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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 7 (1895) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
7 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 100 (sequence 16)
Language
German
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100 Daß sie hierzu berechtigt gewesen, hatte sie im Lause der Jahre zur Genüge bewiesen. Herr Z. war sehr häuslich, und nur wenige Stunden verbrachte er im Fabrikkomtor. Demzufolge kam auch Eva fast gar nicht mit der Außenwelt in Berührung. In letzter Zeit war es aber anders geworden. Herr Z. beabsichtigte eine bedeutende Vergrößerung seines Fabriketablissements. Darum lud er wiederholt Sachverständige ins Haus, um sich mit denselben zu beratschlagen. Namentlich war es der Maschinenfabrikant F., der oft in Begleitung seines jugendlichen Maschinenbauers erschien. Dieser hatte allmählich das lebhafteste Interesse des Herrn Z. erregt, da er dem Scharfsinn und der fachwisscnschaftlichen Befähigung desselben das größte Lob spenden konnte. Aber auch Eva fand an der frischen, markigen Gestalt des jungen Handwerkers das größte Wohlgefallen. Sie hatte bei Nennung seines Namens mit Spannung gelauscht. Denn sie erinnerte sich, vor Jahren einmal in dem Briefe ihres Bruders Joseph diesen Namen gelesen zu haben. Bald fand sie Gelegenheit, sich Aufklärung zu verschaffen, und sie erfuhr, daß der junge Mann kein anderer war, als David Rosen, der ehemalige, arme Waisenknabe, der Freund Joseph Rehfelds. — Und wo war dieser? wird gewiß mancher fragen. Gemach, lieber Leser, du wirst es bald erfahren. Denn auch Eva Rehfeld richtete diese Frage im Verlaufe eines Gespräches all Rosen. Dieser hatte auch ihren Nameil erfahren und fragte sie, ob sie eineil Bruder Namens Joseph besitze. Als diese Frage bejahte wurde, war das freudige Erstaunen Nosens groß. „So sind Sie die Schwester meines Freundes Joseph?" „Ja", entgegnete das Mädchen in atemloser Spannung, „aber sagen Sie mir doch, wo ist mein Bruder?" „Mein Gott, Sie kennen den Aufenthaltsort Ihres Bruders nicht? Er weilt doch in dieser Stadt. Er ist der Leiter unserer Maschinenfabrik, der Vertreter des Herrn F." Eva lvnrde es schwer, sich 31t fassen. Sie wünschte Näheres über die Lebensschicksale ihres Bruders zu erfahren, den sie seit vielen Jahren nicht gesehen. „O, liebes Fräulein", sprach da Rosen lächelnd, „diese Eröffnung wird Ihnen Ihr Bruder am besten selber machen können. Ich glaube, er kommt eben ans die Villa zu." Und in der That betrat in diesem Augenblick ein feingekleidcter Herr die Z.'sche Villa. Es war Joseph Rehfeld. Eva hatte kaum die Gestalt ihres Brliders wahrgenonnncn, als sie mit einem Freudenschrei ihm eiltgegenstürzte. Joseph schaute befreindet ans Rosen. Eva aber rief unter Thränen lächelnd: „Joseph, Bruder, erkcnllst Du Deine Schwester Eva nicht wieder?"

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