Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 6 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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89 Diese Frage beschäftigte den greisen Mann Tag und Nacht. Da gedachte er des Handwerks, das ihn ehemals ernährt hatte, und er pries sich glücklich, es wieder betreiben zu können. Er erarbeitete sich denn auch so viel, als eben zur Befriedigung seiner bescheidenen Lebensbedürfnisse erforderlich war. Da erhielt Rehfeld eines Tages von dem Bankier Nt. ein Schreiben mit einer ansehnlichen Summe. In diesem Schreiben hieß cs, das; ihm fernerhin eine gleiche Summe am ersten Tage eines jeden Monats ausgezahlt werde. Er sollte nicht darnach forschen, von wem das Geld herrühre. Rehfeld war.Min aller Lebenssorgen enthoben Wer aber war der unbekannte Wohlthäter? Diese Frage sollte erst nach Jahren ihre Beantwortung finden!- IV. Jahre sind seitdem verstrichen. Ich führe jetzt meine jungen Leser und Leserinnen nach der alten Handelsstadt E. am Nordseestrande. Bevor wir die Stadt betreten, bemerken wir eme in rein gothischem Stile gebaute, mit den reichsten Berziernngen ansgcstattete Billa. Dieselbe wurde von dem Seidenfabrikanten Z. bewohnt. Z. war seit Jahren Witwer und kinderlos. Seinem Haushalte stand ein junges Mädchen vor, das uns nicht mehr fremd ist. Freilich werden wir es auf den ersten Blick nicht sofort wiedererkcnnen, denn die Jahre hatten seine Züge und sein Wesen ernster gemacht. Dabei aber war es gar stattlich, und mit Wohlgefallen ruht unser Auge aus ihm. Dieses junge Mädchen ist keine andere als Eva Rehfeld. Bier Jahre schon weilte sie in dem Z.'schen Hause, uud sie hatte sich ihrem Herrn immer unentbehrlicher gemacht. Ihre Emsigkeit und Treue, ihre liebevolle Hingebung waren es, die dem alten Herrn Z. das Leben verschönten, und zuletzt war eine gegenseitige Zuneigung entstanden, wie sie zwischen Vater und Tochter nicht inniger herrschen konnte. Ost schon hatte Herr Z. Andeutungen gemacht, daß die Sicherstellung der Zukunft Evas seine Hauptsorge sein solle. Herr Z. war ein streng religiöser Mann, und es machte ihm unendliche Freude, zu sehen, wie Eva mit größter Gewissenhaftigkeit all die Obliegenheiten erfüllte, die mit der Leitung eines jüdischen Haushalts verbunden sind. ' (Schluß folgt.) Wie ich die Sprüche Salomos lernte. Bon I>. Joöl Müller-Berlin. Meine Jugend siel in die erste Hälfte dieses Jahrhunderts. Da war manches in den Gewohnheiten des Hauses und des Unterrichtes anders. Aber auch damals war es die Mutter, welche den größten Einfluß aus die Sitte und Gewohnheiten des Kindes übte. Ich erinnere mich dieser jugendlichen Tage mit besonderer Liebe. Meine Mutter war aus gutem, gebildeten Hause. Sie hatte nicht nur die deutschen. Elassiker gelesen, sich einen guten schriftlichen Ausdruck eigen gemacht, sondern war auch der religiösen Lehren auf das beste kundig. Man hatte sie in ihrem Baterhau.se