Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 12 (9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT No. 12 September 1937 Damen- und Herren-Wäsche Damenkleidung Strickwaren Kleiderstoffe Manufacturwaren Alles preiswert P f i mg jnntl mg <&m 4M ,ä„ oeugmann an der Bockenheimer Warle Leipzigerstrasse 14 Strumpfwaren Unterkleidung Schürzen Berufskleidung Bettwäsche Haushaltswäsche schaftliehe Arbeit, deren Möglichkeit und Ergiebigkeit nicht von vornherein sicher ist. Ueber die-Entstehung einer so fest gefügten kantoralen Tradition lässt sich Bestimmtes nicht aussagen. Die Melodien sind wohl im Laufe der Zeiten von den Vorbetern erfunden oder zusammengetragen worden. Ihre Herkunft ist dunkel, ihre Schöpfer blieben unbekannt wie die Sänger und Dichter des Volkslieds. Nachdem eine Weise aber einmal eingeführt war, wurde sie für die folgenden Generationen verbindlich, gemäß der Verfügung des unter dem Namen „Maharil" bekannten Mainzer Eabbiners Jakob Levi Mölln( um die Wende des 14. Jahrhunderts), der anordnete: „Das in einem Ort bestehende Herkommen darf nicht abgeändert werden, sogar in Bezug auf die Melodien, die man dort selbst gewöhnt ist." Der Kantor ist also beim überwiegenden Teile des Gottesdienstes nicht befugt, Aenderungen anzubringen oder andere Weisen für die überlieferten einzutauschen. Wie peinlich und gewissenhaft von einheimischen Kennern darüber gewacht wird, daß der Frankfurter „Minhag" genau eingehalten wird, davon weiß jeder Vorbeter zu erzählen, der neu hierherkam. Trotz dieser Einengung bleiben dem Kantor noch genug Gebete, in denen er sich frei „nach Belieben" entfalten kann. Ausserdem ist es immer wieder lohnend und erhebend, die ehrwürdigen Melodien mit lebendigem, gegenwärtigen Geiste zu erfüllen. Die Erhaltung der Tradition verdanken Mär der mündlichen Weitergabe kundiger „Baaletfilloh", die in der Gemeinde immer wieder vorhanden waren. Erst Fabian Ogutsch, 1883—1922 erster Kantor der Synagoge, zeichnete die Melodien schriftlich auf und bewahrte sie somit vor Entartung und Vergessenheit. Sein Manuskript wurde von J. B. Levy im Auftrage des Gemeindevorstandes überarbeitet, geordnet und dem Druck übergeben. Ein bemerkenswertes Dokument liegt hier vor, grundlegend für die kantorale Praxis und unentbehrlicher Ausgangspunkt für alle Forschungen. Ebensowenig wie die Herkunft lässt sich auch das Alter der meisten Weisen genau fixieren. Die umfassenden Forschungen Idelssohns haben vieles erhellt und wissenschaftlich exakt nachgewiesen, was bis dorthin der Vermutung oder der gefühlsmäßigen Deutung unterworfen war. Ob auf Grund von Idelssohns Veröffentlichungen dem Frankfurter Chasonus eine besondere Stellung hinsichtlich seines Alters zuzuweisen ist, vermögen wir nicht zu sagen. Für einzelne Melodien lässt sich mit einiger Berechtigung in der oben angedeuteten Weise eine zeitliche Einordnung treffen. Wie sehr man sich über das Alter einer Melodie täuschen kann, dafür bietet das „K o 1 n i d r e" ein treffendes Beispiel. Der Text wird bereits um 860 erwähnt, die Melodie ist aber erst, wie Idelssohn überzeugend nachweist, zwischen 1450— 1550 entstanden, und zwar nicht, wie man bisher vielfach annahm, im Kreise der spanischen Marannen, — die Sephardim kennen die Weise überhaupt nicht — sondern im Bezirk der südwestdeutschen Tradition. Die Tatsache, daß eine der heiligsten und verbreitetsten Gesänge in dieser Ecke der deutschen Judenheit ihre Heimat hat, wirft vielleicht auch einiges Licht auf die Bedeutung des Frankfurter Chasonus. Manches wird freilich auch von der Volksmeinung als „echt frankfurterisch" in Anspruch genommen, was keineswegs als solches zu gelten hat, So ist der bei Japhet zu findende „Boruch habbo", unter dessen Klängen ungezählte Brautpaare den Weg untet den Trauhimmel angetreten haben, laut Notiz in der. Arsten Ausgabe eine Komposition des „Herrn Hofmusikus Ph. Mosenthäl in Kassel", geschrieben zudem für einen ganz anderen Text, als ihr Japhet unterlegt hat. Wesentlich jünger als die Ueberlieferung des Chasonus ist die Tradition des Chores. Erslj mit der Uebersiedlung der konservativen Gemeinde von dem' Betsaal im „Kompostellhof" nach dem. neuerrichteten Synagogenbau am „Börneplatz", also genau vor 55 Jahren, erfolgte die Gründung eines gemischten Chores, der sich bei der Grösse des Raumes und bei den gesteigerten musikalischen Ansprüchen der Besucher als unentbehrlicher Faktor für die Ausgestaltung des Gottesdienstes erwies. Der Chor ist der Auswahl der Gesänge nicht in dem strengen Maasse gebunden wie der Kantor. Er darf über die vorhandene Literatur, mit einigen Beschränkungen, die Textwiederholung oder mehrfaches Aussprechen des Gottesnamens betreffen, frei verfügen. Jedoch verbieten es der stilistische Geschmack und die Einstellung der Hörer, allzu Neu- oder Fremdartiges zu bringen. Die „Klassiker" der Synagogenmusik: Sulzer, Lewandowsky und Naumbourg bilden, wie in den meisten Synagogen, den Grundstock der; gesanglichen Betätigung. Ihnen reihen sich, neben einigen für den „Hausgebrauch" geschaffenen Kompositionen des Oberkantors und des Dirigenten, Werke von Mombach, Schorr, Dunajewski und in neuerer Zeit von dem in London wirkenden, aus dem Osten stammenden Almann an. Eine betont lokale Note erhält der Chorgesang durch die noch immer häufige Verwendung des Japhet'schen Chorbuchs. J. M. Japhet, einst Lehrer und Chordirigent der Israelitischen Religionsgesellschaft, besitzt für die Frankfurter Chortradition massgebende Bedeutung. Seine Sammlung gottesdienstlicher Gesänge „Schire Jeschurun", um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im bewussten Gegensatz zur „Reform" geschaffen, ist in ihrer melodischen Haltung stark dem Volksgesang der Umwelt verpflichtet. Der Vorwurf, den Idelssohn in seiner jüdischen Musikgeschichte in dieser Richtung erhebt, besteht zweifellos zu Recht. Aber Japhets Verdienst ist ja keineswegs in der Schaffung eigener Kompositionen oder in der Bewältigung eines einwandfreien Chorsatzes zu suchen, sondern in der Aufzeichnung und Erhaltung eines überwiegend wertvollen Schatzes von Melodien, die im echten Sinne als „süddeutsch" anzusprechen sind. Gewisse Grenzen hinsichtlich der Schwierigkeit der auszuführenden Gesangswerke sind dem Chore durch die Art seiner Zusammensetzung gezogen. Im Gegensatz zu den liberalen Synagogen sind am Dominikanerplatz nur Laiensänger tätig. Die Oberstimmen werden zudem von Knaben gestellt. Bis vor kurzer Zeit konnte sich der Chor noch der stattlichen Zahl von etwa 70 Knaben und 30 Herren erfreuen. Jetzt muß er sich, durch Abwanderung mit 50 und 25 grossen und kleinen Sängern begnügen. Alle Kräfte stellen sich freiwillig, ohne Vergütung, in den Dienst des religiösen Gesanges: ein Idealismus, der gerade heute nicht zu den Selbstverständlichkeiten gehört und daher nicht hoch genug gewertet werden kann. Das musikalische und stimmliche Fassungsvermögen der Knaben, ihr ständiger, durch Mutation bedingter Wechsel, das Fehlen jeglicher instrumentalen Stütze machen die Erhaltung eines einigermassen gesicherten gesanglichen Niveaus nicht leicht. Aber der Gewinn, der durch Verwendung frischer, unverbildeter und durch eigenartigen Klangreiz ausgezeichneter Knabenstimmen erzielt wird, wiegt alle Nachteile wieder auf. Wenn einer der jungen Sänger ein „Solo" singt, so hält — das spürt man — die ganze Synagoge den Atem an. Im übrigen bescheidet sich der Chor, ohne jedes selbstgefällige, auf „Konzertwirkung" berechnete Gebahren, mit einer schlichten, nur der Sache dienenden Einordnung in den Gottesdienst. Es gibt orthodoxe Synagogen, namentlich im Osten, die den Chor viel weitgehender heranziehen, als es hier geschieht. Man geht in Frankfurt nicht gerne von dem Prinzip ab, daß nur der „Schliach zibbur", der Abgesandte der Gemeinde berufen ist, Träger der Hauptgebete zu sein. Aber selbst in der peripheren Aufgabe, die dem Chore zugewiesen ist, findet er ein würdiges r ""N Sflllen meinen werten Qäsien und freunden ein herzliches nmto r\wb wünscht rufen 569ö ^rau c7^ Birnbaum 9nh. des Kaffee Rothschild