Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 5 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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71 man hat euch nur eingeladen, um euch eine Falle zu legen, um euch mit den Gesetzen eurer Läter in Konflikt zu bringen, und um euch nachher vor Gott auklageu zu können", fand keine Würdigung, keine Beachtung. Auch die Erinnerung an ihre ehemalige Größe, an ihr zerstörtes Glück und an ihre verblichene Herrlichkeit vermochte nicht, sie von ihrem Vorsätze, dem Volksfeste in der königlichen Burg beiznwohnen, abznhalten. Sie hatten für Mardochai nur die einzige Antwort: „Was bringst du Bilder uns zurück, Die uns versagt fortan? Was zeigst du uns cntschwund'nes Glück, Das nimmer kehren kann? Vergangene Freuden und vergangenes Glück sollen und dürfen uns die Ruhe der Gegenwart nicht rauben. Wir sind keine Juden, wir sind Perser, wir sind treue Unterthanen des Königs, wir sehen nicht ein, warum wir die uns ehrende Einladung zum Feste ablehnen sollten." . Und ihrem Vorsatze treu, nahmen sie gleich den übrigen Bewohnern der Residenz an bcnt Feste teil, und um ihre Abstammung nicht zu verraten, aßen sie von der Tafel des Königs, tranken und berauschten sich gerade wie ihre Festgenossen und verfielen gleich ihnen in — Unsittlichkeit. II. Auf seinem Throne hoch und erhaben saß der Ewige, umringt von einem Engelhcer, das ihm fortwährend zurief: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, voll ist die ganze Erde seiner Herlichkeit!" Plötzlich erbebten die Festen der Erde und die Pfeiler des Hinnnels, das ganze Weltall füllte sich mit Dunst und Ranch, und ans der Mitte des Engelheeres trat der Satan hervor, warf sich vor Gottes Thron hin und sprach: „Herr des Alls! Von einer Wanderung durch die Welt, wo ich dem Leben und Treiben Deines auserwählten Volkes Israel besondere Beachtung schenkte, kehre ich nunmehr zurück. Sieh, o Herr! sie haben ihr Herz und ihren Glauben von Dir abgewandt, sie verdienen nicht, daß Du sie mit Gnade und Wohlwollen überhäufst. Vertilge sie von der Erde; sie sind deines Erbarmens nicht würdig." aber", erwiderte der Ewige, „soll ans dem Gesetz, das ich ihnen gegeben, werden?" „Herr der Welt", fuhr der Satan fort, „vertraue doch Dein Gesetz den überirdischen Geistern, Deinen heiligen Engelschaaren, an." Und der Herr erklärte sich mit dem Vorschläge des Satans einverstanden und sprach: „Was soll mir ein Volk, das für die von mir an ihren Feinden und Widersachern vollzogenen Zeichen und Wunder kein Verständnis hat? Sie haben mein Gesetz übertreten und sind in Unsittlichkeit verfallen. Ich will nun ihr Andenken