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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 6 (1895) · p. Seite 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
6 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 90 (sequence 22)
Language
German
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1)0 die Sprüche Salomo's in der Ursprache lesen lassen. Diese köstlichen Sätze der Akoral und der Sittenlehre mit der Übersetzung derselben von Joel Brüll, einem Schüler Mendelssohn's, nnchte sie auswendig. Sie benützte dieselben auch als Rlntter, um mich zu erziehen, zn Hilden und dem Einten geneigt machen. — Jäi mußte früh morgens zn einer bestimmten Zeit düs Lager verlassen. Blieb ich, nachdem ich geweckt worden war, etwas sänmig, da stand bald die liebe Mutter in der Thüre des Kinderzimmers und sprach einen der Sätze Salomo's: „Wie lange, du Träger, willst dn liegen, wann wirst du dich vom Schlaf erhebenv . . Ein wenig Schlaf, ein bischen Schlummer, noch die Hände umlegen, um zn ruhen. . . Die Armut wird dir, ivie ein Wanderer, mit raschem Schritte nahen, der Mangel wie ein bewaffneter Mann."*) Rasch sprang ich empor, liest mir beim Frühstück den Spruch näher erklären und fragte, wo er zn lesen sei. Tie gute Mutter gab mir das Spruchbuch. In einer freien Stunde des Tages lernte ich den Satz hebräisch und deutsch auswendig. Roch bewahre ich die alte Ausgabe dieses Spruchbnches, und dieses bildet eine Zierde meiner Büchersammlung. — Betete ich im Beisein der Mutter, und dies geschah oft, namentlich an Wintcrtagen, und cs -merkte ihr klares Auge, das; meine Gedanken anderswohin schweiften und mein Gebet kein inniges sei, da kleidete sie den Tadel in die Worte: „Gottesfurcht ist der Anfang alles Wissens,"**) wobei sie aus das Sprnchbnch deutete, welches in ihrem Schranke stand. Ich betete inniger und ließ mir nachher den Satz zeigen, den ich zu meinem geistigen Eigentum machte. Einst kam ich ans der Schule und erzählte etwas Aachteiliges von einem Mitschüler, wobei dessen Fehler meiner Phantasie vergrößert erschienen. -Meine Mutter, welche meine Freunde ans der Schule kannte, sprach aber ruhig: „Möge dich Güte und Wahrhaftigkeit nie verlassen, binde sie um beinen Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. Darin erlangst du Gunst und beglückende Anerkennung bei Gott und in den Augen der Menschen."***) Ich las und überlas den Satz und dachte auch später oft an denselben. — Eines Tages kam ein Armer und bat um eine Unterstützung. Ich besaß gerade einige Ersparnisse. Ein A'nnimwauott'r war bei uns zu Gast gervesen, und hatte mir beim Abschiede die Müu.m gegeben. Bei dem Erscheinen des Unglücklichelt zögerte ich nicht, gab ihm einen der Groschen >ud sprach ff einige freundliche, tröfteude Worte. Die -Mutter kam hinzu, m b nachdem der Fremde sich entfernt hatte, umarmte sie mich und sagte: Einen doppelten Spruch hast dn erfüllt: „Wer ein Auge hat, das anderen Gutes gönnt, der verdient Segen. Ergab von seinem Brote den Armen."ff) „Und wieder sagt der Weise: „Wie fließender Honig sind die liebevollen Worte. Der Seele sind sie angenehm und bringen dem * kranken Körper Genesung."ffff) Bald daraus eilte ich zur Mutter und wiederholte - s ihr die Sprüche, welche ich nachgelesen hatte. — ff. rpr. Salomo's 0.9. ff Spr. Salomo's 1.7. ***) Spr. Salomo's 3,8 —4. Sprüche Salomo's 22,9. ft) Sprüche Salomo's 17,24.

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