Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 7 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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107 niedergelasse 11 hat. Mit all diesen wichtigen Dingen beschäftigt sich sein kleiner Kopf, während der Lehrer das interessante Kapitel non der Veränderlichkeit des Participe passe oder die Lehre non der nwgekehrten Negeldetri erläntert. So hört er denn nur halb hin, und was das eine Ohr aufnimmt, spaziert gar manierlich ans dem andern heraus. Mit dieser nur halb verstandenen Weisheit setzt er sich zur Anfertigung seiner häuslichen Arbeiten nieder. Was Wunder, daß er nun Stunden verbringt, (und wer weiß, ob er jetzt recht anfmerkt!) und schließlich doch nichts taugliches fertigt. Nun also, aufgepaßt, ihr Kinder! In der Schule habt ihr mit gespannter Aufmerksamkeit den Worten des Lehrers' zu lauschen, keines derselben darf euch entgehen. Wißt ihr, was der Talmud sagt? „Selbst um den Tempel zu bauen, darf man den Unterricht der Jugend nicht stören", und da wolltet ihr träumen und jenes kostbare Gut, die Zeit, vertrödeln, anstatt sie zu nützen zum Heile für euer ganzes Leben? Nachmittags arbeitet ihr nur 2% höchstens 3 Stunden, dann spielet und freuet euch eurer Mußestunden. Wer in der Schule so recht seine Schuldigkeit gethan hat, ist zum Abendbrot mit seinen Arbeiten fertig. Keiner von euch allen ist schlecht, nur lässig seid ihr und zuweilen zerstreut. Ich brauche euch mir an die schönen Worte des f>. Gebotes zu erinnern: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, aus daß es dir wohlgehe und du lange lebest ans dem Erdreiche, welches der Ewige, dein Gott dir giebt" und ihr seid alle gern bereit, meinem Winke zu folgen. . . . n, Lehrerin in Berlin. But sprechen gut schreiben. Eine alte allgemeine Regel und Redensart ist: „Schreibe wie du sprichst." Ein von mir sehr geschätzter alter Freund, Herr Rabbiner A. B. in B. hat vor vielen Jahren diese Regel angcfochten, und kehrte sie um indem er meinte, es wäre richtiger zu sagen: „Sprich wie du schreibst." Ich schließe mich vollständig dieser Ansicht an. Die tneistcn Menschen würden sicher weit mehr Sorgfalt auf eine schöne gewählte Ausdrucksweise verwenden, weit mehr bestrebt sein, sich eine solche anzneigncn, wenn sie dieser Mahnung stets eingedenk wären. Ich kann euch, meine jungen Freunde und Freundinnen, nur raten, euch frühi zeitig zu gewöhnen, in erster Reihe jede Silbe klar und deutlich auszusprechen, überhaupt frühzeitig Selbsterziehung zu üben, denn der Mensch darf nie ermüden, an sich selbst zu arbeiten; ihr könnt durch ernsten Willen wesentlich eure tcuern Eltern in dem schwierigen Werke der Erziehung unterstützen. Ihr habt es gewiß schon selbst beobachtet, daß viele Menschen im Eifer der Rede sich oft sehr gehen zu lassen pflegen, zu wenig auf die Worte achten, daher es