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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 6 (1895) · p. Seite 86

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
6 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 86 (sequence 18)
Language
German
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86 Verlegenheit. Die Miete war er für einige Monate schon rückständig geblieben, und auch andere Glünbiger bedrängten ihn hart. Dazu hatte er mit seinen Spiel- und Zechkumpanen die Verabredung getroffen, am Abend dieses Tages ein flottes Spiel zu machen. Ter Tag neigte sich schon seinem Ende zn, aber der bestimmt erwartete Geldbrief blieb ans. Simon war mit jeder Stande unruhiger geworden, und in seinem wiederholten Selbstgespräche erwähnte er seines Vaters in durchaus nicht ehrerbietiger Weise. Schon war die verabredete Stande nahe, in welcher er irn bestimmten Lokale erscheinen sollte. Konnte er aber ohne Geld vor seinen Genossen erscheinen? Er fürchtete sich vor dem Spott derselben. Und Geld mußte er sich verschaffen. So wandcrtcn denn die entbehrlichsten Gegenstände ins Leihhaus. Selbst einen großen Teil seiner Bücher schaffte er dorthin, um die ansehnlichen Summen zu erlangen, deren er bedurfte, um au dem Spiele und dem Zechgelage teilnehmcn zu können. Bald war die Sorge um den Augenblick aus keinem Herzen gebannt, denn er harte nun Geld ohne Hülse seines Vaters. Mit Jubel war er von seinen Genossen empfangen worden. Wußten sie doch, daß er nie ohne Geld zn ihnen kam, und daß er sich ihnen stets als feistes Huhn darbot, das sie nach Herzenslust , rupfen konnten. Ihre Freundschaft galt nur seinem Geldbeutel, und je mehr dieser gefüllt war, desto liebenswürdiger waren sie ihm gegenüber. Simon nahm dies in seinem unbegrenzten Leichtsinn nicht wahr. Bald sollte er eines bessern belehrt werden! Das Glück war ihm nicht hold, und nach wenigen Stunden hatte er nicht allein seine ganze Barschaft verloren, er hatte noch aus Credit gespielt, so daß er bald eine hohe Spielschuld zu begleichen hatte. Unter den Spielgenossen befand sich auch ein älterer Herr, der mit Schadenfreude den Verlusten Simons zusah, und als die Mittel desselben erschöpft waren, war er sonderbarerweise der erste, der bereit war, ihm Geld zu leihen, Natürlich ließ er sich von beut jungen Manne einen Ehrenschein ausstellen, nach welchem er am anderen Tage das Darlehn zurückzuzahlen sich verpflichtete. Simon spielte weiter, bald aber waren auch die geliehenen Mittel verspielt Alan zechre noch bis tief in die Nacht hinein, und bei Anbruch des folgenden Tages suchte Simon sein Lager auf. Am anderen Tage richtete er an seinen Later ein Telegramm init der Anfrage, warum die Geldsendung noch nicht angclangt sei; aber keine Antwort erfolgte. Ein zweites Telegramm blieb ebenfalls ohne Antwort. Da kam denn endlich der leichtfertige junge Mann zur Besinnung- Er erkannte seine Notlage. Eben hatte er seinen letzten Pfennig für das Telegramm verausgabt, und nun war er aller Mittel entblößt. Was sollte er nun beginnen? Was war daheim geschehen, daß alle seine dringenden Anfragen unbeantwortet blieben? Diese Fragen zermarterten sein Gehirn. „Und bald wird der Gläubiger kommen, um sein Geld zu fordern, das er mir gestern aveud geliehen." So knirschte er, mit dem Fuße aus den Boden stampfend. Es währte auch nicht lange, als 'euer Herr erschien; ihm mit sreundlich-süßtönendem Gruß? den Ehrenschein

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