Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 5 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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72 II \\ liy,! unter ben Menschen vertilgen. Gehe, Satan, hole mir eine Nolle, daß ich den Vertilgungsbeschluß daraus verzeichne." Da erschien in Witwenkleider gehüllt die Thora und ließ ihre Stimme in Weinen vor Gott erschallen, so daß auch die heiligen Seraphim in Thränen ansbrachen. „Allgütiger Vater", sprach die Thora, „wenn Du Israel vertilgst, was nütze ich, was nützen meine Gebote dann noch in der Welt?" Auch die Sonne und der Mond, als sie die Klagen der Thora hörten, hüllten sich in Trauer, zogen ihr Licht ein und weinten bitterlich. Gott aber hatte sich mit einer Wolke verhüllt, durch die kein Flehen hindurch dringen konnte. Da lief der Prophet Elias zu den Gräbern der Erzväter, weckte sie ans ihrem Schlaf und sprach: „Wie lange noch werdet Ihr, Väter der Welt, in tiefem Schlaf versunken sein und nicht achten ans die Gefahr, die über Euren Nachkommen schwebt?" „Die heiligen Engel, Sonne, Mond und Sterne, Himmel und Erde, weinen bitterlich, und Ihr schlummert ruhig und verhaltet Euch gleichgiltig?" „Was giebt's denn?" entgegneten die Väter, „was ist denn geschehen?" „Gott hat beschlossen", erwiderte Elias mit weinender Stimme „das Andenken Israels zu vertilgen." „Warum denn?" riefen die Erzväter entsetzt ans. „Weil sie von der Tafel des Ahasverus gegessen haben." „Wenn die Israeliten das göttliche Gesetz übertreten haben", antworteten die Väter, „können wir für sie nichts thun; auch wir mußten Gottes Strafe für die Übertretung des Gesetzes über uns ergehen lassen." Da eilte Elias zu Moses und weinte und schrie mit lauter Stimme: „Du treuer Hirt! wie oft standest Du den Kindern Israels bei, wie oft lenktest Du in verhängnisvollen Zeiten Verderben und Mißgeschick von ihnen ab, o steh' ihnen doch auch in dieser ihrer Not bei, errette sie vom Untergange!" „Giebt's denn nicht", entgegnete Moses, „einen würoigen Menschen in diesem Geschlecht?" „O ja", sprach Elias, „ich kenne einen sehr würdigen Menschen Namens Mardochai." „So geh", rief Moses, „und melde ihm, daß er dort und ich hier im Gebet für sie verharre." „Treuer Hirt", sprach Elias, „ich vergaß Dir aber zu sagen, daß der Vertilgnngsbefehl gegen Israel schon ausgefertigt ist." „Schon ausgefertigt!" schrie Moses, „schon attsgefertigt! So sprich, Elias, wenn Du es weißt, womit ist der Vertilgnngsbefehl besiegelt, mit Blut oder mit Lehm? Wenn mit Blut, so ist Israel ohne Erbarmen verloren, wenn aber mit Lehm, so kann unser Gebet noch Erhörung finden." „Mit Lehm, mit Lehm", erwiderte Elias, in dessen Auge eine Freudenthräne -zu sehen war, „mit Lehm, das weiß ich bestimmt."