Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 5 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 75 — Weil ich verachte jeden Schein. Ich lehre Gott, den Vater, ehren Mit ganzem Herzen, ganzer Kraft, Für ihn kann gerne ich entbehren, Der, liebend wirkend, Liebe schafft. Drum^ward als heiligste der Pflichten Den Menschen ich vorangestellt. Und wollt Ihr, Schwestern, weiser richten, Als nach dem Wink des Herrn der Welt? Elternliebe. Doch wage ich es, gleichzustellen Mich Dir, die Du Dich dünkst so hoch. Rein sind sie, meiner Liebe Quellen; Dein Name ist's, der vielfach trog. Für grausam, herzlos arge Triebe Gabst oft Du Deinen Namen her. Dagegen echte Elternliebe Schafft Eltern und auch Kindern Ehr'. Der Fleiß: Wozu dieses Prahlen, dies Zanken und Streiten? Was könnet Ihr, saget doch, alle bereiten, Was könnet Ihr schaffen, daß Einer Euch preis', So mich Ihr nicht rufet als Helfer den Fleiß? Menschenliebe: Nun möchtest auch Du wohl den Großen hier spielen! Sag', schaffest Du Freundchen, daß andre es fühlen, Daß Segen Du wirkest? — Nein, Bester, Dein Sinn, Er gilt nur sich selber, dem eignen Gewinn. Der Fleiß: Doch eines, das darf ich mit Nachdruck betonen: Gar oft muß Dein Streben ich, Beste, belohnen, Was ich mir errungen, Dir nützet's allzeit. Sag', kamst Du mit Worten der Liebe so weit? — Gottesliebe: Das Alles mag gut sein, mein Bester, Verehrter. Und doch bist für uns Du, auch Du ein Betbörter, Wenn's hier Dich gelüstet der Erste zu sein. Hier haben wir Damen das Vorrecht allein.