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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 6 (1895) · p. Seite 88

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
6 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 88 (sequence 20)
Language
German
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88 Mittel einer Fälschung gegriffen, um sich uns einer Notlage zu befreien, denn der Wechsel, den er seinem Gläubiger überreicht hatte, war ein falscher gewesen, und er diente Kerner, der das Verbrechen Simons erkannt hatte, als Mittel, ihn sich fügsam zu machen/ Und er hatte das gewählt, was ihm eine Fortsetzung seines zügellosen Lebens verhieß. Nicht gedachte er des Schmerzes, der das Herz seines Vaters treffen mußte, wenn er erführe, was aus seinem Sohn geworden, dessen Zukunft ihm schon in so rosigem Lichte erschienen war. Simon hatte jetzt, nachdem er aller Sorgen ledig zu sein schien, nicht mehr seiner Lieben daheim gedacht, keine Zeile mehr an sie gerichtet. Es war ihm auch gar nicht ausgefallen, warum überhaupt noch kein Lebenszeichen aus dem Elternhause zu ihm gelangt war. — — Forschen wir aber nach diesen auch uns unbegreiflich erscheinenden Thatsachen und begeben wir uns, meine jungen Freunde und Freundinnen, nach dem Heimatsorte Nehselds. Dort herrschte unter der jüdische^ Bevölkerung eine ungewöhnliche Aufregung. Es hatte sich Ungeheuerliches zugetrageu. Salomou Rehseld nebst dessen Tochter Eva waren plötzlich verhaftet worden. . Die Vermögensverhältnisse Nehselds waren immer schlechter geworden, so daß er sich genötigt sah, Coneurs anzumelden. Und an demselben Abend brach in dem Laden Nehselds ein gewaltiges Feuer aus. Man beschuldigte den unglücklichen Mann der Brandstiftung. Und an eben dem Abend, an welchem Simon vergeblich die Geldsendung erwartete, saß sein Vater im Gefängnis. — Für Vater und Tochter, die sich unschuldig fühlten, war dies eine schwere Prüfung. Sie vertrauten aber oem allgerechten Vater im Himmel, der die Unschuld hütet. Und sie sollten in ihrem festen Gottvertrauen nicht getäuscht werden. Nach Verlauf einiger Wochen wurden sie aus der Haft eutlasseu und derjenige verhaftet, der Nehseld und seine Tochter beschuldigt und aus Haß und Rache das Feuer in Abwesenheit derselben angelegt hatte. Die kurze, aber schwere Prüfung hatte Rehfeld noch tiefer gebeugt, und er war zum Greise geworden. Auch Eva hatte jegliche Lebenslust verloren, und da ihr der Aufenthalt im Heimatsorte verleidet war, zog sie nach dem viele Meilen entfernten Städtchen K., woselbst eine Verwandte lebte, die sich vereinsamt fühlte und freudig Eva in ihr Haus nahm. Rehfeld aber war nun allein. Sein Herz wollte brechen, als er von seiner Tochter Abschied nahm. Sein Haus war verödet. Der, welchen er förmlich aus dem Hause getrieben, hatte, seitdem er aus die Wanderschaft gegangen, kein Lebenszeichen von sich gegeben, und der andere, den er so überaus bevorzugte, dem er sein und seiner andern Kinder Lebensglück geopfert hatte, war verschollen. Er ahnte noch nicht, was aus seinem Sohne geworden, dessen Zukunft er sich in so lichten Farben ausgemalt hatte.- . Salomou Rehseld stand nun völlig mittellos da. Wie sollte er sich ernähren?

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