Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 5 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 69 — man doch von seinem Ahnherrn erzählen. Der kleine Mann versteht sicher manche dieser Anspielungen selbst nicht, aber seine Zuhörer verstehen sie und amüsieren sich darüber. Je toller es mit Haman getrieben wird, je hageldichter die Schlage auf ihn fallen, desto besser ist es. Vielleicht fällt für den dicken Ratsherrn, der immer so stolz gegen die Juden thnt und selbst den Vorsteher der Jndengemeinde mit „Er" anredet, auch etwas dabei ab. Es wäre doch zu schön, wenn auch er einst den „Parneß"*) durch die Jndengasse führen und vor ihn: ausrnfen müßte: „So geschieht dem Manne re." Nun, während die allgemeine Aufmerksamkeit auf die schöne Erzählung gerichtet ist, wird die des ältesten Buben, der dort hinten auf den Tisch geklettert ist und hinter der Mutter hervorschaut, wohl durch etwas anderes in Anspruch genommen. Er möchte mit seinen Blicken die Larve des gleichaltrigen kleinen Maskierten durchdringen, ob er nicht einige ihm bekannte Gesichtszüge entdecken kann. Wer mag das wohl sein, der sein Sprüchlein so ohne Anstoß herzusagen versteht? der die Aufmerksamkeit Aller, selbst des kleinen Brüderchens und der im Hanse lebenden Tante, die sonst immer was zu thun hat, so sehr in Anspruch nimmt? Er bekommf es doch noch heraus. Ja, wer auch ebenso als' Maske herumgehen könnte! Nun bald hat auch der Ratsherr seinen Spruch gesagt, und sie singen dann alle drei unter Mandolinenbegleitung ein rührendes Lied vom Purimfeste und von den vielen Ham ans, die umherlaufen, daß es schier nicht Galgen genug gäbe, sie Alle und ihre Söhne, die „Dalphons" daranzuhängen. Dann werden sie bewirtet werden, erhalten auch wohl jeder ein Geldgeschenk, das sie, wenn sie arm sind, ohne Scheu annchmen werden; sie brauchen sich ja dessen nicht zu schämen, ihre Masken verbergen sie ja, und es ist kein Almosen, sondern ein wohlverdienter Ehrensold für ihre Kunstleistungen. Dann ziehen sie weiter ins Nachbarhaus, um auch dort die Leute zu ergötzen und Beifall, Bewirtung und Geschenke eiuzuheimsen. _ itn Alaun, der Arbeit mehr als Fasten 4^ Und Mohlthun mehr als Beten schätzte, Ließ bauen einen weiten Aasten, Auf den er diese Aufschrift setzte: „Die zehnte Frucht aus nieinen Scheuern Will ich allhier den Armen steuern. Je inehr bescheeret Gottes Millen, Je mehr werd' ich den Aasten füllen." *) Erster Vorsteher. 5M M