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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 6 (1895) · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
6 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 84 (sequence 16)
Language
German
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84 Gebot: „Nenne niemals einen Nlenschcn mit seinem Spottnamen!" Unterlasset es also auch eure Ulitschüler oder gar einen eurer Lehrer mit einem Spottnamen zu nennen. Wenn auch ein solcher Name anfangs nicht böse gemeint sein mag, mit der Zeit wird er doch zum Schimpfnamen und läßt das ganze Leben hindurch eine böse Erinnerung, eine falsche Vorstellung zurück. Uralt ist der Ausspruch eines jüdischen Weisen: „Wenn auch nicht alles Eingang findet, ein Teil bleibt immer haften/' hütet euch also, jemals etwas Unwahres auch nur im Scherz über andere zu sagen. Aber auch wenn es wahr ist, denket an das, was ein frommer und weiser Sittenlehrer vor 2000 Zähren — er heißt Sirach (Ken vSira) — gesagt hat: „hörst du etwas Nöses, so sage es nicht nach, denn Schweigen schadet dir nicht." Uu sollst weder freunden noch Feinden etwas nachsagen, und offenbare nichts, wo du ohne böses Gewissen schweigen kannst. ((9,6 st-) anömrrl; hat einen goldenen Eine Erzählung für die Jugend von I. Hcrzbcrg-Bromberg. (Fortsetzung.) Roden. a (Nachdruck verboten!) Simon verstand c» aber auch, den Vater sich immer geneigter zu machen. Er hatte von den vielen gesellschaftlichen Pflichten geschrieben, die er erfüllen müsse, wenn er dereinst „Earriere machen" wolle, und er könne nicht mehr znrücktreten. Er verkehre in den feinsten Kreisen, so schrieb er in jedem Briese, dessen Inhalt dann immer in eine Bitte um weitere Geldsendungen ansklang. Und war er fürkurze Zeit im Elternhanse, dann waren die elterlichen Wohnränme zu enge für ihn, er weilte meistens außerhalb des Hauses. Seiner Schwester war er längst entfremdet, und diese vergoß darob manche Thräne des Kummers. Ihre schwesterlichen Ermahnungen waren nutzlos, sie wurden immer mit Hohnlächeln überhört und mit Ausdrücken des Bedauerns über ihre „beschränkten Ansichten" als unberechtigt hingestellt. Was der Vater sowohl, als auch die Tochter am tiefsten schmerzte, war die Thatsache, daß dem jungen Studenten der jüdisch-religiöse Sinn fast ganz abhanden gekommen war. So lange er. unter den Augen des Vaters im Elteruhause gelebt, war dieser Sinn für das religiöse Leben immer wach gewesen; denn im Hause selbst war er täglich geweckt worden. Seitdem er aber fern vom Einflüsse der väterlichen Gewalt lebte, hatte seine ganze Anschauungsweise sich umgewandelt, und er unterließ es nicht allein, an den das Herz erbauenden, Gemüt erhebenden religiösen Handlungen des Vaters, sei es bei

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