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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 6 (1895) · p. Seite 87

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
6 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 87 (sequence 19)
Language
German
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mn, — 87 — entgegenhaltend, bat er um ©tulöümcj desselben. Simon stand wie vernichtet da. Er war außer Stande, sein Ehrenwort einznlösen. Was sollte er beginnen? Da durchzuckte ein unglückseliger Gedanke sein Gehirn, und er bat den Herrn, sich nach dem Spiellokal bemühen zn wollen, er würde dort alsbald erscheinen, um die Angelegenheit zn ordnen. - Nach Verlauf einer Viertelstunde war Simon Rehfeld znr Stelle. Der Herr saß bei einem Glase Bier und zögerte nicht, das Geschäft zn erledigen. „Mein Herr," hob Simon nach erfolgter Begrüßung an, „leider bin ich nicht in der Lage, Ihnen die Schuld in barem Gelde abzntragen. Doch kann ich Ihnen einen soeben von meinem Vater erhaltenen Wechsel übergeben, der Ihnen gewiß eben so annehmbar erscheinen wird als bares Geld." Mit diesen Worten zog Simon zitternd lind bleichen Angesichtes ein Papier ans seiner Brnsltasche und Übergab es dem ihm gegenüber sitzenden Herrn. Dieser warf einen prüfenden Blick ans das Papier und ein leichtes verstohlenes Lächeln glitt Über sein Angesicht. Er sah den erregten jungen Mann durchdringend an, so daß dieser errötete. Dann sprach er: „Ich will den Wechsel in Zahlung nehmen, und ich hoffe, daß ich am Verfalltage mein Geld prompt erhalten werde." Nach einer kurzen Unterredung verabschiedete sich der Herr, und Simon war sich selbst überlassen. Er sann über seine trostlose Lage nach, in die er durch seinen Leichtsinn geraten war. Aber er dachte nicht an den Kummer, den er seinem Vater durch seine Lebensweise bereitete, sein Sinnen war einzig und allein darauf gerichtet, wie er sich Mittel znr Fortsetzung seines Treibens verschaffen könne. Es sollte ihm dies jedoch nicht schwer fallen. Denn schon am Abend desselben Tages war derselbe Herr, der ihn ans der fataler: Lage gerettet, bei ihm nochmals erschienen, um ihm ein größeres Darlehen anzntragen. Simon war erstaunt Über die Handlungsweise dieses ihm wenig bekannten Herrn. Dieser war erst seit wenigen Tagen allabendlich im Spiellokaleeiirgekehrt, und die Bekanntschaft mit ihm war nur eine flüchtige. Kannte er doch nicht einmal seinen Namen, und er wagte es nicht, nach demselben zn forschen.. Der arglose junge Mann ahnte es nicht, daß ihn eine giftige Schlange umgarnte; denn der Mann war kein anderer, als einer jener abgefeimten Personen, die es daranf absehen, Seelen zu sangen gleichviel durch welche Mittel, und mochten diese noch so verwerflich sein. Johannes Kerner hatte nach kurzer Zeit den jungen Studenten völlig in seiner Gewalt, und er hatte ihm die Wahl gestellt zwischen dem Zuchthause oder -Verleugnung seines väterlichen Glanbens. Und Simon, der seinen ganzen Halt schon berloren, der alle Verbindung mit dem Elternhause gelöst hatte, wühlte das letztere; er wurde der Religion seiner Väter untreu. Sein Herz erfüllte ein immer größerer Groll gegen seine Angehörigen darüber, daß sie ihm die bisherige Hülfe versagt hatten. Er hatte zu dem verwerflicken *'

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