Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 6 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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83 „'-Kommt Rinörr, hört mir ju!tC Pt 2,-^2. Von I)r. V. KuttNSv in Frankfurt a. M. Ich habe euch das letzte Mal versprochen, zu zeigen, daß unsere Religion uns das Verleumden verbietet; ich will dieses Versprechen gleich heute erfüllen, obgleich ich schon etwas anderes für euch aufgeschrieben habe. Unsere Religion heißt, wie ihr alle wißt, die mosaische, weil sie auf der Lehre Moses (toras mosche) beruht. Diese Lehre steht geschrieben, wie die meisten von euch auch schon wissen werden, in den fünf Büchern Moses; somit enthalten diese fünf Bücher nicht blos die sogenannte biblische Geschichte von der Schöpfung der Melt bis zum Tode dieses größten aller Propheten, sondern auch unsere Religionsgesetze. In dein dritten dieser Bücher Moses befindet sich ein Rapitel (es ist das t9-), das besonders reich ist an Geboten und Verboten, durch deren Befolgung wir immer besser, vollkommener und Gott ähnlich, oder wie es dort heißt, „heilige" Brenschen werden können. Dieses "Kapitel beginnt mit den Morten: „Der Ewige redete zu Mose und sprach: Rede zu der ganzen Gemeinde der Rinder Israel und sprich zu ihnen: heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott." Ihr werdet fragen: Mie kann der Mensch heilig werden? Darauf antworte ich euch: Jedem er die Gebote Gottes ehrlich und gewissenhaft und mit Freuden erfüllt.* (Daher sagen wir ja so oft: ascher kidschonu bemizwosow, der uns geheiligt durch seine Gebote!) Unter den Geboten ‘ des genannten Rapitels 19 nun heißt eins (Vers (6): „Gehe nicht als ein Verleumder umher in deinem Volke!" Da habt ihr also das Verbot, und nun seht ihr, daß das Verleruuden eine Sünde ist. Eigentlich sagt ja das auch schon das 9- Gebot, welches lautet: „Du sollst kein falsches Zeugnis aussagen wider deinen Nächsten!" Unter dem falschen Zeugnis versteht man jede Unwahrheit über andere Personen. Der Verleumder aber verbreitet Unwahrheit über andere, um ihnen zu schaden, oder unr sich selber zu nützen. Daher heißt es von ihm: „Mer Böses redet wider seinen Nächsten, dessen Sünden sind so groß, daß sie bis zum Himmel cmporsteigen." Verwandt mit dem Verleumder, wenn auch nicht ganz so schlimm, ist der Spötter. Denn was man verspottet, das ehrt inan nicht; wer also über uns spottet, der greift unsere Ehre an. Daher lautet ein altes