nein" dieses Kreises zur Teilungsfrage begründete. Trotzdem dieser interessanteste und wesentlichste Sprecher typisch jene Gedankengänge vortrug, von denen sich ein Zionist ideologisch abgrenzt, wäre es unrichtig, zu meinen, daß alle Nichtzionisten sich durch diese Gedanken vertreten fühlen. Dies umso mehr, als ja auch die Nichtzionisten in der Teilungsfrage genau so geteilter Meinung sind, wie alle Fraktionen der Zionistischen Organisation. Zwei Fragen waren zu entscheiden. Die politische Resolution lag zunächst zur Bestätigung vor. Sie wurde aeeeptiert mit dem Zusatz, der die Bereitwilligkeit ausdrückt, mit den Arabern neue Verhandlungen zu versuchen, mit dem Ziele, daß beide Nationen in einem ungeteilten Palästina nebeneinander leben. Die Exekutive hat Wert darauf gelegt, darzutun, daß der Gedanke ihr nicht neu ist und daß zahlreiche Versuche gemacht wurden, um mit dem Nachbarvolke zu einer Einigung zu kommen. Es fragt sich, wie man sich eine solche Einigung vorstellt. Man kann sich leicht einigen, wenn man es der arabischen Seite überlassen will, Tempo und Ausmaß unseres Aufbaues zu bestimmen. Dazu ist niemand be-

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