Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 7 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Die Kräuter ganz nach eigner Wahl Itzt im ganzen Jahre jeder, Warum für heute mau befahl Bittre Kräuter nur zum Sseder? Wo keine Nacht wir doch im Jahr Einmal auch zu tunken brauchen, Warum in dieser Nacht sogar Zweimal nach der Vorschrift tauchen? Wir sitzen sonst beim Abendschmans Ungezwungen, nach Belieben, Warum ist heute uns durchaus A nzu!ehueu vorgeschriebe»? Nächstenliebe. Von A. Weiler - Nördliugen. Das Gebot der Nächstenliebe und Armeuuutcrstützuug erfüllte wohl am ersten und in vollkommenster Weise unser Stammvater Abraham. Sein Zelt hatte, so berichtet die fromme Sage, an allen vier Seiten Eingänge, damit die Armen und Wanderer, mögen sie kommen, von welcher Seite auch immer, sofort in sein trautes Heim eintreten konnten. Da waren sie stell) willkommene Gäste, wurden freundlich bewirtet, und selbst wenn sie diese gastliche Herberge verließen, wurden die Gäste mit Vorrat für die Weiterreise reichlich bedacht. Dies herrliche Vorbild aus alter Zeit möge uns stets vor Augen sein und uns schon in frühester Jugend zur Nachahmung anspornen. Wohlthnn ist heilige Pflicht, ein Grundgesetz unserer Religion, aber auch mit unserer Vernunft lind mit unserem Denken und menschlichen Fühlen vereinbar. An folgendem Gleichnisse null ich euch dies, meine jungen Freunde, Nachweisen. Ein mächtiger König hatte von seinem einzigen Sohne vielen Verdruß und Kummer, und alle Strafen brachten den Entarteten nicht ans den guten Weg. So mußte der Vater zu äußerster Strenge, zu empfindlichen Maßregeln schreiten. Der König ließ seinen Sohn gefangen setzen und verbot jedermann, dem Gefangenen irgend eine Wohlthat zu erweisen, insbesondere sollte er keine anderen Speisen als die anderen Gefangenen erhalten. Einender Diener hatte aber Mitleid mit dem Königssohne; er fühlte, wie es den Prinzen schmerzen müsse, die magere .und schlechte