Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 12 (9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT No. 12 September 1937 werden die Himmel droben und ergründet die Festen der Erde drunten, so will auch ich verwerfen den Samen Israels". Weil sie für Weltzeit bestimmt sind und Israel auf Weltzeit bestehen soll, darum hat er sie als Zeugen bestellt, dass Israel die Tora und die Gebote beobachten werden. Und wenn — Gott bewahre uns und sein Frieden verlasse uns nicht — sie sie beiseite schieben wTürden, so würde „die Hand der Zeugen als der ersten gegen sie sein, sie zu töten" (5. M. 17,7.) So heißt es denn auch (5. M. 31,28) „Ich bestelle zu Zeugen wider sie die Himmel und die Erde" und ferner (5. M. 11,17) „er wird verschliessen die Himmel, und es wird kein Regen geben, und die Erde wird ihren Ertrag nicht gelben"." Hier ist also die Ewigkeit der Welt als die einzig mögliche Zeugnisschaft für oder gegen Israel benannt, weil nichts anderes sonst bis in die Tage der Verpflichtung hinauf und bis in künftige Zeiten hinab reicht. Das Motiv der Ewigkeit der Weltkörper wird aber noch anders verwandt. Himmel und Erde als Beispiel „Der Heilige, gelobt sei er, sprach zu Mosche, sprich zu Israel, schaut auf die Himmel, die ich geschaffen zu eurem Dienst, ob sie je ihre Art geändert, ob je die Sonne etwa im Westen aufging, mehr noch, sie freut sich, meinen Willen zu erfüllen, denn so heisst es vom Sonnenball (Fs. 19,6) „wie ein Bräutigam tritt er heraus aus seinem Gemach, freut sich wie ein Held, den Weg zu durchlaufen". Schaut auf die Erde, die ich geschaffen zu eurem Dienst, ob sie je ihre Art geändert hat, ob ihr etwa gesät habt und es?1 wuchs nicht, oder ob ihr etwa Weizen sätet und die Erde brachte Gerste hervor, oder ob sie je sagte, diese Kuh soll nicht dreschen und pflügen, oder jener Esel soll nicht Last tragen und gehen. Und gleicher Weise ist's beim Meer, von ihm ist gesagt (Jirmej. 5,22) „ich habe den Sand gesetzt dem Meer zur Grenze, als Weltzeit-Schranke, die es nicht überschreite", hat es je, seitdem ich über es bestimmt, seine Art verändert und etwa gesprochen: ich will aufsteigen und die Welt überfluten? Mehr noch, es kränkt sich und vermag nichts zu tun, wie es heisst (Jirmej. 5,23) „sie tosen und vermögen es nicht, aufrauschen seine Wellen und sie können die Schranke nicht überschreiten". Und nun muß man einen Schluß ziehen vom Geringeren zum Schwereren, wenn jene, die weder um. Verdienst zu erringen oder Strafe zu erleiden geschaffen sind, die nicht über Söhnen und Töchtern schützend zu walten haben, nie ihre Art ändern, ihr, die ihr, wenn ihr rein durchs Leben wandelt, Verdienst erringt und wenn ihr sündigt, Strafe entgegen nehmen müsst, die ihr schützend über euren Söhnen und Töchtern walten müsst, um wie viel weniger dürft ihr eure Art ändern!" Hier wird also die Unwandelbarkeit von Himmel. Erde und Meer als Beispiel und Vorbild' dafür hingestellt, daß Israel in Treue bei seiner Sendung, und seinem Bunde verharrt. Zugleich ist aber damit in die Natur eine Beseelung hineingetragen, sie wird nicht als Stoff allein gewertet, sondern als beseelte Persönlichkeit, die um Gottes Willen sich müht. Es ist das die jüdische Art der Naturbetrachtung, nicht nur die naive Freude an der Natur zu haben, sondern durch sie Gott zu schauen und sie in die Reihe der Gottesdiener einzugliedern. — Wiederum in einer anderen Richtung bewegt sich die nächste Deutung desselben Bibelverses. Der Mensch im Spiegel der Sterne „Darum hat Gott die Himmel als Zeugen-bestellt, weil der Mensch mit den zwölf Bildern des Tierkreises verglichen werden kann; zuerst, wenn er geboren ist, ist er zart wTie ein junges Lamm; wächst er heran, wird er stark wie ein Stier, und er wird zu Zwilling e n (wenn nämlich zu dem guten Trieb sich der böse Trieb gesellt) .Oder: im Anfang ist er schwach wie ein K rebs, dann aber, wenn er grösser wird, wird er stark wie ein Löwe (wenn nämlich der Trieb wach wird); wenn er aber sündigt, wird er schwach wie eine Jungfrau, und wenn eiserne Sünden mehrt, wägt man ihn auf der Wage, und wenn er in seiner Widerspenstigkeit verharrt, stösst man ihn in die tiefste Tiefeder Unterwelt, wie einen Skorpion, der in die Grube gebannt ist; kehrt er dann reuig um, wird er daraus emporgehoben, wie der Bogenspanner den Pfeil herausschiesst. Sofort wird er wieder zart und rein wie ein B ö c k 1 e i n, und man reinigt ihn, daß er wird wie in der Stunde der Geburt, und man sprengt reines Wasser auf ihn aus dem Wasser k rüg, und er wächst wieder auf in reiner Freude, wie ein Fisch im Wasser sich vergnügt, so taucht er zu jeglicher Stunde in die Ströme von Balsam, Milch, Oel und Honig und isst ständig vom Baum des Lebens, der gepflanzt ist in der Abteilung der Bewährten und sein Leib neigt sich über den Tisch der Bewährten und gewinnt das Leben der Weltzeit." Hier ist die Anknüpfung an de» Bibelvers eine ganz äußerliche, aber mit dieser Anknüpfung wird der Mensch in einem zugleich grossartigen und phantastischen Gemälde mit den Sternen in Verbindung gebracht. Aber nicht in astrologischer Art, daß sein Schicksal von ihnen abhinge, sondern in Zusammenhang mit der sittlichen Aufgabe des Menschen", daß sein Tun in symbolische Beziehung zu ihnen gesetzt ist und alles von i h m aus bewegt wird. Hier wird also das Reich des Sittlichen und das Reich des Kosmischen miteinander in Verbindung gebracht. Die Bilder des Tierkreises werden auch sonst im jüdischen Schrifttum gern verwandt, eines der Klagelieder des 9. Ab baut sich darauf auf, daß die Bilder des Tierkreises über Israels Niederbruch mittrauern. Das alles läuft in der Linie der Beseelung der Natur, von der bereits die Rede war. In jene Zeichnung vom Menschen als Bild des Tierkreises, war aber noch eine Bemerkung eingestreut, die jetzt gesondert wiedergegeben sei. Da, wo es heisst, daß der reuige Mensch wie ein Pfeil aus der Tiefe emporgehoben wird, heisst es: Das Gedenken der Toten am Tage der Versöhnung „Darum pflegen wir der Toten zu gedenken am Tage der Versöhnung und ihretwegen Almosen zu geben, denn so heisst es (5. M. 21.8) „Gewähre Sühne deinem Volke Israel, das DU erlöst"; deinem Volke Israel •— das sind die Lebenden, die du erlöst — das sind die Toten; daraus kannst du ersehen, daß auch die Toten der Sühne bedürfen; meinst du, weil sie tot sind, nützt ihnen kein Wohltun mehr? Darum heisst es eben: die DU erlöst; darum bestimmt man Gaben an Arme um ihretwillen." Hier wird die weitverbreitete Sitte des Gedenkens der Toten am Versöhnungstage damit begründet, daß sie durch unser Gedenken von ihren irdischen Schlacken befreit werden, ivod dieses Gedenken wird nicht zu einem blossen gefühlsmässigen Erinnern gemacht, sondern in ein Tun hinübergeleitet und zwar in ein Tun am Menschen. Die Toten werden so in unserem Tun lebendig und wirkend erhalten, zugleich aber bleiben sie in ihrer Menschlichkeit und werden nicht zu fleckenlosen Heiligen gemacht, sie bleiben dem grossen Weltschema von Sünde, Reue und Erhebung Untertan. Mosche und Jeschajahu Die beiden Worte des Eihgangsverses, die eigentlich die gleiche Bedeutung haben, werden gewertet und dem Worte I^TKH wird ein stärkerer Nähewert zugemessen als dem Worte Davon ausgehend wird unser Vers in Beziehung gesetzt zu dem Eingangsvers in den Reden Jeschajahus (1,2). Dort heisst es: Horchet Himmel, lausche Erde! In unserem Verse aber: Lauschet Himmel, horche Erde! Warum das? „Mosche war dem Himmel nahe, darum konnte er das. stärkere Wort zu ihnen reden, er war der Erde ferner, darum gab er ihr das schwächere Wort. Anders Jeschajahu, er war der Erde näher und den Himmeln ferner, darum die andere Wortstellung." Das ist kein blosses Wortspiel, damit will dasselbe gesagt werden, was am Schluß des 5. B. M. steht, dass „kein Künder je in Israel aufstand, wie Mosche, den Gott erkannte von Angesicht zu Angesicht" oder was Maimonides in einem seiner Gaubenssätze ausdrückte mit den Worten „daß er der Vater aller Künder ist". Man könnte nur verwundert fragen, ist denn Mosche wirklich den Himmeln näher gewesen als der Erde? Ist denn nicht das gerade Mosches grosser Vorzug vor allen anderen, daß er ganz erdenahe war und die Wirklichkeit der Ordnung eines Lebens von Menschen auf dieser Erde gestalten wollte? Aber unsere Deutung will daran auch nicht rühren, sie will im Gegenteil sagen, daß er die Ordnung des irdischen Lebens deshalb so vorbildlich gestalten konnte, weil ihm die Wirklichkeit Gottes lebendiger war und die Gesamtheit seiner Forderung stärker gegenwärtig war, als selbst Jeschajahu. — Aus der Fülle der Deutungen der Worte des Liedes selbst, die schier unübersehbar ist, sei wenigstens etwas noch hervorgehoben. Es heisst (V 15) „Jeschurun ward fett, da schlug es aus u. s. w." Dazu die folgende Beobachtung. Sofie Rossbach Kauert. 25 Meine neue Kollektion für Herbst Ufld Winter in DamenhUten, Damen-Kleidern und Sport-Kleidung ist fertiggestellt Ich lade zu deren Besichtigung höflichst ein